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Ärzte werben: Mit oder ohne Geld?

Gemeindeparlament Dautphetal Ärzte werben: Mit oder ohne Geld?

Während CDU und SPD Vorschläge für die nächste Gemeindevertretersitzung unterbreiten, sind die Freien Wähler noch 
unschlüssig, welche Ideen sie unterstützen wollen.

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Zielgerichtet, nach Vorstellung der CDU unter anderem mit einer Finanzspritze, soll die Ansiedlung von Ärzten in der Gemeinde Dautphetal gefördert werden.

Quelle: Erwin Wodicka

Dautphetal. Hinsichtlich der Aktivitäten der Gemeinde zum Erhalt der ärztlichen Versorgung in der Gemeinde Dautphetal fällt den Freien Wählern (FW) die Rolle des Züngleins an der Waage zu. In welche Richtung das Pendel ausschlagen wird, ist offen, denn der Fraktion fällt eine Entscheidung schwer. Das verdeutlicht der Fraktionsvorsitzende Michael Honndorf.

Zwar sei man vom Partner in der Zählgemeinschaft darüber informiert worden, dass die CDU einen Antrag zur Ärzteversorgung stellen werde, über den Inhalt sei die Fraktion doch überrascht, bekennt Honndorf. Besonders im Vorschlag, 100.000 Euro zur „Arztsicher­ungsförderung“ aus der Gemeindekasse bereitzustellen, sehen die FW-Gemeindevertreter offenbar einen Konflikt hinsichtlich der allgemeindienlichen medizinischen Versorgung und der Förderung einer wirtschaftlichen Tätigkeit. „Wir fördern ja auch keinen einzelnen Handwerker oder Betriebe“, erklärt Honndorf. Deshalb habe es während der Fraktionssitzung am Dienstagabend „harte inhaltliche Diskussionen“ gegeben, ohne dass die Mitglieder zu einem Ergebnis gekommen seien. Das gelte auch für den SPD-Antrag für eine Werbeaktion.

„Ärzte heben sich ganz klar hervor“

Deshalb, so Honndorf, werde es am Abend vor der Gemeindevertretersitzung eine weitere Fraktionssitzung geben. Dabei wolle man zu einem Entschluss finden, der „für alle Bürger der Gemeinde gut ist“.

Man spreche hier nicht über die Förderung eines Dachdeckers oder Klempners, meint dazu Dr. Horst Falk. „Ärzte heben sich ganz klar hervor“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende, für dessen Fraktion die wohnortnahe medizinische Betreuung eine Grundversorgung darstellt. In diesem Bedürfnis der Bürger sieht Dr. Falk ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem könnte sich die angekündigte Schließung der zwei Arztpraxen in Holzhausen und Dautphe im nächsten Jahr auch negativ auf die Apotheken und den Einzelhandel in den Orten auswirken.

Auch der Einwand, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit ihren finanziellen Anreizen zur Förderung von Praxenübernahmen im ländlichen Raum kaum Erfolg habe, lässt Dr. Falk nicht gelten: „Vielleicht sind die nicht ausreichend.“ Er sei überzeugt, dass die vorgeschlagenen gemeindlichen Anreize zusätzlich zur KV-Förderung „entscheidend sein können“.

Vorzüge des Landarztes präsentieren

Geld sei jedoch nicht der entscheidende Faktor. Das hat nicht nur die KV erkannt, das sagte auch der Holzhäuser Allgemeinmediziner Martin Bohe 
unlängst anlässlich eines Besuchs der SPD-Fraktion in seiner Praxis. Geänderte Arbeitszeitwünsche sowie das Freizeit- und kulturelle Angebot in der Stadt seien eher ausschlaggebende Gründe. Da seine Bemühungen, einen Nachfolger zu finden, bisher ohne Erfolg blieben, und es für die Praxis von Joachim Ziegler in Dautphe auch nicht besser aussieht, wollen die Ärzte Dautphetals eine professionelle Werbeaktion starten, um die Vorzüge einer Tätigkeit auf dem Lande zu präsentieren und dazu an die Gemeinde herantreten ( die OP berichtete).

