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Gute Laune verkürzt die Drehzeit

Aufnahmen für Grenzgangsfilm Gute Laune verkürzt die Drehzeit

Die Entstehung der einzelnen Szenen gestaltet sich aufwendig und langwierig. Geduld, Motivation und Flexibilität sind bei den Dreharbeiten gefragt.

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Massenszenen für die Verfilmung von Stephan Thomes Roman „Grenzgang“ auf dem Marktplatz in Biedenkopf.
Auch in Wallau herrschte währen der Dreharbeiten hektische Betriebssamkeit. Fotos: Sophie Cyriax, Michael Hoffsteter

Wallau. Für einen Samstag herrscht ungewöhnlich viel Betrieb auf dem Gelände der Mittelpunktschule Wallau. Die Parkplätze sind mit Autos, Lastwagen und Wohnmobilen belegt. Ein mobiler Catering-Service hat sich in der Nähe des Schulgebäudes platziert. Gyros-Duft liegt in der Luft.

Am Rande des Schulparkplatzes, an der Kreuzung zwischen Berliner Straße und Ringstraße, stehen ein junger Mann und eine Frau. Beide sind mit Funkgeräten ausgestattet. Sie achten darauf, dass niemand mit dem Auto in Richtung Schulgelände fährt. Denn dort laufen gerade die Dreharbeiten für die Verfilmung von Stephan Thomes Roman „Grenzgang”.

Eine Vielzahl an Kabeln schlängelt sich über den Asphalt und um das Schulgebäude herum. Überall auf dem Schulgelände sind Menschen und Technik zu sehen. Vielen ist Hektik anzumerken. Es muss schnell gehen, schließlich soll am Ende des Tages ein Großteil der Schul-Szenen „im Kasten“ sein.

Eine Anwohnerin wundert sich über das Spektakel und erkundigt sich, was denn hier vor sich gehe. Schauspieler Lars Eidinger, der gerade mit einigen Kollegen auf dem Weg zum Catering-Mobil ist, um zu Mittag zu essen, gibt Auskunft. Er erklärt, dass dies die Dreharbeiten für den Grenzgang-Film seien. Die Anwohnerin ist überrascht, fragt, weshalb dieser denn nicht in Biedenkopf gedreht werde - dort, wo der Roman auch spiele. Eidinger sagt, dass Biedenkopf im Roman nicht beim Namen genannt werde, sondern verfremdet als „Bergenstadt“ auftauche. Dies lasse Freiraum bei der Wahl der Schauplätze.

Nach dem Mittagessen geht es zügig weiter. Auf dem Schulhof entsteht nun die Szene, in der Kerstin Werner, eine der beiden Hauptfiguren, mit dem Auto auf den Schulparkplatz fährt. Am Steuer des Wagens sitzt die Schauspielerin Claudia Michelsen. Im Film ist es Sommer. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und der bevorstehende Grenzgang sind die bestimmenden Themen in der fiktiven Kleinstadt Bergenstadt.

Komparsen warten auf ihren Einsatz

Themen, die für Kerstin völlig bedeutungslos sind. Die 44-Jährige, die in Scheidung lebt, hat ganz andere Sorgen: zum einen ihre demenzkranke Mutter, die sie zu Hause versorgt, zum anderen ihren pubertierenden Sohn Daniel. In der Schule ist er auffällig geworden, hat mit zwei weiteren Freunden einen Mitschüler erpresst.

Aus diesem Grund fährt sie an einem Fußball-Nachmittag, an dem viele vor dem Fernseher sitzen, in die Schule. Dort will sie mit Daniels Klassenlehrer Thomas Weidmann (Lars Eidinger) sprechen. Kerstin und Weidmann kennen sich auch aus einem anderen Zusammenhang. Beiden wird unwohl, wenn sie an diese Begegnung zurückdenken.

Als Kerstin aus dem Wagen aussteigen will, sieht sie Weidmann im Fenster. Die Kamera ist in diesem Moment allein auf die im Auto sitzende Claudia Michelsen gerichtet, deren Gesicht einen panischen Ausdruck annimmt. In einer Kurzschluss-Reaktion entscheidet sich Kerstin gegen das Gespräch mit Weidmann, schaltet den Motor an und fährt rückwärts davon.

Die Szene muss mehrmals wiederholt werden. Das ist bei Dreharbeiten nicht ungewöhnlich. Immer wieder werden kleinere Details verändert. Einmal zum Beispiel spiegeln sich Personen in den Fenstern der Schule wider - ein unerwünschter Effekt. Und so ertönen abermals die Ansagen „Ton läuft“, „Und bitte!“. Einige Komparsen warten auf ihren Einsatz, teils überrascht davon, wie viel Zeit und Aufwand die Entstehung einer einzelnen Szene bedarf. Regie-Assistentin Bahar Ebrahim verteilt Motivationsspritzen und informiert nebenbei über den Zwischenstand der Fußball-Bundesliga.

„Es steht immer noch null zu null“, sagt sie und meint das Spiel zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Die 32-Jährige selbst gibt sich als Schalke-Anhängerin zu erkennen.

Auch im Marburger „Nachtsalon“ wird gedreht

Das Handy eines Komparsen klingelt. Ein Tontechniker weist darauf hin, dass alle Handys auszuschalten sind, um Störungen zu vermeiden. „Ich fühl mich so scheiße in den Kla­motten, so spießig“, sagt ein Komparse, der für seine Neben­rolle einen Anzug trägt - und erntet das Schmunzeln seiner Kollegen.

Schließlich ist ein Teil der Komparsen am Zug, unter anderem die Wallauerin Susanne Strathmann.

Sie wirkt in der Szene mit, in der Weidmann gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen das Schulgebäude verlässt, sich apfelkauend auf sein Fahrrad schwingt und in die Pedale tritt. Da auch diese Szene mehrmals wiederholt wird, muss Eidinger in zahlreiche Äpfel beißen, was für die eine oder an­dere witzige Bemerkung sorgt.

Gute Laune, das ist auch das Ziel von Bahar Ebrahim. Die Regie-Assistentin sagt im Gespräch mit der OP, dass es - verglichen mit einigen Regionen - nicht so leicht gewesen sei, in Biedenkopf und Umgebung ausreichend Komparsen zu gewinnen. Fortgesetzt wurden die Dreharbeiten in Marburg. Im „Nachtsalon“ entstand die Szene, in der Kerstin und Weidmann sich zufällig in einem Swinger-Club bei Frankfurt über den Weg laufen.

von Björn-Uwe Klein

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