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Hinterland Durchkreuzen Fledermäuse Eckelshäuser Umgehung?
Landkreis Hinterland Durchkreuzen Fledermäuse Eckelshäuser Umgehung?
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12:37 11.03.2018
Mehr als 15.000 Fahrzeuge, darunter viele Lastwagen, fahren täglich durch den Biedenkopfer Stadtteil Eckelshausen. Eine Umgehungsstraße soll die Anwohner entlasten, doch das Genehmigungsverfahren könnte sich verzögern. Quelle: Gianfranco Fain
Biedenkopf

Seit Anfang April 2017 wähnen sich die Eckels­häuser auf der Zielgeraden ihrer Umgehungsstraße. Damals reichte Hessen Mobil als sogenannter Vorhabenträger die Pläne für die Ortsumgehung des Biedenkopfer Stadtteils Eckels­hausen an der B62 beim Regierungspräsidium (RP) in Gießen zur Prüfung ein. Seitdem läuft das Planfeststellungsverfahren, eines der großen Hindernisse bevor das Warten auf das Geld für den Bau der Straße beginnt. Zum Ende dieses Jahres, so die Hoffnungen der Eckelshäuser Bürgerinitiative, liege die Planfeststellung vor, das Gröbste wäre dann nach jahrzehntelangem Kampf geschafft.

Ortsumgehung

Die Eckelshäuser Umgehungsstraße soll durch das FFH-Gebiet „Obere Lahn mit Wetschaft und Nebengewässern“ sowie das Landschaftsschutzgebiet „Lahn-Ohm“ führen. Sie führt vom bisherigen Ende der Biedenkopfer Umgehungsstraße beim Gewerbegebiet „Seewasem“ auf rund 2,7 Kilometern westlich an Eckelshausen vorbei und trifft bei Kombach wieder auf die jetzige B62. Dazu wird die Anbindung der B453 an die B62 aus Eckelshausen heraus verlagert. Die Umgehungsstraße kostet den Bund nach derzeitigem Stand rund 21 Millionen Euro.

Anfang Oktober, als die Offenlegungsfrist endete, lagen 12 Einwendungen und 21 Stellungnahmen zu den Bau-Plänen vor. Diese wurden vom RP zur Prüfung an Hessen Mobil weitergeleitet. Die fachrechtliche Bewertung der Einwände sollten dem RP im Sommer vorliegen.

Davon gehe Hessen Mobil auch noch aus, erklärte Sprecherin Sonja Lecher auf Anfrage der OP noch Anfang dieses Monats. Es gehe bei den Einwänden im Wesentlichen um den Eingriff in das FFH-Gebiet „Obere Lahn mit Wetschaft und Nebengewässern“ mit dem dortigen Erlen-Eschen-Auenwald, den die neue Straße zweimal kreuze. Eventuell würden umweltfachliche Ergänzungen der Planunterlagen erforderlich. Allein die Klärung der fachlichen Fragen würden Monate in Anspruch nehmen. Und da es um das Gebiet als Ganzes gehe, könne im Einzelnen keine Stellungnahme gegeben werden. Ob das Ergebnis der Prüfungen den weiteren Ablauf beeinflussen werde, sei noch nicht abzuschätzen.

Nachkartierungen sind vorgesehen

Doch eine Nachfrage der OP beim RP kommentiert Bürgermeister Joachim Thiemig so: „Das ist bitter.“ Denn Thorsten Haas bestätigte zwar die Aussagen seiner Kollegin von Hessen Mobil hinsichtlich des FFH-Gebiets. Der stellvertretende­ Pressesprecher des RP ergänzt aber auf Nachfrage, dass „aus fachrechtlicher Sicht ergänzende artenschutzrechtliche Planunterlagen bezogen auf Tierarten wie zum Beispiel verschiedene Fledermausarten und Brutvögel vom Vorhabensträger gefordert wurden“. Gefordert würden zum Beispiel Kollisionsschutzeinrichtungen, die aber zum Teil schon in den Plänen berücksichtigt sind.

„Wir gingen davon aus, dass alle Punkte abgearbeitet wurden und das Planfeststellungsverfahren gut laufen würde“, sagt Thiemig, doch nun beschleiche ihn ein „Déjà-vu-Gefühl“, wenn er an Breidenbach denkt.

Dort war die Stimmungslage ähnlich. Auch dort soll eine Umgehungsstraße entstehen, die bei der Perfbrücke südlich von Breidenbach durch die Perfaue bis zum Kreisel zwischen Breidenbach und Kleingladenbach führt. Die knapp 1,65 Kilometer lange Verlegung der B 253 soll die Anwohner um 75 Prozent des Verkehrs entlasten und Erweiterungsflächen für Buderus Guss bringen.

Das Planfeststellungsverfahren lief seit Anfang 2016 und die Anhörung war schon so gut wie beendet, da wurde im Dezember bekannt, dass die Obere Naturschutzbehörde das Vorkommen der europaweit geschützten Zwergfledermaus genauer untersucht haben will.

RP hält an Abschluss der Prüfung in diesem Jahr fest

Wegen der Winterruhe der Tiere kann die Zählung aber erst von Frühjahr bis Sommer erfolgen. Danach werden die Ergebnisse ausgewertet. Gibt es Flugbewegungen in dem Plangebiet, wäre zum Beispiel ein mögliche Folge der Auswertung die Anfertigung neuer Pläne zur Errichtung von vier Meter hohen Irritationsschutzwänden.

Eckelshausen könnte nun ein ähnliches Szenario drohen. „Es sind Nachkartierungen seitens Hessen Mobil vorgesehen“, erklärt RP-Sprecher Haas. Dennoch halte das RP am vorgesehenen Verfahrensabschluss fest: das vierte Quartal 2018.

von Gianfranco Fain

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