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Gute Zahlen - schlechte Aussichten

Arbeitsmarkt im September Gute Zahlen - schlechte Aussichten

Fast fünf Prozent weniger Arbeitslose gab es im September im Landkreis im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Quote liegt bei 4,4 Prozent.

Marburg. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf steht im hessischen Vergleich so gut da, wie lange nicht: Einzig die Landkreise Fulda (3,3 Prozent), Hochtaunus (3,7), Rheingau-Taunus (4,0), Main-Taunus (4,2) und Bergstraße (4,3) haben eine bessere Arbeitslosenquote. „Das sind gute Zahlen“, betont Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg, der allerdings auch dunkle Wolken am Arbeitsmarkt sieht: So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) III - also derjenigen, die Arbeitslosengeld beziehen können - gegenüber dem September 2011 um 13,3 Prozent an. „Das macht deutlich, dass mehr Menschen aus länger befristeten Arbeitsverhältnissen nun ihren Job verlieren“, erklärt Breustedt diese Zahlen. Im Vergleich dazu sei die Zahl der Arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger (SGB II) gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,7 Prozent gesunken.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis Marburg-Biedenkopf erreichte damit im September ein neues Allzeittief: In diesem Monat waren 3594 Menschen langzeitarbeitslos gemeldet. Das sind 11,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Deutlich wird die schlechtere Wirtschaftslage auch an den Stellen: „Gegenüber September 2011 haben wir einen um 16.3 Prozent kleineren Bestand“, berichtet der Agenturchef. Seit Jahresbeginn seien insgesamt 16,9 Prozent weniger Stellen gemeldet worden. In absoluten Zahlen sind das 1125 Arbeitsplätze.

Gleiches hat auch Angelika Berbuir, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wetzlar, festgestellt, die noch bis 30. September das Hinterland mitbetreut: „Die Arbeitsmarktentwicklung im September unterscheidet sich nicht wesentlich von denen der Vormonate. Weil die Zahl der Stellenmeldungen auch weiterhin hinter den Vermittlungsaufträgen des vergangenen Jahres zurückbleibt, entfaltet der Markt nicht ausreichend Dynamik, um noch mehr Menschen in Arbeit zu bringen“, erklärt sie.

„Uns fehlen vor allem Stellen für angelernte Kräfte, sprich Produktionshelfer und Co“, ergänzt Volker Breustedt. Vor allem im Bereich der Automobilzulieferer sieht er da die Probleme: „Wir haben vier Betriebe im Bezirk, die für insgesamt 550 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt haben - alles Automobilzulieferer“, sagt er. Um der aktuellen Situation gegenzusteuern setzt die Arbeitsagentur vermehrt auf Weiterbildungen: Derzeit seien 446 Erwerbslose in Weiterbildungen - ein Plus von 40 Prozent zum Vorjahr.

von Katharina Kaufmann

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