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Hinterland Es bleibt bei kosmetischen Eingriffen
Landkreis Hinterland Es bleibt bei kosmetischen Eingriffen
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12:00 12.02.2019
Die Toiletten in der Wartehalle sind wenig einladend und oft Ziel von Randalierern. Quelle: Tobias Hirsch
Gladenbach

Mit einem zwinkernden Auge erklärte er, so treibe man wartende Fahrgäste in die umliegenden Gaststätten und Läden, in der Hoffnung, der eine oder andere zusätzliche Euro lande dann nebenbei in den Kassen.
Tatsächlich ist dies keine Form der Wirtschaftsförderung in der Kirschenmarktstadt.

Seit er sich im Frühjahr 2011 konstituiert hat, macht sich Gladenbachs Ortsbeirat für die Sanierung der Buswartehalle stark. Doch alle Pläne und Vorschläge fanden bisher kein Gehör.

Als im Zuge der Stadterneuerung die zentrale Busstation mit Wartehalle, Kiosk, Toiletten und Telefon geplant wurde, bezeichneten die Verantwortlichen die Wartehalle als „Blickfang für Gladenbachs Mitte“. Diese Funktion erfüllt sie heute noch, zumindest, wenn man bei der Autofahrt an ihr vorbeihuscht. Wer sich dort aufhält, um auf den Bus zu warten, Kunde am Kiosk ist oder die im Gebäude befindliche Toilette aufsucht, dem fallen die Gebrauchsspuren der vergangenen 32 Jahre deutlich ins Auge. Die Busstation ist kein Platz mehr, an dem man sich gerne aufhält.

Bei vielen Jugendlichen ist er freilich abends ein beliebter Treffpunkt. Man kann dort auf den Bänken und Mauern sitzen oder sich anlehnen und sich in den angrenzenden Geschäften mit Speis und Trank versorgen. Eine – meist alkoholisierte – Minderheit hinterlässt immer mal wieder Verschmutzungen und Beschädigungen. In der dunklen Busstation wird man ja nicht so leicht gesehen.

Ortsbeirat wollte selbst Hand anlegen

Dass an dem Gebäude etwas getan werden muss, ist auch im Rathaus bekannt. Die hohen Kosten scheute man lange Zeit, auch aus Angst, Investitionen zur Attraktivitätssteigerung könnten durch Zerstörungen schnell wieder zunichtegemacht werden. Zudem ließ der strapazierte städtische Haushalt kaum Raum für Investitionen. Weil es sich aber letztlich um einen wichtigen Substanzerhalt handelt, macht sich Gladenbachs im März 2011 neu gewählter Ortsbeirat intensiv Gedanken, wie sich die Busstation und damit der „Kopf“ des Marktplatzes attraktiver gestalten ließe.

Weil man auf etwaige Investitionen der Stadt, die über das Programm „Stadtumbau West“ gefördert werden könnten, nicht warten wollte, hatten die Mitglieder des Gremiums die Absicht, selbst Hand anzulegen und unter anderem das Dach innen mit einer hellen Farbe zu streichen. Bei Ortsbegehungen nahm man das Gebäude näher unter die Lupe. Das Gremium hatte sich in zahlreichen Sitzungen, bei Gesprächen mit Fachleuten und in Veranstaltungen Gedanken um die Sanierung, Gestaltung und Nutzungsmöglichkeiten des Busbahnhofs gemacht. Die Ortsbeiratsmitglieder entwickelten Pläne und warben erfolgreich um Mithilfe bei beabsichtigten Arbeitseinsätzen.

Gesamtkonzept lässt weiter auf sich warten

Im Ortsbeirat machte sich bald eine gewisse Frustration breit. In einer Gemeinschaftsaktion wurde die Anlage zwar einer Grundreinigung unterzogen. Alle anderen Vorhaben musste das Gremium allerdings auf Eis legen.
Während einer Informationstour über die Stadtteile im September 2010 machte Gladenbachs SPD-Fraktion auch am Marktplatz in der Kernstadt Halt. Der überdachte Bereich der Bushaltestelle mit Kiosk sei dem Ortsbeirat schon seit langer Zeit ein Dorn im Auge, erinnerte Peter Kremer, damals noch parteiloses Mitglied der SPD-Fraktion. Das dunkle und hässliche Erscheinungsbild müsse unbedingt geändert werden, so die einhellige Meinung aller Ortsbeiratsmitglieder.

Das sahen die Sozialdemokraten genauso und dachten darüber nach, einen entsprechenden Antrag im Parlament zu stellen, um den Zustand zu ändern. Es blieb allerdings bei der Absichtserklärung.
Peter Kremer, inzwischen Bürgermeister und kraft Amtes Kämmerer der Stadt, stellte 110 000 Euro für eine Toilettenanlage in den Haushaltsentwurf für 2019. Die Zählgemeinschaft aus SPD und Freien Wählern (FW) strich den Ansatz komplett zugunsten kleinerer Projekte in verschiedenen Stadtteilen. Ein Gesamtkonzept müsse her, argumentierten FW und Genossen. Dieses Gesamtkonzept für die Sanierung der Buswartehalle wird von den wechselnden Mehrheiten im Stadtparlament seit gut zehn Jahren gefordert, angekündigt, aber nicht umgesetzt.

Wartehalle als Eingangstor zur Stadt

Gleichwohl wird Gladenbachs Ortsvorsteher Hans-Bernhard Schwarz (SPD) nicht müde, anzumahnen, dass die Buswartehalle als „Eingangstor“ in die Gladenbacher Kernstadt einen besonderen Stellenwert habe. Alle An- und Abreisenden halten sich zwangsläufig in diesem Bereich auf. Der erste Eindruck sei im gegenwärtigen Zustand erschreckend.

Für die Umgestaltung und Sanierung der Buswartehalle hatte der Ortsbeirat ein Gesamtkonzept vorgelegt. Zu dem Thema initiierte das Gremium auch ein Bürgerforum. Doch nun liegt die Sanierung weiterhin auf Eis.

von Hartmut Berge