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Hinterland Gutachten soll zur Aufklärung beitragen
Landkreis Hinterland Gutachten soll zur Aufklärung beitragen
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15:31 25.06.2018
Symbolbild: Das Verfahren soll fortgesetzt werden. Quelle: Thorsten Richter
Biedenkopf

Dem Angeklagten warf Dr. Matthias Friehe von der Staatsanwaltschaft Marburg vor, in zwei Fällen vorbeifahrenden Fahrzeuginsassen ein langes Bajonett gezeigt und mit einer Geste angedeutet haben, ihnen die Kehle durchschneiden zu wollen.

Bei seiner Einlassung wurde deutlich, dass der Angeklagte seit seiner Kindheit durch seine „Freunde“ massive Kränkungen und Demütigungen erlebt hat. Erregt schilderte er, dass er, um anerkannt zu werden, alles für seine damaligen Freunde getan habe.

Hänseleien regten ihn auf

Besonders belastend, so seine Aussage, seien Hänseleien und Schmähungen gewesen, die auf seine Adoption durch Pflegeeltern abzielten. Die Anklagevorwürfe wies er vehement und sehr aufgewühlt zurück, vielmehr seien es seine Freunde gewesen, die ihn beleidigt hätten.

Im Jahre 2014 sei, so der Angeklagte, die „Schei…-Freundschaft“ auseinandergegangen. Zur Frage von Richter Dr. Mirko Schulte nach dem Bajonett und einem Reichsadlerabzeichen mit Hakenkreuz, das die Polizei bei ihm sichergestellt habe, antwortete der Angeklagte, dass das Bajonett ein Sammlerstück sei. Dieses werde von ihm unter Verschluss gehalten und sei seine „Altersvorsorge“.

Angeklagter vermutete Komplott

Auf Nachfrage bezifferte er den aktuellen Wert des Bajonetts mit 500 Euro, der aber bis auf 5 000 Euro steigen könne. Insgesamt vermutete der Angeklagte ein Komplott seiner ehemaligen Clique gegen ihn. Diese hätten die Freundschaft kaputtgemacht und würden ihn im Ort schlecht machen.

Sein Vater, der als Zeuge aussagte, verwies ebenfalls auf die Hänseleien und Demütigungen in der Jugend seines Adoptivsohnes. Die beiden Zeugen bestätigten bei der Beweisaufnahme noch einmal die in der Anklage erhobenen Vorwürfe der Bedrohung.

Gutachten soll Klärung bringen

Einer der Zeugen betonte, dass er diese ernst nehme und berichtete, dass die Freundschaft wegen Stehlens von Zigaretten und Bedrohungen seitens des Angeklagten zerbrochen sei.

Im Zuge der Beweisaufnahme kam auch ein vorheriges Delikt zur Sprache, bei dem sich der Angeklagte in einem früheren Fall wegen des Schwenkens einer Hakenkreuzfahne schon einmal vor Gericht verantworten musste. Aufgrund der großen emotionalen Erregung und der entsprechenden Ausführungen des Angeklagten fragte Richter Mirko Schulte, ob er denn schon einmal ärztliche Hilfe in Anspruch genommen habe. Das verneinte der Angeklagte.

Um zu einem gerechten Urteil zu kommen, regte der Richter an, die Auswirkungen der Kränkungen auf den Angeklagten durch einen Gutachter klären zu lassen. Dieser Anregung folgte der Angeklagte, worauf die Verhandlung von Richter Schulte unterbrochen wurde; sie soll zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.

von Erich Frankenberg