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Hinterland Gutachten fällt negativ aus
Landkreis Hinterland Gutachten fällt negativ aus
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00:19 02.09.2018
Laut des Sachverständigen zeigt der Angeklagte zeigt kein Unrechtsbewusstsein. Quelle: Arne Dedert / dpa / Themenfoto
Marburg

Zu den Vorwürfen habe sich der Angeklagte ihr gegenüber nicht geäußert, berichtete die Sachverständige Sabine Nowara vor Gericht. Was frühere Straftaten betreffe, unter anderem die Körperverletzung einer ehemaligen Lebenspartnerin, zeige er keinerlei Unrechtsbewusstsein und mache für alles andere verantwortlich, so die Psychologin.

Dem Charakter nach, so Nowara, sei er jemand, der immer die Kontrolle haben wolle und zeige narzisstische Züge. „Er hat sich aber auch als guter Familienvater dargestellt, auf strenge Strafen, wie sie Zeugen schilderten, ist er nicht eingegangen.“ Stimmten auch die Vorwürfe der Kindesmisshandlungen, sehe sie zudem sadistische Züge.

Obwohl er „zu Beginn seines Lebens nicht unerhebliche Startschwierigkeiten hatte“, so die Sachverständige, hätten die Straffälligkeiten nicht wie oft in der Jugend, sondern erst im jungen Erwachsenenalter begonnen. Dann allerdings in den vergangenen 20 Jahren immer wieder.

Angeklagter setzt soziale Kompetenz manipulativ ein

Stimmten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, so habe er sich mehrfach an Mädchen vergangen, die kurz vor oder in der Pubertät standen und bereits frauliche Merkmale hatten. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass er pädophil ist, zumal er auch sexuelle Beziehungen zu erwachsene Frauen hatte.

Wie die Psychologin betonte, sei die Rechtsprognose „außerordentlich ungünstig“. Eine berufliche Integration fehle, weil er nur Aushilfstätigkeiten ausübte und seit etwa sieben bis acht Jahren gar nicht mehr arbeitete. Seine durchaus vorhandenen sozialen Kompetenzen, die auch Zeugen beschrieben, setze er manipulativ ein.

Und wegen der mangelnden Einsicht sei er nur schwer zu behandeln. Straftaten seien in jedem Fall wieder zu erwarten. Die Voraussetzung für eine Sicherungsverwahrung nach der Verbüßung einer Strafe sei wegen der Gefährlichkeit für die Allgemeinheit durchaus gegeben, so Nowara abschließend.

Psychiaterin bescheinigt Zeugin hohe Glaubwürdigkeit

Der Verwertung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens durch das Gericht widersprach der Pflichtverteidiger des Biedenkopfers. Dieses wurde zur Aussage einer Stieftochter des Angeklagten, die er von 2014 bis 2015 allein 70 Mal missbraucht haben soll, angefertigt. Er monierte, dass bei einigen Aussagen des Kindes nicht beachtet worden sei, dass zunächst über ein neutrales Thema so gesprochen werden müsse, wie anschließend zum eigentlichen Fall. Ein neues Gutachten soll beweisen, dass das Mädchen nicht die Wahrheit sagte.

Psychiaterin Mareike Schüler-­Springorum bescheinigte der Zeugin dagegen eine hohe Glaubwürdigkeit. Die Aussagen bei Polizei, Ermittlungsrichter, ihr gegenüber und vor Gericht wiesen eine große Konstanz aus und es gebe viele Merkmale einer erlebnisbasierten Schilderung.

Schüler-Springorum schloss aus, dass der Vater des Kindes oder dessen Vater dem Mädchen die Vorfälle vorgaben. Das nimmt die Ehefrau des Angeklagten an, die ihrer Tochter vorwirft zu lügen. Sie übertrage auch einen Missbrauch durch einen früheren Partner ihrer Mutter auf den Angeklagten. „Sie hat betont, dass der erste Fall schlimmer war“, so die Sachverständige, das sei gerade das Gegenteil einer Belastungstendenz.

von Heiko Krause

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