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Gefühl, zu Hause zu sein, schwindet

Serie Gefühl, zu Hause zu sein, schwindet

Die Windkraftanlagen der neuen Generation werden immer größer und immer mehr Windparks entstehen. Im gleichen Zug steigen die Anwohnerbeschwerden.

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Ein Windpark bei Speckswinkel: Emissionen können bei Anwohnern Stress auslösen, der unter Umständen krank machen können. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Gladenbach . Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung mindestens 20 Prozent betragen. Mit dem Ausbau der regenerativen Energien steigt auch der Anteil der Windparks und entsprechend die Stressbeschwerden der Anwohner. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Hallen-Wittenberg im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 2010 durchgeführt hat. Befragt wurden 420 Anwohner, die eine direkte Sicht auf einen Windpark mit 13 Windkraftanlagen haben. Forschungsgegenstand war die Akzeptanz und Umweltverträglichkeit der Hinderniskennzeichnung von Windrädern.

Obwohl sich nach der Auswertung der 590 Fragen zu Stresswirkung und zur Akzeptanz des Windparks vor Ort und den erneuerbaren Energien herausgestellt hat, dass sich keine erheblichen Belästigungen ergeben haben, waren unter den Probanden 16 Prozent stark betroffen von Stressbeschwerden. Die Befragten monierten hauptsächlich die Helligkeit derXenon-Kennzeichnung bei Nacht und eine fehlende Synchronisation der Lichtquellen. Ein Viertel der Befragten war von der nicht synchronisierten Licht-emmission besonders stark irritiert.

Aus psychologischer Sicht können periodische Lichtsignale, wie sie von einer Windkraftanlage ausgehen, als Stressoren wirken. Sie bewirken, dass man seine Aufmerksamkeit auf die Lichtquelle richtet und lenken von der momentanen Tätigkeit ab. Das ruft Stress hervor. Um den Stress abzubauen, entwickelt ein Betroffener verschiedene Strategien: entweder reagiert er emotional, passt sein Verhalten der Situation an oder es setzt bei ihm ein physiologische Prozesse ein. Kann der Gestresste sich nicht anpassen, so kann es bei dauernder Stressempfindung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Schäden kommen.

Juristisch liegt eine erhebliche Belästigung vor, wenn körperliches und psychisches Wohlbefinden sowie die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist. Entscheidend ist das Empfinden eines „Durchschnittsmenschen“, eines repräsentativen verständigen Bürgers in vergleichbarer Lage.

Als stark belästigt gehen aus der Untersuchung Anwohner hervor, die Hausbesitzer sind und häufig auch im Eigenheim ein Büro hatten. Sie waren laut der Studie gesundheitlich angeschlagen.

Mehr als ein Viertel der Befragten erlebte die Kennzeichnung der Anlagen in der Nacht und bei bestimmten Wetterlagen - besonders bei wolkenloser Nacht - als besonders störend. Um weniger belästigt zu werden, brachten viele Anwohner Rollos oder Markisen am Haus an und hielten sich selten in ihren Schlafzimmern auf. Auch verbesserten sie ihren Schlafrhythmus mit Medikamenten. Das Gefühl in der Gemeinde zu Hause zu sein, hatte sich bei Anwohnern von Windparks verschlechtert.

Auch fühlten sich Anwohner durch den Einschnitt in das Landschaftsbild und durch die Geräusche der Windräder beeinträchtigt. Als störend empfanden die Probanden auch den Schattenwurf der Anlagen.

Die Akzeptanz von Windkraftanlagen bei den Anwohnern steht und fällt demnach mit der Verringerung von Belastungen als Stressauslöser.

von Silke Pfeifer-Sternke

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