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„Mando“ ist seit Jahrzehnten Treffpunkt

Gaststätte Balzer „Mando“ ist seit Jahrzehnten Treffpunkt

Anfangs waren Carmen und Jürgen Schwartz „Wirte wider Willen“ – doch heute betreiben sie das Gasthaus Balzer in Schröck aus Überzeugung.

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Carmen und Jürgen Schwartz leiten die Gaststätte Balzer: Die 
Köchin ist für das leibliche Wohl zuständig, ihr Mann für den 
Service.

Quelle: Andreas Schmidt

Schröck. Seit 50 Jahren gibt es die Gaststätte Balzer in Schröck. „Mando“ lautet der Dorfname – abgeleitet von Amanda Balzer, die mit ihrem Mann Konstantin das ursprüngliche Haus auf der Bettewiese in Schröck bewohnte.

Heute sind Carmen und Jürgen Schwartz die Wirte im „Mando“. Es waren nicht die besten Vorzeichen, unter denen die Eheleute das Gasthaus übernahmen. Denn Carmen Schwartz, geborene Balzer, hatte zwar eine Kochlehre absolviert und schon früh im Betrieb ihrer Eltern mitgearbeitet. Doch es verschlug sie in den Schwarzwald – dort lernte sie ihren späteren Ehemann Jürgen kennen, hatte mit ihm gerade ein Haus gebaut.

Weihnachten 1999 war ihr Vater Wolfgang auf dem Weg in den Schwarzwald, wollte Tochter, Schwiegersohn und Enkel besuchen – doch es kam zu einem tragischen Unfall: Ein Baum stürzte auf den Wagen des Schröcker Urgesteins, Wolfgang Balzer verstarb.

Carmen und Jürgen Schwartz gaben die neu geschaffene Heimat im Schwarzwald auf und kehrten in Carmens Heimat Schröck zurück, übernahmen die Gaststätte mit angeschlossenem Gästehaus.
„Es war mir eine Herzensangelegenheit, aber es ist mir nicht leicht gefallen“, sagt die 48-Jährige. Schnappschuss von der Einweihung des 
Gästehauses im Jahr 1985: Gerlinde Braun, Gertrud, Wolfgang und Carmen Balzer. Privatfoto

Carmen und Jürgen Schwartz gaben die neu geschaffene Heimat im Schwarzwald auf und kehrten in Carmens Heimat Schröck zurück, übernahmen die Gaststätte mit angeschlossenem Gästehaus – „es war mir eine Herzensangelegenheit, aber es ist mir nicht leicht gefallen“, sagt die 48-Jährige.

Rückblende: Am 23. Dezember 1967 erhielt Wolfgang Balzer die Schankerlaubnis für ein Café im „Mando“. Er war in die Fußstapfen seines Vaters Karl getreten und hatte eine Bäckerlehre absolviert, stieg in die Bäckerei von Karl und Rosa Balzer ein. 1966 hatten sich die Balzers entschlossen, auch ein Café zu eröffnen und einen größeren Laden zu bauen – der Neubau war 1967 abgeschlossen, einen Tag vor Heiligabend kam dann die Schankerlaubnis.

Bäckerei-Verkaufsraum wird zu weiterer Gaststube

Ein Jahr später bot die Familie dann auch vier „Fremdenzimmer“ an, „die hatten sogar schon fließend kaltes und warmes Wasser“, erinnert sich Carmen Schwartz. „Für uns als Kinder war es völlig selbstverständlich, dass wir das eine vorhandene Badezimmer mit den Gästen teilten – das wäre heute undenkbar“, sagt sie lachend.

Das Café wandelte sich nach und nach zur Gaststätte – vor allem auch, weil die Familie die Bäckerei aufgab. Denn 1972 war der Ofen nicht mehr leistungsfähig genug. „Ein neuer hätte 70.000 Mark gekostet, und weil es noch eine Bäckerei gab, hat sich das nicht gelohnt“, erinnert sich Jürgen Schwartz.

Aus der Not machte die Familie eine Tugend: Der Bäckerladen wurde zu einem weiteren Gastraum umfunktioniert – nach Renovierung und Umgestaltung wurde die Gaststätte ab Februar 1980 zum Speiselokal.

Fünf Jahre später entstand ein weiterer Neubau in unmittelbarer Nähe zur Gaststätte: Ein Gästehaus mit damals 18 Betten. Das sei sehr gut besucht gewesen, erinnert sich Carmen Schwartz, „hier haben zum Beispiel monatelang Bauarbeiter des Klinik-Neubaus gewohnt, die dann auch mit den Dorfbewohnern in der Gaststätte in Kontakt gekommen sind. Sie gingen mit auf Feste, spielten Tischtennis, waren integriert“, sagt sie.

1991 verstarb dann Gertrud Balzer, Tochter Carmen übernahm zunächst die Küche. Sie kam also das erste Mal zurück aus Süddeutschland. „Es fiel mir gar nicht so schwer, denn ich hatte eine gute Familienbindung. Und auch mein Freundeskreis war hier“, erinnert sie sich. „Aber ich hätte auch gerne weiter woanders gearbeitet, um noch mehr Erfahrung zu sammeln.“

Überlegungen in schwieriger Zeit

Im Februar 1994 zog es die Familie Schwartz jedoch wieder zurück in den Schwarzwald, „mein Mann – gelernter Bäcker – hatte zwischenzeitlich eine weitere Ausbildung zum Restaurantfachmann absolviert, aber zwischen ihm und meinem Vater harmonierte es nicht so gut“, sagt Carmen Schwartz.

1999 kam es dann zu dem tragischen Unfall – und die Familie Schwartz übernahm den Familienbetrieb. „Wir haben gerade ein halbes Jahr im neuen Haus gewohnt“, sagt Jürgen Schwartz. Nach langen, schweren Überlegungen „haben wir gesagt, dass wir es versuchen“, so Carmen Schwartz.

Das Haus im Schwarzwald gibt es noch – als Rückzugsort für die Familie und als Ferienhaus. Die Gaststätte läuft weiter – mit hessischer, regionaler, bodenständiger Küche. Das Geschäft ist härter als noch früher, als sich die Vereine regelmäßig im „Mando“ trafen. „Und auch die Bürokratie hat immens zugenommen“, sagt Jürgen Schwartz.

Doch in der Retrospektive sei es „eine gute Entscheidung“ gewesen. „Wir machen weiter, so lange wir können – und uns die Gäste wohlgesonnen sind“, sagt Carmen Schwartz.

  • Das Jubiläum feiert die Familie mit ihren Gästen am Mittwoch, 27. Dezember, ab 12 Uhr gemeinsam vor „Mando“ – mit Glühwein, heißem Apfelwein und Gegrilltem. Der Erlös soll für einen guten Zweck gespendet werden.

von Andreas Schmidt

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