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Günstige Prognose dank Wegzug aus Milieu

Amtsgericht Günstige Prognose dank Wegzug aus Milieu

Trotz mehrfacher Vergehen und Vorstrafen verließ ein 20-Jähriger das Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe. Ausschlaggebend war die günstige Prognose, da der Verurteilte Gladenbach verlassen hat.

Marburg. Wegen Geringfügigkeit stellte das Marburger Amtsgericht gestern ein Verfahren gegen einen 20-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ein. Der Mann soll in alkoholisiertem Zustand in seiner Wohnung in Gladenbach einer 13-Jährigen an die Brust und an das Gesäß gefasst haben. Verurteilt wurde er jedoch wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Der Angeklagte räumte ein, einen 16-Jährigen, der ihn auf den Vorfall angesprochen hatte, geschlagen zu haben.

Laut Anklage soll der Mann in seiner Wohnung dem Mädchen ins Badezimmer gefolgt sein und es nach seinem Alter gefragt haben, welches dieses auch wahrheitsgemäß genannt habe. Dann habe er das Kind unsittlich berührt und auch versucht, es zu küssen. Nach längerer Beratung stellte das Gericht unter Billigung der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 500 Euro ein.

Auch ein weiterer Vorwurf wegen Beihilfe zur Körperverletzung wurde nicht verhandelt. Zwei Zeugen, unter anderem der mutmaßlich Geschädigte, fehlten unentschuldigt, ein Verfolgungsinteresse bestehe daher wohl nicht, so der Vorsitzende, Richter Thomas Rohner.

Laut Anklage verhinderte der 20-Jährige bei einer Schlägerei auf dem Hof der Freiherr-von-Stein-Schule das Eingreifen von Zeugen, indem er drohte, sich ebenfalls einzumischen.

Was blieb, war die Körperverletzung vom 1. Juli 2011 während des Kirschenmarktes. Der Geschädigte berichtete, er habe von dem Vorfall zuvor in der Wohnung gehört, jedoch gedacht, es handele sich um ein anderes Mädchen, und den Angeklagten auf dem Marktplatz angesprochen. Dieser habe ihn darauf einmal gegen den Hals geschlagen, eine leichte Rötung sei die einzige Folge gewesen.

Aufgrund des Geständnisses und der Einstellung der anderen Verfahren wurden die verbliebenen zwölf Zeugen entlassen. Das Gericht sah wegen des hohen Blutalkoholgehalts von bis zu 2,6 Promille einen minderschweren Fall und verurteilte den jungen Mann zu zwei Monaten Haft, die mit einem Urteil des Amtsgerichts Montabaur wegen Schwarzfahrens zu vier Monaten zusammengezogen wurden.

Eine Aussetzung zur Bewährung sei, so Rohner, trotz zahlreicher Vorstrafen, so hatte der Angeklagte bereits eine Haftstrafe abgesessen, wegen einer günstigen Prognose möglich. Der Mann gehe inzwischen einer Beschäftigung nach und habe sich nichts mehr weiter zuschulden kommen lassen. Sein Rechtsanwalt hatte hervorgehoben, dass er auch weggezogen sei.

In Gladenbach sei er bekannt und es sei immer wieder zu Provokationen gekommen. Auch falsche Freunde habe es gegeben. „Aber jetzt hat er die Gegend der schlechten Einflüsse verlassen“. Als Bewährungsauflage muss der Verurteilte 1000 Euro für wohltätige Zwecke zahlen.

von Heiko Krause

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