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Gladenbach lässt sich "Tochter" einiges kosten

Wirtschaftsplan Gladenbach lässt sich "Tochter" einiges kosten

Die Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach hat der Stadtverordnetenversammlung - zum letzten Mal unter diesem Namen - ihren Wirtschaftsplan für 2014 zur Kenntnisnahme vorgelegt

Gladenbach. Die Kur- und Freizeitgesellschaft Gladenbach ist eine stadteigene Gesellschaft. Ihre Umbenennung in „Stadtmarketing - Energie - Bäder Gladenbach (SEB) ist beschlossene Sache und sollte eigentlich zum 1. Januar vollzogen werden. Rechtskräftig sind die Umbenennung und der neue Gesellschaftervertrag aber erst nach vollzogener Änderung im Handelsregister. Das könne sich durchaus bis März hinziehen, sagte gestern KFG-Geschäftsführer Günter Euler auf Anfrage der OP.

Die Gesellschaft wurde 1979 - damals noch unter dem Namen Kur- und Verkehrsgesellschaft gegründet. Der Zweck war unter anderem der Betrieb von Bürgerhäusern und die Einrichtungen zur Förderung des Kurwesens und des Fremdenverkehrs in Gladenbach.

Ihr Arbeitsfeld verursacht, unter dem Strich betrachtet, in fast allen Sparten Defizite. Das sollte einen nicht verwundern, denn sie hat unter anderem das Haus des Gastes am Bein, die ebenfalls defizitären übrigen 14 Bürgerhäuser nicht mehr.

Richtig ins Geld gehen die beiden Bäder, das in die Jahre gekommene Freibad in Weidenhausen und das neue Freizeitbad „Nautilust“ samt seiner Sommerbad-Außenanlagen. Vor allem das Freizeitbad trägt aber dazu bei, dass Gladenbach seine Funktion als Mittelzentrum wahren kann.

Für ihre Aufgaben - einschließlich des Stadtmarketings - hat die KFG im Wirtschaftsplan 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Und weil die Stadt ihre „Tochter“ nicht im Regen stehen lassen kann und darf, wird das Defizit über den Haushalt der Stadt ausgeglichen. Das Minus, als Zuschussbedarf deklariert, wird im Vergleich zum vergangenen Jahr um 110000 Euro auf voraussichtlich 1,36 Millionen Euro ansteigen.

2014 werden 180000 Gästeim Freizeitbad erwartet

Das sei den gestiegenen Energiepreisen und den einkalkulierten Lohnerhöhungen (50000 Euro) für das Personal geschuldet, erklärt der Geschäftsführer. Einkalkuliert ist - wie bei den städtischen Bediensteten im Haushaltsentwurf der Stadt - eine Tarifsteigerung von 2,5 Prozent. 77 Prozent der Personalkosten der Gesellschaft entfallen auf die Bediensteten der Schwimmbäder.

1,79 Millionen Euro an Kosten verursacht das Freizeitbad, 42 Prozent davon sind Personalkosten. Unter dem Strich bleibt ein Defizit von 821000 Euro, 75000 Euro mehr als 2013. Einen Teil des „Nautilust“-Defizits verursachen die Raten für die Darlehen, die aufgenommen wurden, um das 2005 abgebrannte Freizeitbad in der gewünschten Größe wieder aufzubauen.

In diesem Jahr werden 180000 Gäste im „Nautilust“ erwartet, die Einnahmen sind mit 880000 Euro kalkuliert. Im vergangenen Jahr kamen 6000 Gäste weniger als 2012, diesen Rückgang macht Geschäftsführer Günter Euler am ansonsten besucherstärksten Monat Januar fest: „Eis und Schnee auf den Straßen hielten viele vom Schwimmbadbesuch ab.“

Weidenhäuser Bad istin die Jahre gekommen

In diesem Jahr scheint es diese Probleme nicht zu geben. Die Besucherzahlen in den ersten Januar-Tagen sind vielversprechend. 122000 Euro kosten der Betrieb und die Unterhaltung des Sommerbades in Weidenhausen. Wer sich in der Sonne entspannen, in Ruhe seine Bahnen ziehen oder Neuigkeiten austauschen möchte, der ist im Freibad Weidenhausen gut aufgehoben. Das ist zwar nicht der ausgewiesene Werbeslogan für die ruhig gelegene Anlage am Ortsrand Weidenhausens, aber der Grund dafür, dass im Jahresschnitt gut 13000 Besucher das Sommerbad aufsuchen. Sie könnten in diesem Jahr mit ihren Eintrittsgeldern dafür sorgen, dass ein Drittel der Gesamtkosten für das Bad wieder in die Kasse fließen.

Rund 250000 Euro hat die KFG in den vergangenen zwölf Jahren für die Weidenhäuser Anlage ausgegeben. Regelmäßig muss Geld in die Ausbesserung der über 50 Jahre alten Schwimmbecken investiert werden. Neben dem Zahn der Zeit nagt auch der Frost am Beton und lässt ihn bröckeln. Immer wieder müssen kaputte Rinnensteine ausgetauscht werden. Will man das Bad dauerhaft erhalten, wird man um die Investition in Edelstahlbecken nicht herumkommen. Das deutete Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim schon vor Jahren an. Für diese horrende Investition ist bislang allerdings kein Geld vorgesehen.

Das Haus des Gastes verursacht mit 220000 Euro das größte Minus. Schon zu Zeiten von Ex-Bürgermeister Klaus Bartnik wurde es zum Sanierungsfall erklärt. Einige dringende Renovierungen sind in diesem Jahr vorgesehen. Unter anderem wird in den Brandschutz investiert.

120000 Euro kostet der Kirschenmarkt, die Hälfte fließt in Form von Verpachtungseinnahmen - etwa für Rummelplatz, Fressgasse und Festzelt - wieder zurück. Bei den Kosten schlagen vor allem die sogenannten Fremdleistungen mit 32000 Euro zu Buche, dabei handelt es sich vor allem um Arbeiten des städtischen Bauhofs.

Gewinn wirft die Sparte Photovoltaikanlagen ab, in diesem Jahr sollen es 8330 Euro sei. Etwas positiver könnte der Wirtschaftsplan der städtischen „Tochter“ aussehen, wenn die Gesellschaft - wie geplant - Windkraftanlagen betreiben würde.

von Hartmut Berge

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