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Grippe-Impfstoff im Landkreis reicht aus

Pharma-Industrie Grippe-Impfstoff im Landkreis reicht aus

Nach dem Rückruf von Grippeimpfstoffen der Firma Novartis versuchen die Behörden, keine Panik aufkommen zu lassen. Jeder könne sich bedenkenlos impfen lassen, erklärte das für die Impfstoff-Zulassung zuständige Paul-Ehrlich-Institut.

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Der Schirmherr der PriMa-Aktion „grippefreier Landkreis“, Landrat Robert Fischbach (links), geht mit gutem Beispiel voran und lässt sich von Dr. Hartmut Hesse, Vorstandsvorsitzender der Ärztegenossenschaft PriMa gegen die saisonale Grippe impfen.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Es bestehe keine Gefahr, dass Patienten mit den betroffenen Seren geimpft würden, beruhigte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen aller Art zuständig ist, gestern verunsicherte Patienten. Die betroffenen Chargen der Novartis-Impfstoffe „Begripal“ und „Fluad“ seien aus dem Verkehr gezogen worden. Bei den entsprechenden Chargen kann es nach Meinung von Experten möglich sein, dass diese noch in der Ampulle ausflockten und teils schlimme allergische Reaktionen auslösen. Bisher sind keine Meldungen von Erkrankten bekannt.

Nach Italien, der Schweiz und Deutschland stoppte aber auch Frankreich am Freitag teils die Auslieferung von Novartis-Impfstoffen. In Österreich wurde Ärzten empfohlen, andere Präparate zu spritzen.

Woher die Ausflockungen in den Impfstoffen stammen, ist derweil noch nicht geklärt. Es gibt jedoch laut Cichutek die Vermutung, dass diese von dem neuen Antigen eines kursierenden Grippe-Virus herrührten. Novartis sprach von Eiweiß-Partikeln, die weder die Wirksamkeit des Mittels beeinflussten noch die Sicherheit der Patienten gefährdeten.

Nach Angaben des Pharmakonzerns wurden bereits eine Million Dosen „Begripal“ und „Fluad“ verabreicht - ohne, dass es unerwartete Nebenwirkungen gegeben habe.

In Deutschland seien gut 750000 Impfstoffdosen zurückgerufen worden, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Wie viele davon bereits verimpft wurden, ist unklar.

Auch wenn das PEI die Befürchtungen vor einem Impfstoff-Engpass zu bremsen versuchte, warnten Ärzte- und Apothekerverbände genau davor. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) drohten Engpässe zumindest in Teilen Deutschlands. KBV-Vorstand Regina Feldmann machte dafür die Exklusivverträge verantwortlich, mit denen sich manche Krankenkassen an bestimmte Hersteller binden, um Rabatte zu erhalten. Der Vorsitzende des Verbands der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, wurde noch deutlicher: „Nur um Einsparungen zu erzielen, gefährden die Krankenkassen die Versorgung der Patienten auf fahrlässige Art und Weise.“

Ähnlich sehen das auch Thorsten Junk von der Marburger Lahn-Apotheke und Dr. Hartmut Hesse, Vorstandsvorsitzender der Marburger Ärztegenossenschaft PriMa: „Die Problematik bei der aktuellen Versorgung mit Impfstoff ist weniger ein Problem der Firma Novartis. Chargenausfälle gibt es jedes Jahr“, sagte Junk. Ausgelöst werde der Versorgungsnotstand in weiten Teilen Deutschlands durch politische Entscheidungen, wie die Möglichkeit der Krankenkassen, ganze Produktgruppen von Medikamenten per Ausschreibung zu bestellen.

„Im Landkreis Marburg-Biedenkopf haben wir keinen Versorgungsengpass“, betonte Hesse. Die Ärztegenossenschaft habe bereits im Frühjahr Impfstoffe bei vier verschiedenen Herstellern geordert, die auch fast alle pünktlich geliefert worden seien. „Im Unterschied zu anderen Regionen, in denen gar kein Impfstoff zur Verfügung steht, ist die Gesundheitsregion Marburg-Biedenkopf gut versorgt“, ergänzte Junk.

von Katharina Kaufmann und unserer Agentur

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