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Gericht hat keine Zweifel an der Schuld

Brandstifterin verurteilt Gericht hat keine Zweifel an der Schuld

Weil sie nach Meinung des Gerichts einen Imbisswagen angezündet hat - und nicht zuletzt wegen ihrer Vorstrafen - muss eine 52-jährige Frau ins Gefängnis

Marburg. In der Vergangenheit hatten sich Brandstiftungsfälle in der Umgebung eines Reihenhauses im Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen gehäuft. Deshalb ließ die Polizei in der Wohnstraße eine Videoüberwachung installieren. Dies war der Frau, welche die Brandstiftung bis zuletzt abstritt, nicht bekannt.

Das Video war letztlich Hauptindiz für eine Tatbeteiligung und wurde deshalb am Mittwoch in voller Länge gezeigt. Zu sehen war darauf die Angeklagte, wie sie zur Entstehungszeit des Brandes ihr Haus verließ und in Richtung des besagten Imbisswagens ging. Wenige Minuten später kehrte sie zurück, danach war auf dem Video Qualm am Imbisswagen zu sehen.

Die Tat selbst war nicht von der Kamera erfasst worden. Unmittelbar nach dem Brand war die insgesamt sechsfach einschlägig vorbestrafte Frau in Verdacht geraten und von der Polizei festgenommen worden. Ein bei ihr vollzogener Alkoholtest ergab einen Wert von fast zwei Promille. Seit ihrer Festnahme befindet sich die Frau in Untersuchungshaft.

Ein begutachtender Facharzt für Psychiatrie hatte, wie auch in bereits vorher von anderen Psychiatern erstellten Gutachten, kein direktes Motiv für die Neigung zur Brandstiftung bei der Frau erkennen können. Ursächlich sei wahrscheinlich die Alkoholsucht, durch die ihre Steuerungsfähigkeit herabgesetzt werde. Bei allen Alkoholtherapien habe sie regelmäßig Rückfälle erlitten. Mehrere stationäre Entzüge hatte sie von sich aus abgebrochen. Auch die Einweisungen in die forensische Abteilung psychiatrischer Kliniken blieben erfolglos. Eine selbständige Mitarbeit bei den Therapien war kaum erkennbar gewesen. „Sie hat eine tiefe Abneigung gegen eine Alkoholentwöhnungsbehandlung“, stellte der Gutachter fest.

Er attestierte der Frau eine chronische, kaum therapierbare Alkoholsucht, die allerdings von der Angeklagten negiert werde. Da die Frau auch zur Tatzeit mit fast zwei Promille - der Gutachter sprach von einem mittelschweren Rausch - stark alkoholisiert gewesen war, sei ihre Schuldfähigkeit dadurch erheblich gemindert, plädierte der Gutachter.

Dieser Einschätzung folgte das Gericht in seinem Urteil. Erschwerend wertete es die einschlägigen Vorstrafen. Zudem hatte die Angeklagte die Tat in einer laufenden Bewährung begangen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und drei Monate Gefängnis für beide Taten gefordert. Die Verteidigung plädierte wegen nicht vorhandener direkter Indizien und des nicht erkennbaren Motivs auf Freispruch bezüglich der Brandstiftung. Für die Trunkenheitsfahrt schienen dem Verteidiger drei Monate Gefängnis, die mit der Untersuchungshaft verbüßt seien, angemessen. Objektive Anhaltspunkte für Zweifel an der Schuld der Frau schloss Richterin Bernshausen in ihrer Urteilsbegründung allerdings aus.

von Alfons Wieber

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