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Hinterland Gladenbach Leichtathleten und Fußballer wollen bauen
Landkreis Hinterland Gladenbach Leichtathleten und Fußballer wollen bauen
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18:00 06.03.2012
Auch für den oberen Teil des neuen Sportplatzgeländes liegt seit ein paar Tagen die Baugenehmigung vor. Mitte Mai soll der Erdunterbau für den Kunstrasenplatz abgeschlossen sein.Fotos: Hartmut Berge

Gladenbach. Im November vergangenen Jahres berichtete Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim von "positiven Signalen" aus der Landeshauptstadt. Die gab es bereits vorher bei einem Besuch des Stadtoberhaupts mit Vorstandsmitgliedern des Gladenbacher Sportclubs (GSC) in Wiesbaden. Verstärkt wurde dieser Optimismus während eines "hohen Besuchs" aus Wiesbaden im Gladenbacher Rathaus.

Dann stand fest, dass der bis dahin gemeinsame Zuschussantrag für die beiden Projekte gesplittet werden musste. Damit werde wieder die anvisierte Förderung von 30 Prozent der Gesamtkosten erreicht, gab sich der Bürgermeister optimistisch.

Offiziell noch nicht bestätigt ist die Information der OP aus Wiesbaden, dass der Turnverein in Kürze mit dem Zuschussbescheid in erhoffter Höhe rechnen kann. Der Turnverein erhält seinen Zuschuss aus dem Sonderinvestitionsprogramm "Sportland Hessen", mit dessen Hilfe die Modernisierung, Sanierung und Erweiterung von Sportstätten gefördert wird.

Auch bezüglich des Zuschusses für den Kunstrasenplatz herrscht Zuversicht. "Die Unterlagen, auch die nachgereichten, liegen vollständig in Wiesbaden vor", versichert Gladenbachs Erster Stadtrat Walter Jakowetz, der in dieser Woche den Bürgermeister vertritt. Wie seine Vorstandskollegen, hofft auch Holger Flurschütz vom GSC auf baldigen positiven Bescheid aus Wiesbaden: "Uns sind zurzeit die Hände gebunden."

Sobald die Bewilligung da sei, werde man an die Ausschreibung gehen, um den Bau des Kunstrasenplatzes möglichst bis zur nächsten Saison abzuschließen. Michaelo Walter, Vorsitzender des Turnvereins Gladenbach, möchte am liebsten schon am 16. März während der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern vom Eintreffen des Bewilligungsbescheids berichten. Soviel steht für ihn jedenfalls fest: "Sobald er da ist, gehen wir in die Ausschreibung."

Wenn alles nach den Vorstellungen des Turnvereins liefe, dann würde man unmittelbar nach dem Saisonende im Fußballbetrieb - Mitte Mai - mit der Sanierung der Leichtathletik-Anlage beginnen. Auch diese Arbeiten könnten in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein.

Aufschüttungsarbeiten liegen gut in der Zeit

Die Erschließung des Sportgeländes am Blankenstein als Baugebiet macht es möglich, dass sowohl der GSC einen neuen Kunstrasenplatz als auch der Turnverein eine neue Leichtathletik-Anlage bekommen.

Im Juni 2010 folgte das Parlament einem gemeinsamen Antrag des Sportclubs Gladenbach und des TV Gladenbach. Nach damaliger Kalkulation sollte das Projekt etwa 930.000 Euro kosten. Der städtische Anteil läge dann bei 307.000 Euro. Mindestens diesen Betrag will die Stadt aus dem Verkauf des Baulandes am Blankenstein erwirtschaften.

Sie hat die Erschließung in die Hände der Hessischen Landgesellschaft (HLG) gelegt, einem Dienstleister für Städte und Gemeinden in Hessen.

Eine erste Abschlagszahlung der HLG in Höhe von 400.000 Euro ermöglicht es, dass der Sportclub das Kunstrasenprojekt vor der Erschließung des Neubaugebietes am Blankenstein beginnen kann. 279000 Euro waren ursprünglich als Landeszuweisung im Finanzierungsplan für die beiden Projekte kalkuliert.

Im Laufe des vergangenen Jahres kam die Kunde, das Land habe die Zuwendung auf 200.000 Euro gedeckelt, weil die Fördertöpfe leer seien. Dieses Problem ist durch die Splittung der Zuschuss-Anträge mittlerweile gelöst.

Sichtlich voran geht es mit der Erdaufschüttung an der Biedenkopfer Straße. Seit Sommer wurden dort viele Tausend Kubikmeter Erde aufgefüllt und verdichtet. Damit lag man gut in der Zeit. Insgesamt müssten 80 000 Kubikmeter Erde aufgefüllt werden, berichtet der Lohraer Unternehmer Klaus Barth, der in Kooperation mit dem GSC für diese Arbeiten zuständig ist. Mit dem Unterbau für den Kunstrasenplatz werde man bis Mitte Mai fertig, sagt er, mit dem Auffüllen des Geländes für den Parkplatz - zwischen dem neuen Sportplatz und der Bundesstraße - allerdings nicht. Vom Höhen-Niveau her wird der spätere, vorgelagerte Parkplatz etwa fünf Meter tiefer liegen als der Kunstrasenplatz.

30000 KubikmeterErde für Parkplatz

Ein bis zwei Jahre werde es wohl dauern, bis dort der Unterbau fertig sei, kündigt er an und erklärt, dass dafür 30.000 Kubikmeter aufgefüllt und verdichtet werden müssen.

Nicht alle Erde, die in diesem Jahr anfällt, kann der Unternehmer für das Sportplatz-Projekt verwenden. Denn in einem Jahr endet die Betriebsgenehmigung für seine Erddeponie an der Bundesstraße 255 bei Rüchenbach. Bis Frühjahr 2013 müsse die Deponie nach einem festgelegten Pflanzplan rekultiviert sein, berichtete vor wenigen Wochen Kreis-Pressesprecher Markus Morr auf Anfrage der OP.

Das bringe ihn zeitlich in die Zwickmühle und könne schlimmstenfalls auch die Arbeiten am Unterbau für den Kunstrasenplatz verzögern. "Ich brauche auch noch Erde für Rüchenbach, um den Deponieaufbau abzuschließen", sagt Klaus Barth. Nach den positiven Signalen aus Wiesbaden könnten bald auch negative kommen.

Denn wenn sich Gladenbach unter den kommunalen Schutzschirm begibt, der eine Entschuldung in Höhe von sieben Millionen Euro möglich macht, dann sind auch klare Spar-Richtlinien bezüglich der Ausgabenpolitik zu erwarten. Freiwillige Ausgaben müssen noch deutlicher reduziert werden.

Und kräftige städtische Zuschüsse für Vereinsneubauten werden wohl für eine Weile der Vergangenheit angehören. Auch deshalb sollen beide Projekte noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

von Hartmut Berge