Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit

Urteil Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit

Ein Leiharbeiter, der in der Stadtallendorfer Eisengießerei Fritz Winter arbeitete, wurde schlechter bezahlt als seine festangestellten Kollegen. Dagegen klagte der Mann vor dem Arbeitsgericht – und bekam Recht.

Voriger Artikel
Skipisten des Hinterlandes sind bereit
Nächster Artikel
Ausgezeichnetes Gesellenstück

Die Werkseinfahrt der Eisengießerei Fritz Winter. Ein Zeitarbeitsunternehmen aus dem Landkreis hatte dorthin einen Mitarbeiter entliehen, ihm aber weniger bezahlt als die dort festangestellten Mitarbeiter für die gleiche Arbeit erhielten.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Um gut 23.000 Euro ist der Leiharbeiter aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf seit Freitag reicher.

Das Marburger Arbeitsgericht hatte ein Urteil zu seinen Gunsten auf Basis des „Equal-Pay-Gebots“ gefällt. Der Mann hatte geklagt, weil er für die gleiche Arbeit in den Jahren 2007 und 2008 weniger Lohn erhalten hatte als seine festangestellten Kollegen. Dies sei nicht richtig, hatte er die Klage begründet, schließlich seien weder sein Arbeitgeber – ein Gussbearbeitungsbetrieb aus dem Landkreis, der auch Leiharbeiter beschäftigt – noch das entleihende Unternehmen an einen abweichenden Tarifvertrag gebunden. Auch sein eigener Arbeitsvertrag weise einen solchen Tarif nicht aus.

Das Leiharbeitsunternehmen widersprach dem zwar, die Kammer des Arbeitsgerichts unter Vorsitz von Arbeitsgerichtsdirektor Hans Gottlob Rühle, sah die Begründung allerdings nicht als gerechtfertigt an. Die Beklagtenseite berief sich auf die im Arbeitsvertrag stehende Ausschlussfrist, nach der Ansprüche auf Zuschüsse nach vier Wochen, Ansprüche auf alle anderen Zahlungen nach drei Monaten verfallen würden.

Zudem sah das Unternehmen die Eingruppierung in die Entgeltgruppe anders als der Kläger selbst. Dieser meinte, er gehöre in die Entgeltgruppe 3, was die Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf bestätigte. Sein eigentlicher Arbeitgeber, die Leiharbeitsfirma, erklärte, der Kläger habe nur Arbeiten mit einer Anlernzeit von unter sechs Monaten ausgeführt und gehöre deshalb in die Entgeltgruppe 1.
So muss das Zeitarbeitsunternehmen dem Kläger nun rund 23.000 Euro als Lohndifferenz zahlen. Die Kammer sah weder die Ausschlussfrist als gültig noch die Eingruppierung der Entgeltgruppe als falsch an.

von Katharina Kaufmann

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr