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Gegen Anfeindungen und Zerrissenheit

Synode im Hinterland Gegen Anfeindungen und Zerrissenheit

Bei der gemeinsamen Herbstsynode formulierten Biedenkopfer und Gladenbacher Synodale ihre Erwartungen an ein gemeinsames Dekanat.

Biedenkopf. 2013 wird das „Jahr der Toleranz“ in den Evangelischen Dekanaten Gladenbach und Biedenkopf. Das gemeinsame Jahresmotto beschlossen die mehr als 100 Vertreter der Kirchengemeinden beider Dekanate am Samstag bei ihrer gemeinsamen Dekanatssynode im evangelischen Gemeindehaus in Biedenkopf.

Die von den Mitarbeitern beider Dekanate stammende Idee, sich das „Toleranz“-Jahresthema der Lutherdekade zu Eigen zu machen, stieß bei den Synodalen auf ungeteilte Zustimmung. Damit treffe man den gesellschaftlichen Nerv, befand ein Synodaler in der anschließenden Diskussion: Auch im Hinterland erlebe man derzeit viel Intoleranz, etwa in der Diskussion um die Windkraft. Ganze Dörfer hätten unter gegenseitigen Anfeindungen und Zerrissenheit zu leiden.

Das Jahresthema der Dekanate könne dazu beitragen, mehr aufeinander zu hören und gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten. Pfarrer Dr. Reiner Braun (Dautphe) erinnerte daran, dass die hessische Reformation stark durch Toleranz geprägt sei, und Pfarrer Arnold Bock (Holzhausen/Hünstein und Herzhausen) betonte, Toleranz bedeute ebenso das Beibehalten eigener Standpunkte wie auch „niemanden niederzubrüllen“.

Ein Arbeitskreis soll sich nun um die weitere inhaltliche Ausgestaltung der von der Gladenbacher Agentur „Provinzglück“ erarbeiteten Visualisierung zum Jahresthema kümmern, die Karsten Henrich und Sarah Müller vorstellten.

Freiwilliger Beschluss bietet Möglichkeiten

Der Slogan „365 Grad - Jahr der Toleranz“ solle verdeutlichen, dass man einen Perspektivwechsel brauche, um tolerant zu sein: Wer sich 360 Grad um die eigene Achse drehen und seinen Blickwinkel um fünf Grad verändern könne, habe die eigene Position als Basis im Blick und sei offen für Anderes und Andere, sagten die Agenturvertreter. Die Synodalen beschlossen das Jahresthema ohne Gegenstimmen bei zwei Enthaltungen.

Eine solche Einigkeit erhoffen die Dekanatssynodalvorstände um die Präsides Frank Schmitt (Biedenkopf) und Joachim Lies (Gladenbach), die gemeinsam die Sitzung leiteten, und die Dekane Gerhard Failing und Matthias Ullrich auch hinsichtlich der weiteren Zusammenführung ihrer beiden Dekanate, die seit 2006 in einer Arbeitsgemeinschaft verbunden sind.

Dekan Failing wies darauf hin, dass ein freiwilliger Beschluss, die Dekanate zusammenzuschließen, jetzt die Möglichkeit biete, vieles selbst zu gestalten. Wenn aber erst die Landessynode der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) in Frankfurt die Neuordnung der Dekanate im Kirchengebiet beschließe, dann sei der Beschluss bindend, betonte Failing.

Die Nord-Nassauer Pröpstin Annegret Puttkammer hatte in ihrem Grußwort bereits die Hoffnung geäußert, dass sich die Zusammenarbeit der Dekanate vertiefen werde und sie von Fortschritten der Steuerungsgruppe zur Neuordnung der Dekanate berichten könne.

Präses Joachim Lies verglich den in den Dekanaten gemeinsam zurückgelegten Weg mit einer Bergwanderung und der Ankunft an der Hütte, wo man sich als Gruppe darauf einigen müsse, welcher Gipfel und welcher Weg nun anstehe.

Arbeitsgruppen sprechen über Dekanats-Gestaltung

„Das Beste kommt noch“ , warb auch Dekan Failing in Anlehnung an Obamas Worte nach seiner Wiederwahl um eine gemeinsam gestaltete Zukunft der Dekanate. Um auch die geografischen Randbereiche angemessen berücksichtigen zu können, werde ein gemeinsames Dekanat ein „Dekanat der Regionen“ werden, kündigte er an. In Arbeitsgruppen sprachen die Synodalen darüber, wie ein gemeinsames Dekanat gestaltet werden könnte. Die schriftlich festgehaltenen Ergebnisse sollen nun ausgewertet werden.

Außerdem beschäftigten sich die Synodalen mit der Gestaltung der neuen Regionalverwaltungsregion Nassau Nord. Der ab 1. Januar 2013 aus den Regionalverwaltungen Limburg-Weilburg und Herborn-Biedenkopf gegründete Regionalverwaltungsverband (RVV) werde sechs Dekanate mit 128 Kirchengemeinden und rund 169000 Gemeindegliedern umfassen, erläuterten der künftige RVV-Leiter René Fünders und Norbert Mai für die Regionalverwaltung Herborn-Biedenkopf. Hinzu kommen 74 Kindertagesstätten, in denen etwa 4500 Kinder betreut werden.

Der Jahresumsatz der Kirchengemeinden und Dekanate liegt laut Fünders bei etwa 173,3 Millionen Euro. Der RVV betreue außerdem 14 Diakoniestationen, 430 Gebäude und Liegenschaften sowie 3150 Beschäftigte. „2013 wird das Jahr der Überleitungen: Die Teams und die Prozesse müssen sich finden“, sagte Fünders. Im Zuge der Bildung des neuen Regionalverwaltungsverbands Nassau-Nord stehe nicht nur das Abstimmen zwischen den beiden Standorten Weilburg und Niedereisenhausen an, sondern auch die Kontaktaufnahme zwischen den Gemeinden in den Dekanaten und neuen festen Ansprechpartnern. Stellvertretende Leiterin des Regionalverbands werde Lydia Belov-Hahn.

von Klaus Kordesch

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