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Großeinsatz an der Emmaburgklinik

Bad Laasphe Großeinsatz an der Emmaburgklinik

Bei einer gemeinsamen Großübung erprobten die Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Laasphe, Wallau, Biedenkopf und Breidenstein den Ernstfall.

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Professor Siegfried Bien stellte sich als Statist zur Verfügung. Rettungskräfte des DRK versorgten den Verletzten, der unter einer Rauchvergiftung litt.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Bad Laasphe. Samstagmittag, 12.42 Uhr: Aus dem „Haus 2“ der Emmaburgklinik in Bad Laasphe steigt weißer Rauch auf. Ein Mann schreit von einem Balkon des fünften Obergeschosses um Hilfe.

Der Rauch ist so dicht, dass zeitweise nur die Silhouette des Mannes erkennbar ist. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass der Arm einer weiteren Person vom Balkongeländer herab baumelt. Ein verstörender Anblick. Im ganzen oberen Lahntal sind die Feuerwehren alarmiert worden.

Als erstes treffen Einsatzkräfte aus Bad Laasphe ein, einige Minuten später die benachbarten Wehren aus Wallau, Biedenkopf und Breidenstein.

Dass es sich nur um eine Übung handelt, macht die Angelegenheit nicht weniger anspruchsvoll.

Die simulierte Situation ist klar definiert, aber nicht leicht zu bewältigen: In einem Patientenzimmer im fünften Obergeschoss ist es zu einem Brand gekommen. Feuer und Rauch breiten sich rasch auf der Station aus. In einem Bereich ist den Patienten der Fluchtweg abgeschnitten.

Nicht alle können ihre Zimmer selbstständig verlassen, sechs Patienten müssen liegend und mit Hilfe des Pflegepersonals, beziehungsweise der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. 15 Patienten und Pflegekräfte, bei denen es sich in Wahrheit um Wittgensteiner Mitglieder des Technischen Hilfswerks und der Löschgruppe des Bad Berleburger Stadtteils Girkhausen handelt, befinden sich auf der Station.

Der Mann auf dem Balkon gerät in Panik. Er kündigt an, herunterzuspringen. Einige Feuerwehrleute beruhigen ihn, so gut sie können. Gleichzeitig bringen andere das Fahrzeug in Position, von dem aus die Drehleiter ausgefahren wird, mit der der Mann sicher herunter befördert werden soll.

Jeder Handgriff der Feuerwehrleute sitzt. Ganz nah wird die Drehleiter schließlich an den Balkon herangeführt, behutsam platzieren zwei Einsatzkräfte den Mann auf einer Trage, ehe die Drehleiter zurückgefahren wird. Der Mann schreit nicht mehr, hustet stattdessen entsetzlich.

Nicht anders wird auch die andere Person, deren Arm vom Balkongeländer baumelte, heruntergeholt. Es ist eine Puppe, was vom Boden aus nicht leicht zu erkennen ist.

Der röchelnde Mann, den die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes an Ort und Stelle versorgen, heißt Siegfried Bien. Er ist es, der für die neu gegründete Gesellschaft „Gesundheitszentrum Wittgenstein“ im April den Kaufvertrag zum Erwerb der leer stehenden Klinikhäuser unterzeichnet hat, um den leer stehenden Kliniken als Ideengeber neues Leben einzuhauchen. „Jetzt wird er selbst zum Geretteten“, scherzt Dr. Said Moshref, früherer Chefarzt der Laaspher Kliniken und nun medizinischer Geschäftsführer des Gesundheitszentrums. Dr. Moshref verfolgt den Verlauf der Übung mit gleichem Interesse wie sein Kollege Jörg Moses, kaufmännischer Geschäftsführer der Gesellschaft.

Nach etwa zwei Stunden sind die letzten Vermissten ausfindig gemacht und aus dem Gebäude gebracht worden. Zwei Stunden, die – obwohl es nur eine Übung war – den Teilnehmern konditionell und nervlich viel abverlangt haben, wie auch der Laaspher Stadtbrandinspektor Dirk Höbener im Gespräch mit der OP deutlich machte: „Die Atemschutzträger sind an ihre Grenzen gestoßen.“

Höbener zog ein positives Fazit. „Die Übungsziele sind erreicht worden, ich bin sehr zufrieden.“

von Björn-Uwe Klein

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten OP.

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