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Hinterland Raub: Gladenbacher geht in den Knast
Landkreis Hinterland Raub: Gladenbacher geht in den Knast
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00:17 09.11.2018
Marburg

Nach Überzeugung des Marburger Landgerichts unter Vorsitz von Marco Herzog drang der Angeklagte mit einem Unbekannten im Januar und im Dezember 2015 in eine Gärtnerei und eine Pizzeria in Gladenbach ein. Dort sollen sie je rund 500 und 600 Euro erbeutet haben. Im Januar dieses Jahres gelangte der Mann laut Urteil über einen Hintereingang in eine Spielhalle in Gladenbach, wo er aus aufgehebelten Automaten rund 500 Euro mitnahm.

Im Wesentlichen fußt der Richterspruch auf einem Geständnis des Gladenbachers. Ebenso wie bei einem weiteren Straftatenkomplex aus dem Dezember 2016. Damals fuhr er ­eigenen Angaben gemäß eines Abends mit einem ebenfalls unbekannten Mittäter zu einem Jugendclub in Oberweimar, wo sich vier junge Männer aufhielten. Mit der Drohung „sonst gibt es auf die Fresse“ zwangen sie diese, ihre Wertsachen auf den Tisch zu legen. 50 Euro und kurzfristig auch Mobiltelefone wechselten die Besitzer.

In dem Jugendclub vermuteten die beiden einen Dealer, der Drogen an den kleinen Bruder des Mittäters, den Zeugen als die treibende Kraft beschrieben, abgegeben haben soll. Der Dealer war aber nicht da. Weil er die 50 Euro nicht haben wollte, bewertete das Gericht den Anteil des Angeklagten als Beihilfe zum Raub. Täterschaft liege aber bei der Freiheitsberaubung der Männer und einer Körperverletzung vor, als er einen von ihnen bei einem Fluchtversuch schlug.

Auf Druck der Täter, so das ­Gericht, arrangierten die Jungen ein Treffen mit dem Gesuchten auf einem Parkplatz außerhalb des Ortes. Dort standen zwei Autos. Den Insassen des einen schlug und trat der Angeklagte laut seinem Geständnis. Der Mittäter, so berichteten der Gladenbacher und mehrere­ Zeugen, habe den Dealer aufgefordert, aus dem anderen Auto zu steigen. Als dies nicht geschah, schlug er die Scheibe mit einem Schraubenschlüssel ein. Der Dealer lenkte seinen Wagen in einen Graben, stieg doch aus und setzte sich auf den Boden.

Auf Anweisung seines Bekannten durchsuchte der 27-Jährige das Auto nahm unter anderem 200 Gramm Marihuana heraus, die sie teilten.

Bei der rechtlichen Bewertung des Geschehens auf dem Parkplatz gingen die Meinungen auseinander. Oberstaatsanwältin Kerstin Bringemeier ging von gemeinschaftlichen besonders schweren Raub aus, weil es einen gemeinsamen Vorsatz gab und das Verbrechen mittels eines gefährlichen Gegenstandes, dem Schraubenschlüssel, ausgeführt wurde. Sie forderte vier Jahre und zehn Monate Haft. Dagegen erkannte das Gericht „nur“ auf schweren Raub, weil das Werkzeug zwar mitgeführt wurde, der Geschädigte es aber nicht wahrgenommen habe.

Vergeblich plädierte Verteidiger Gunther Specht lediglich auf Diebstahl. Das Entnehmen von Gegenständen aus dem Auto war seiner Auffassung nach ­eine vom vorherigen Geschehen losgelöste Handlung und daher­ kein Raub. Er wollte ein bewährungsfähiges Strafmaß von höchstens zwei Jahren für seinen nicht vorbestraften Mandanten erreichen.

Eingeschränkte Schuldfähigkeit aufgrund von Drogen- und Alkoholproblemen stellte das Gericht nicht feststellen. Ein psychiatrischer Sachverständiger stellte zwar einen Betäubungsmittelmissbrauch fest, es liege aber keine Sucht vor. Der Angeklagte gab an, bei den Einbrüchen, nicht aber bei dem Raub, zuvor konsumiert zu haben. Wenn er etwa Arbeit hatte, konnte er den Drogen entsagen, so der Sachverständige. Auch nach dem Raub des Rauschgiftes habe er eigenen Angaben zufolge im Gegensatz zu seinem Mittäter nichts genommen. „Er hat die Suchtmittel unter Kontrolle und nicht umgekehrt“, so der Gutachter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Heiko Krause