Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Gebet, Gesang und Gesundheitspolitik

Montagsgebet Gebet, Gesang und Gesundheitspolitik

Es sollte zur Sache gehen und das ging es auch. Beim ersten Marburger Montagsgebet wurden Forderungen gestellt, Positionen bezogen und Fürbitten gebetet.

Marburg. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Marburger Elisabethkirche gestern Abend, als Achim Ludwig, Pfarrer der Elisabethkirchengemeinde und Vorsitzender des Kirchenvorstandes, die rund 450 Besucher des ersten Montagsgebets begrüßte. Um die Gesundheitspolitik solle es gehen, erklärte er, und um theologische und ethische Orientierung.

„Jede Klinik muss gut wirtschaften. Sie muss aber auch gute Medizin machen“, betonte der Dekan des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität, Professor Dr. Matthias Rothmund, in seinem „Wort zur Sache“. Dieses Wirtschaften sei in Deutschland seit der Einführung der Fallabrechnung schwer geworden, dürfe aber nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. „Sollte Fresenius die Übernahme der Rhön Klinikum AG gelingen, hat das Land Hessen das Recht, die Uniklinika zurückzukaufen. Davon sollte es Gebrauch machen“, forderte Rothmund.

Der Dekan des Kirchenkreises Marburg, Burkhard zur Nieden, stellte anschließend die Position der Kirche dar: „Wir als Kirche können nicht wegsehen und schweigen, wenn Klinikmitarbeiter zu uns kommen und sagen: Eigentlich müsste ich anders handeln, aber es ist nicht anders möglich.“ Er mache das auch zu seinem persönlichen Anliegen. „Ich verstehe vielleicht nichts von Krankenversorgung, aber dafür etwas vom Gewissen - und dafür spreche ich hier“, betonte er.

In Fürbitten betete er zum Abschluss gemeinsam mit allen Anwesenden für das Wohl der Patienten, für die Arbeit des Klinikpersonals und für eine gute Wahl der Entscheider.

Mit den Entscheidern meinte zur Nieden wohl auch die Rhön-Aktionäre. Diese müssen sich bis heute 24 Uhr zum Verkauf ihrer Aktien an Fresenius durchringen. Gut zwei Tage vor Ablauf der Annahmefrist seien dem Unternehmen erst 40,6 Millionen Rhön-Aktien angedient worden, erklärte der Konzern gestern. Dies entspricht 29,39 Prozent des Grundkapitals von Rhön. Bei öffentlichen Übernahmeangeboten ist es allerdings üblich, dass institutionelle Investoren ihre Aktien erst auf den letzten Drücker einreichen. „Da wir bisher keinen aktiven Widerstand vernommen haben, halten wir eine Zustimmungsquote von mehr als 92 Prozent für erreichbar“, sagte Commerzbank-Analyst Volker Braun. Ein Fragezeichen hinter dem Geschäft ist nach wie vor die kartellrechtliche Bewertung.

von Katharina Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland