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Hartenrod soll Außenstelle verlieren

Förderverein Hartenrod soll Außenstelle verlieren

Nach fünfjähriger Betriebszeit schreibt das Dorfzentrum "Jeegels Hoob" in Hartenrod eine Erfolgsgeschichte, doch das Standesamt als wichtiger Bestandteil soll nun abgezogen werden.

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Hermann Bamberger, Vorsitzender des Kultur- und Fördervereins „Jeegels Hoob“, freut sich über die Erfolgsgeschichte des Dorfzentrums und kämpft für den Erhalt der Verwaltungsaußenstelle.
Foto: Helga Peter

Hartenrod. Der Ortsbeirat berät am Mittwoch, 31. Oktober, über die beabsichtigte Versetzung der Standesbeamtin nach Bad Endbach. Das wäre das endgültige Aus für die Außenstelle der Gemeindeverwaltung. Ist doch bereits eine Verwaltungsangestellte, die vormittags in Hartenrod tätig war, nach Bad Endbach abgezogen wurden. Details zu dem Vorhaben sind noch nicht bekannt. Hermann Bamberger, Vorsitzender des Förderkreises „Jeegels Hoob“, vermutet, dass der Bürgermeister Markus Schäfer die Bad Endbacher Verwaltung effizienter gestalten möchte. Doch einsehen will er dies nicht. „Mit der heutigen Vernetzung ist es doch kein Problem, eine Mitarbeiterin in einer Außenstelle zu beschäftigen“, sagt er. Mit dem Wegfall des Standesamtes verliert Hartenrod an Eigenständigkeit, die der Ort seit Jahrzehnten hat. In den 80er Jahren hatte Altbürgermeister Walter Hinterlang sein Büro im Dorfgemeinschaftshaus und ließ sich nur selten in Bad Endbach blicken. Bereits davor gab es eine Verwaltungsstelle in Hartenrod.

Der Förderverein wehrt sich dagegen, dass diese nun wegfallen soll. „Hartenrod ist mit Schlierbach als eine Einheit zu sehen. Für 3000 Einwohner muss eine bürgernahe Anlaufstelle vorhanden sein“, sagt Bamberger. Am 18. November wird der Förderverein ein Gespräch mit Bürgermeister Schäfer führen und seinen Standpunkt klar formulieren. Fällt die Außenstelle weg, will der Verein sein Engagement extrem zurückfahren. Trauzimmer, Foyer und Hof seien bei der Planung des Gebäudes so konzipiert worden, das es seinesgleichen bei der Ausrichtung von Hochzeiten sucht.

„Wir sind nicht damit einverstanden, dass die möglicherweise freiwerdenden Räume für irgendwelche drittklassigen Aufgaben in der Gemeinde entfremdet werden“, sagt Bamberger. Außerdem habe die Gemeindevertretung 2006 mit großer Mehrheit beschlossen, dass das Standesamt in Hartenrod verbleibt - ohne zeitliche Befristung. Bamberger sieht eine Demontage des Projektes „Jeegels Hoob“, das weit über die Grenzen Hartenrod hinaus bekannt ist.

Das Dorfzentrum wurde vor gut acht Jahren auf dem Gelände der damals abgetragenen Hofreite Seitz erbaut und trägt einen historischen Hartenroder Hausnamen. Wie Bamberger berichtet, haben Untersuchungen ergeben, dass diese Hofreite im Jahre 1693 errichtet worden ist. Die Familien, die diese Hofreite in den vergangenen Jahrhunderten bewohnten, seien in Hartenrod angesehene Bürger (darunter Bürgermeister) gewesen, die im Dorfgeschehen eine Führungs- und mitbestimmende Rolle gespielt hätten.

