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Hinterland Gladenbach demonstriert bunt statt braun
Landkreis Hinterland Gladenbach demonstriert bunt statt braun
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21:13 31.03.2017
"Herz statt Hetze" - mit diesen und vielen anderen bunten Schildern protestierten die Demonstranten am Freitagabend für ein weltoffenes, multikulturelles Gladenbach. Quelle: Nadine Weigel
Gladenbach

Sie kamen einzeln und in Gruppen, zu Fuß, in Autos oder mit dem Linienbus und bildeten einen „großen, bunten, vielfältigen Querschnitt der Bevölkerung“. So begrüßte Versammlungsleiterin Edith Müller-Zimmermann gestern am späten Nachmittag die etwa 300 Teilnehmer der Kundgebung auf dem Gladenbacher Marktplatz.

Sie bildeten ein buntes Bild und verdeutlichten das Motto des veranstaltenden Bürgerbündnisses „Gladenbach ist bunt – nicht braun“. Anlass war eine Veranstaltung des AfD-Kreisverbandes im Haus des Gastes mit Frauke Petry, der Bundesvorsitzenden der Partei.

Vor allem gegen die Präsenz und Äußerungen solcher Köpfe der Partei wie Petry oder Thüringens AfD-Chef Björn Höcke zeigten die Demonstranten sprichwörtlich Flagge, wie eine Abordnung der IG Metall Herborn, der SPD oder der Linken. Besonderen Beifall erhielten der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol, Mitglieder des Magistrats oder der Erste Stadtrat Armin Becker.

„Ich finde es schön, wenn Gladenbacher Politiker wissen, wo sie hingehören“, sagte Müller-Zimmermann. Diese Anspielung auf das Fernbleiben der CDU-Fraktion fasste Stadtverordnetenvorsteher Roland Petri in klare Worte. Er sprach für die Fraktionen Junge Liste/Grüne, Freie Wähler und der SPD.

"Was sollen unsere Kinder denken, wenn wir nicht aufstehen?"

So gab es Buhrufe für die CDU und auch für das angebliche Fernbleiben des parteilosen Bürgermeisters Peter Kremer, der entgegen seiner Ankündigung aber später doch auf dem Marktplatz war. „Unser Weltbild unterscheidet den Menschen nicht nach Religion, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht oder sexueller Orientierung“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Petri. Und: „Was sollen unsere Kinder denken, wenn wir nicht aufstehen, sobald das nationalistische, fremdenfeindliche, antidemokratische und verfassungsfeindliche Gedankengut von Rednern wie der AfD-Vorsitzenden Dr. Frauke Petry in unsere Stadt getragen werden soll?“, womit sich der Stadverordnetenvorsteher vor allem auf die Kinder bezog, die an der großen Gladenbacher Europaschule „zu jungen Europäern und Europäerinnen erzogen werden“.

Über die aktuellen Entwicklungen in Gladenbach hielt die OP ihre Leser über den Kurznachrichtendient Twitter auf dem Laufenden:

Auch die „vielen Gladenbacher, die in den vergangenen Monaten durch ein riesiges Engagement“ Flüchtlingen vor Krieg und Terror Mitgefühl, Schutz und Nothilfe entgegenbrachten, hätten es nicht verdient, dass sie „von Leuten, die diese Flüchtlinge lieber sterben lassen wollen, verhöhnt werden“.

Pfarrer Klaus Neumeister begrüßte, dass „der Marktplatz ziemlich voll ist und denjenigen entgegengetreten wird, die unsere demokratische Grundordnung infrage stellen und die Gemeinschaft auseinanderreißen wollen“.

Dorothea Mannshardt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte, dass rechte Ideologien Schuldige bräuchten, und die seien für die AfD die Flüchtlinge. „Die AfD scheint Angst vor der Zukunft zu haben“, sagte die ehemalige Schulleiterin, „doch unsere Kinder brauchen eine friedliche Zukunft in einem grenzenlosen Europa.“

Versammlung dauerte rund zwei Stunden

Gegen die Schließung von Grenzen sprachen sich auch Dominic Diessner und Paul Wege aus. Die beiden Absolventen der Europaschule betonten die Wichtigkeit von interkulturellen Begegnungen, die „Vorteile für alle bringen“. Sie seien bereit, Verantwortung für andere zu übernehmen und das Recht auf freie Meinungsäußerung „hier zu verteidigen“.

„Muss eine Demokratie ihre erklärten Feinde unterstützen?“, fragte Carmen Pflug von der Gladenbacher Flüchtlingshilfe. „Darauf kann es nur eine Antwort geben: Nein“, sagte sie.

Am Ende der Kundgebung erklärte Mitorganisator Siegfried Seyler, wie wichtig es sei, Schülern die Geschichtsverfälschungen der AfD zu verdeutlichen. Ein weiterer Redner war Julian Drusenbaum von der Gewerkschaft Verdi, der die Politik der AfD „gegen die kleinen Leute“ anprangerte. Frank Düppers, Eamonn McCormack und Frank Vogel lockerten die Redepausen mit Musik und Liedern auf.  Nach rund zwei Stunden löste sich die Versammlung auf. 

Warum die OP nicht über den Wahlkampfauftritt von Frauke Petry im "Haus des Gastes" berichtet, lesen Sie hier.    

von unseren Redakteuren
 

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