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Haftstrafe für Wiederholungstäter

Landgericht Haftstrafe für Wiederholungstäter

Zu Haftstrafen von drei Jahren und vier Monaten sowie fünf Jahren wegen schweren Raubs wurden zwei Männer aus dem Hinterland gestern vor dem Marburger Landgericht verurteilt.

Marburg . Da die Täter sowohl geständig als auch reuig waren, fiel das Urteil etwas niedriger aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Der 34-Jährige und der 25 Jahre alte Mann aus Biedenkopf waren in der Nacht zum 4. Februar nach Biedenkopf gefahren, um dort einen 30 Jahre alten Mann in dessen Wohnung aufzusuchen und ihn zu berauben.

Diesem Plan war ein Treffen zwischen dem 25-Jährigen und dem späteren Opfer am Vorabend der Tat vorausgegangen: Der Mann wollte von dem 25-Jährigen Drogen kaufen. Als Anzahlung hatte er ihm 500 Euro gegeben. Dieses Geld verprasste der Angeklagte mit seinem Kumpel in einer Spielothek. Als die Barschaft aufgebraucht war, hatte der 25-Jährige die Idee, den Mann zu überfallen. Denn er wisse, dass dieser eine Erbschaft gemacht habe. Also habe er sich schließlich zu „dieser großen Dummheit“ überreden lassen.

Das Duo fuhr nach Biedenkopf und klingelte das Opfer aus dem Bett. Der 34-Jährige hatte sich mit einer Sturmhaube maskiert, zudem hatte er eine nicht funktionsfähige Softair-Pistole dabei. Als das Opfer ans Fenster kam, um zu schauen, wer denn „da Sturm geklingelt hat“, so seine Aussage, habe er nur den 34-Jährigen gesehen. „Er sollte mir etwas besorgen und sagte, das habe er nun dabei. Also habe ich die Tür geöffnet.“

Sofort bedrohte der 34-Jährige den Mann mit der Pistole, zwang ihn vom Treppenhaus zurück in die Wohnung. Dort musste sich das Opfer bäuchlings auf den Boden legen. Der 34-Jährige hielt ihm die Pistole an den Kopf, sein Kumpan durchsuchte derweil die Wohnung - unmaskiert. Mit der Beute - zwei Laptops, ein nagelneues Handy und etwa 800 Euro in bar - machten sie sich aus dem Staub. Das Opfer alarmierte die Polizei. Die Ermittlungen führten zunächst zu dem 25-Jährigen als Täter. Der 34-jährige hatte sich etwas später aus Angst selbst angezeigt und seinen Kumpan zwei weiterer Straftaten bezichtigt: Zum einen habe er am 23. Januar mit einem Gullydeckel versucht, die Scheibe eines Juweliergeschäfts in Gladenbach einzuwerfen, was aber misslang. Und am 31. Januar habe der Mann in Gladenbach drei Autos aufgebrochen. Aus einem habe er ein Navi geklaut. „Ich selbst habe nicht mitgemacht“, sagte der 34-Jährige. Nach den Motiven für die Tat befragt, sagte der 25-Jährige, er habe Geld zur Finanzierung seiner Drogensucht benötigt. Bereits seit früher Jugend konsumiert er Drogen: Zunächst Haschisch, dann Amphetamine, später auch Kokain und zuletzt Heroin. Vor dem Raub habe er Tabletten genommen und eine halbe Flasche Whisky getrunken. Da er von Hartz IV lebe, könne er seinen täglichen Bedarf nicht finanzieren.

Der 34-jährige gab ebenfalls Geldnot an, allerdings sei er nicht süchtig. „Es ist nicht so, dass ich das brauche“, gab er an. Die Verlockung, schnell an Geld zu kommen, sei jedoch sehr groß gewesen. Denn er verspiele etwa 80 Prozent seines monatlichen Geldes.

Dass der 25-Jährige zum Tatzeitpunkt keine Steuerungsfähigkeit besessen habe, schloss die Gutachterin aus. Die Tat sei zielgerichtet erfolgt.

Allerdings bescheinigte sie dem 25-Jährigen eine schlechte Prognose, sollte seine Sucht nicht therapiert werden. Sie halte ihn jedoch für sehr „Therapie-motiviert.“ Beide Angeklagten entschuldigten sich bei dem Opfer.

Doch für die Staatsanwaltschaft reichte dies nicht zu mildernden Umständen: Bei dem 25-Jährigen, der einschlägig vorbestraft ist, gebe es eine extrem hohe Rückfallgeschwindigkeit. Daher lautete die Forderung für ihn sechs Jahre Haft - zusammengesetzt aus dem Raub und den Auto-Aufbrüchen. Für den 34-jährigen hätten das frühe Geständnis und die Belastung des 25-Jährigen mit anderen Straftaten positive Auswirkungen. Allerdings sei auch er vorbestraft, weshalb eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten angemessen sei.

Richter Dr. Carsten Paul stellte in seinem Urteil fest, dass es sich um schweren Raub handele. Die Tat habe „mit erheblichen Beute-Erwartungen“ begonnen.

Und im Fall des 34-Jährigen sei es unerheblich, ob er nur zur Tat überredet worden sei: „Sie haben die Tat gemeinsam begangen, noch dazu waren Sie maskiert.“ Dem 25-Jährigen wurde zudem eine zweijährige Therapie auferlegt.

von Andreas Schmidt

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