Diesen Gedanken greift die SPD-Fraktion mit ihrem Antrag auf. Man halte dies für effektiver als die Schaffung finanzieller Anreize, äußerte Fraktionsvorsitzender Joachim Ciliox. Einig sind sich die Fraktionen, dass zum Erhalt der wohnortnahen ärztlichen Versorgung in der Gemeinde etwas geschehen muss. Wie, das wird während der Parlamentssitzung am Montag, 26. Juni, ab 19 Uhr im Bürgerhaus Dautphe entschieden.

von Gianfranco Fain

 Anträge

Die CDU- und die SPD-Fraktion wollen dem drohenden Ärztemangel in der Gemeinde Dautphetal entgegenwirken und stellen dazu jeweils Anträge für die Gemeindevertretersitzung am 26. Juni.

SPD: Der Gemeindevorstand soll mit den ansässigen Ärzten eine Strategie zur Vermeidung des drohenden Ärztemangels in Dautphetal erarbeiten. Dazu ist gegebenenfalls Geld aus dem Gemeindehaushalt für eine professionelle PR-Kampagne bereitzustellen.
CDU:

  • Der Gemeindevorstand soll mit den Ärzten für die beiden 2018 vakant werdenden Praxen mit den Ärzten in allen Onlineplattformen, den Krankenhäusern Mittelhessens sowie in Nordrhein-Westfalen werben. Ergänzen soll dies ein Werbeprospekt in papierner und digitaler Form.
  • Der Gemeindevorstand soll im Haushaltsplan 2018 für die Arztsicherungsförderung 100.000 Euro vorsehen und eine Satzung dafür ausarbeiten.
  • Der Gemeindevorstand soll bei der Kreisverwaltung Förderungen beantragen.
  • Der Gemeindevorstand soll sich gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Landkreis gegen die Einführung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Dautphetal und für die dezentrale ärztlichen Versorgung aussprechen.
  • Der Gemeindevorstand soll Funktionsträger von Parteien, Verbänden, Vereinigungen, der Wirtschaft und weitere um Unterstützung bitten.
  • Der Gemeindevorstand soll mit der Kreisverwaltung prüfen, inwieweit niederlassungswillige Ärzte von der Wirtschaftsförderung von Gemeinde und Landkreis unterstützt werden können.
  • In Bürgerversammlungen soll über den Weg zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung informiert werden.

 

Nebenwirkungen drohen

Das Aufdrehen des Geldhahnes, den die Dautphetaler CDU-Fraktion vorschlägt, um Ärzten einen zusätzlichen finanziellen Anreiz zur Niederlassung in einem der Orte der Gemeinde zu bieten, könnte zum Untergang der guten Absicht führen. Das gilt nicht für die gut situierte Gemeinde Dautphetal, deren Kämmerer sicherlich das Geld flüssig machen könnte, sondern eher für die anderen, nicht auf Rosen gebetteten Gemeinden. Einige könnten es sich sicherlich nicht leisten, Ärzte mit Geld anzuziehen. Die Folge wäre ein Verdrängungswettbewerb, der gar in eine Zentralisierung auf Dautphetaler oder beispielsweise Biedenkopfer Gebiet mündet, dem die CDU ja gerade entgegenwirken will.

Unter den Nebenwirkungen litten halt nur andere, während es für Dautphetal eine kurzfristige Linderung gebe. Um die Situation mittelfristig zum Guten zu führen, müsste das gegenwärtige Gesundheitssystem verändert werden. Dieses sei nicht in der Lage, die medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum nachhaltig sicherzustellen, stellt die CDU in der Begründung ihres Antrags fest. Das zu ändern, liegt aber in der Hand der Regierungspartei in Berlin, zu der der lokale Ableger mit dem C im Namen beste Verbindungen hat.

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In der Regel gehen Ärzte Krankheiten auf dem Grund, manchmal müssen sie aber auch Nachfolger finden. Foto: Joerg Koch

Zwei Ärzte in Dautphetal schließen Mitte 2018 ihre Praxen. Die Suche nach Nachfolgern muss jedoch nicht aussichtslos sein, wie das Beispiel von Dr. Daniel Sieveking in Wallau zeigt.

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