Der „Jeegels Hoob“ war in seiner Entstehung ein in Hartenrod viel diskutiertes Projekt mit Vorbehalten und ging aus der mittlerweile abgeschlossenen Dorferneuerung als das größte Objekt hervor. Weit vor Baubeginn sei ein Förderverein gegründet worden. Die Gründung erfolgte am 17. Juli 2003 und hatte die Übernahme einer kompletten ehrenamtlichen Betreuung des Hauses zur Aufgabe. 25 Mitglieder hoben den „Kultur- und Förderverein „Jeegels Hoob“ unter dem Vorsitz von Hermann Bamberger aus der Taufe. Dem Verein gehören heute 80 Mitglieder an.

Das Dorfzentrum, das im Februar 2007 eingeweiht wurde, ist der Mittelpunkt des Dorflebens für die Zusammenkünfte des alltäglichen Geschehens von Bürgern und Vereinen aber auch für Festlichkeiten aller Art.

Das Dorfzentrum mit integriertem Standesamt ist vor allem für Hochzeiten ein beliebter Austragungsort - weit über die Grenzen der Großgemeinde hinaus. Der Förderverein will, dass dies so bleibt.

Ein „Kulturtempel“ solle dieses Haus nicht sein, sagt Bamberger, dennoch biete das Foyer das Ambiente, in dem Künstler ihre Werke hervorragend präsentieren können. Deshalb koordiniert der Vereinsvorsitzende regelmäßige Ausstellungen und freut sich darüber, dass mittlerweile Anmeldungen aus dem gesamten Landkreis erfolgen.

In zahlreichen Vorträgen wird im Dorfzentrum „Jeegels Hoob“ auch die historische Geschichte der Gemeinde und des Hinterlandes für die Bürger publik gemacht. Zudem erstellt der Förderverein nunmehr zum 9. Mal einen Heimatkalender und führt Wanderungen und auch Grenzgänge durch.

Musikalische Veranstaltungen gehören ebenfalls in das Veranstaltungsprogramm des Dorfzentrums, bei denen heimische Chöre und Musikgruppen auftreten. Dazu zählen auch der Hartenroder Johannis- und Adventsmarkt, bei denen die Gäste sowohl musikalisch als auch kulinarisch im Dorfzentrum verwöhnt werden.

Etwas ganz Besonderes ist es, dass täglich aus der Küche des Dorfzentrums „Jeegels Hoob“ etwa 20 Mittagessen an den benachbarten Kindergarten ausgegeben werden. Neu im Programm ist auch mit Beginn des Schuljahres die Ausgabe von etwa 25 Mittagessen an die Mittelpunktschule Hartenrod für den Förderkreis.

Ohne das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder, allen voran Willi Arnold, Helmut Brodt, Dieter Domke und Hermann Bamberger, ist das Management dieses Gebäudekomplexes nicht zu schultern. Dazu gehören auch die Pflege des weitläufigen Außenareals und der Winterdienst.

Bamberger kann sich vorstellen, dass durch das ehrenamtliche Engagement dieses Haus für die Gemeinde eines der kostengünstigsten, wenn nicht sogar das kostengünstigste ist.

Neben den ständig anfallenden Arbeiten haben Vereinsmitglieder in der Vergangenheit einen Maschinenschuppen zur Aufbewahrung der Gerätschaften auf dem Gelände errichtet, Bestecke und Teller, eine Küchenmaschine sowie zehn runde Tische mit den entsprechenden Tischdecken und Hussen für die Stühle angeschafft, damit bei Festlichkeiten das besondere Ambiente gegeben ist.

Der Verein trägt auch, sofern es die finanziellen Mittel hergeben, die Wartungskosten für die Heizung und die technischen Anlagen. Im Juli des kommenden Jahres feiert der Verein sein zehnjähriges Bestehen - doch die Zukunft schein ungewiss. Reduziert der Förderverein sein Engagement, sind viele Angebote des Dorfzentrums nicht mehr leistbar - zumindest nicht im Ehrenamt.

von Helga Peter und Silke Pfeifer-Sternke

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