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Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Umschulung Gemeinsam gegen den Fachkräftemangel

Der demografische Wandel hin zu einer älteren Gesellschaft beschäftigt nicht nur Statistiker und Politiker, sondern hinterlässt auch erste Spuren im Landkreis.

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Haben die Chance zur Umschulung in der Altenpflege ergriffen und sind damit glücklich: Kerstin Bieker (von links), Ines Brendel und Klaus Dörbecker.

Quelle: Sofia Banzhoff

Marburg. Mehr ältere Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf, das bedeutet, dass auch der Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften steigt. Doch laut einer Prognose des Hessischen Pflegemonitors werden bis zum Jahr 2015 gut 50 dieser Fachkräfte fehlen und bis 2025 sogar noch mal 30 Prozent mehr benötigt werden.

Um dort Abhilfe zu schaffen, haben die Agentur für Arbeit Marburg und die Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Marburg ein Projekt gestartet, das neue Wege finden soll, um Fachpersonal für die Altenpflege zu gewinnen: Arbeitssuchenden wird die Gelegenheit zu einer Umschulung zum Alterpfleger oder Pflegehelfer angeboten. Die Ausbildung an der Altenpflegeschule der AWO wird von der Agentur für Arbeit finanziert, außerdem wird der Lebensunterhalt der Umschüler gesichert. Die Umschulung auf Teilzeit ist auch möglich, sodass Arbeitssuchende mit Familien ebenfalls teilnehmen können.

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich dieses Angebot an alle richtet, auch an Menschen in höheren Lebensaltern. „Altenpflege ist die Boombranche der Zukunft,“ sagt Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg: „Für uns lohnt sich dieses Projekt in jedem Fall, da wir wissen, dass die Menschen nach der Ausbildung eine Arbeit haben werden.“ Auf jede freie Stelle in der Branche kämen derzeit nur 0,4 Arbeitssuchende, und durch die mittlerweile flächendeckende Pflege sei es sicher, einen Arbeitsplatz in der Region zu finden.

Auch Jürgen Eierdanz, Leiter der AWO-Altenpflegeschule, freut sich über die Kooperation: „Unsere Schule besteht seit 22 Jahren, und es gab immer Schüler, die von der Agentur für Arbeit gefördert wurden.“ Dass dies jetzt intensiviert werde, sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels positiv. Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Altenpfleger dauert drei Jahre, in Teilzeit vier Jahre und drei Monate. Zum Altenpflegehelfer bildet die Schule in einem Jahr beziehungsweise in 68 Monaten in Teilzeit aus. „Die Ausbildung hat ein breites Spektrum, durchaus auch in klinischen Bereichen. In der Neurologie der Uniklinik oder in der Geriatrie in Wehrda arbeiten viele Altenpfleger,“ berichtet Eierdanz. Außerdem gebe es viele Gelegenheiten zur staatlich geregelten Weiterbildung, sodass ein Aufstieg in höhere Positionen, zum Beispiel in die Heimleitung, möglich sei. „Viele Einrichtungen haben ein nachhaltiges Interesse daran, ihre Mitarbeiter weiterzuentwickeln,“ erklärt er und fügt hinzu: „Für die Ausbildung ist jeder geeignet, der sich das grundsätzlich vorstellen kann. „Einfach die Schule kontaktieren, dann organisieren wir ein dreiwöchiges Schnupperpraktikum, und wenn es passt, sehen wir weiter.“ Insgesamt müssten pro Jahr 30 Leute mehr ausgebildet werden, um den Bedarf der nächsten Jahre decken zu können.

Klaus Dörbecker, Kerstin Bieker und Ines Brendel haben das neue Angebot genutzt und sich zur Altenpflegefachkraft umschulen lassen beziehungsweise sind noch in der Ausbildung.

Dörbecker arbeitete zuvor im Vertrieb eines Holzbaubetriebs und wurde nach dessen Insolvenz arbeitslos. Nach einigen Monaten der Suche entschied er sich 2009 für die Umschulung und hat kürzlich die Ausbildung abgeschlossen. Ab morgen wird er in der Marburger Altenhilfe in Cölbe arbeiten. Der 58-Jährige betont, dass die Umschulung für ihn die richtige Entscheidung gewesen sei. „Man muss eigentlich mehrere Berufe in einem ausüben, manchmal muss man Therapeut sein oder auch Ernährungsberater. Man muss ganzheitlich arbeiten“, erklärt er. Der Beruf werde in der Öffentlichkeit oft falsch dargestellt. Er freue sich sehr auf den nächsten Abschnitt seiner Berufsbiografie.

Bieker und Brendel entschieden sich aus familiären Gründen für die Teilzeitausbildung und werden diese im Mai 2013 abschließen. Brendel ist 45 Jahre alt, hat zuvor 13 Jahre lang als Altenpflegehelferin gearbeitet und sich dann zur Weiterbildung entschlossen. Bieker, in der Erstausbildung technische Zeichnerin, sagt: „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich nochmal eine qualifizierte Ausbildung mache.“ Gerade für Mütter sei das aber eine große Chance. „Es entspricht eher meinem Naturell, mit Menschen zu arbeiten. Ich bin rundum glücklich und habe es keinen Tag bereut,“ berichtet die 42-Jährige und ergänzt: „Es ist schön, wenn man den Menschen etwas geben kann, und wenn es nur ein Lächeln ist. Ich habe meinen Beruf gefunden.“

von Sofia Banzhoff

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