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Hinterland „Haben zu zwei Dritteln gewonnen“
Landkreis Hinterland „Haben zu zwei Dritteln gewonnen“
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18:15 10.07.2012
Steinperf

In den Streit um das Windpark-Projekt brachte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen in der vergangenen Woche wieder Bewegung. Anlass für die Bürgerinitiative in Steinperf, zu einer Informationsveranstaltung einzuladen. Alexandra Jost, die die „IG pro Natur“ mit Monika Schuberth und Susanne Klingelhöfer initiierte, begrüßte rund 50 Interessierte im Dorfgemeinschaftshaus, darunter viele Holzhäuser, Bottenhorner und Herzhäuser.

„Der Nabu hat nicht verloren“, bewertete BI-Berater Wulf Hahn das Gerichtsurteil, wenngleich die Hauptgenehmigung noch ausstehe. „Wir haben 80 Prozent der ursprünglichen Planung weggehauen - und das ist den Bürgerinitiativen zu verdanken.“ Hätte man ihm noch am Jahresanfang gesagt, dass im Juli nur noch von einem Windrad die Rede sei, so hätte er dies nicht zu hoffen gewagt, sagte Hahn, der versprach: „Auch das letzte Windrad werden wir noch wegkriegen.“

Dieter Jurkat von der BI bekräftigte: „Wir haben zu zwei Dritteln gewonnen.“ Auf der Ebene der Bürgerinitiativen sei die interkommunale Zusammenarbeit auf gutem Weg, lobte Jurkat die Kooperation mit den Steinperfern. Er warnte davor, den Kommunal-Politikern zu vertrauen: „Die versuchen, uns diese Dinge überzustülpen“. Würden sich die Menschen nicht wehren, „dann drehen sich auf unseren Hügeln in den nächsten Jahren 300 Windräder“, was einer „Katastrophe“ gleichkomme.

Jurkats Holzhäuser Mitstreiter Charly Mutschler erläuterte, wie sich seinen Berechnungen zufolge der Schall des möglichen Windrades am Standort 1, der Steinperf am nächsten liegt, dort auswirke. In der Höhenstraße des Ortes sei der Schall-Grenzwert um zwei Dezibel hochgesetzt worden, kritisierte Mutschler. Die Lärmbelastung in der Nacht könne dort von derzeit 16,9 auf 35,7 Dezibel steigen, führte er weiter aus. Gegen das Hochsetzen von Grenzwerten könne die Gemeinde Einspruch einlegen und klagen, zeigte Mutschler einen möglichen Weg auf.

Bärbel Bastian skizzierte für die Steinperfer die bisherige Arbeit der Holzhäuser Bürgerinitiative. Die nutzte die Veranstaltung auch, um für Spenden zu werben, was der Steinperfer Dieter Theis unterstützte. Die Mittel für professionelle Hilfe, etwa durch Rechtsanwälte, könne man vor Ort alleine nicht aufbringen, erklärte Theis und fragte zu dem Windprojekt allgemein: „Warum lässt sich der Bürger das gefallen?“

Es müsse nun darum gehen, im Ort weiter für die Anliegen der Bürgerinitiativen zu werben. Zudem bemängelte Theis mangelndes Interesse vonseiten der Steffenberger Politiker. „Ich hätte eigentlich jemanden von der Gemeinde hier erwartet“, sagte er. Dafür gab es von den Versammlungsteilnehmern Beifall - wie für alle Redner des Abends.

Vorgestellt wurde noch ein Flugblatt, das die BI eigenen Angaben zufolge in Bad Endbach verteilt. Darin wird gesagt, der Nachbar betreibe die Windpark-Pläne, weil ihm finanziell „das Wasser bis zum Halse steht“. Die Bürgerinitiative unterbreitet in dem Flugblatt den Vorschlag, die Lahn-Dill-Bergland-Therme zu verkaufen, wodurch die Gemeinde Bad Endbach dann auf einen Schlag um knapp eine Million Euro pro Jahr reicher sei. Zudem wird hervorgehoben, dass Endbach „kein guter Nachbar“ sei. Jurkat merkte an, dass Flugblatt solle „ironisch“ verstanden werden.

von Carsten Müller

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