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Gastronomen fordern neue Arbeitszeitmodelle

Dehoga Marburg Gastronomen fordern neue Arbeitszeitmodelle

Flexible Arbeitszeiten und die generelle Wertschätzung der Gastronomie – das fordert der Hotel- und Gaststättenverband Marburg. Auf der Jahreshauptversammlung diskutierten die Mitglieder über viele Themen.

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Über flexible Arbeitseinteilung im Gastgewerbe diskutierte der Dehoga Kreisverband Marburg während der jüngsten Jahreshauptversammlung.

Quelle: Anja Müller / pixelio.de

Beltershausen. Das Hotel- und Gaststättengewerbe befindet sich im Wachstum, zumindest in den Ballungszentren – „aber nur dort, auf der Fläche schreiben wir rückläufige Zahlen“, machte Dirk Wolf, Verbandsvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Marburg (Dehoga), deutlich. Zu Kämpfen haben die heimischen Gastronomen zudem mit der gesetzlich vorgeschriebenen ­Arbeitszeiteinteilung.

Seit einiger Zeit fordert der Dehoga einen Wandel von der bisher gültigen maximalen ­Arbeitszeit von zehn Stunden am Tag auf eine Wochenarbeitszeit von maximal 48 Stunden, um besser planen zu können. Gewerkschaften sind aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes dagegen. Das sei „einfach nicht nachvollziehbar“, betonte Wolf. Gerade durch ungewöhnliche Arbeitszeiten sei die Branche auf Flexibilität angewiesen.

Nachwuchsmangel bereitet dem Verband Sorgen

Es sei kontraproduktiv, einem Arbeitnehmer sagen zu müssen, er dürfe nicht länger arbeiten, „obwohl er es will“ – oder gleich ein ganzes Serviceteam „mitten im Bankett“ auswechseln zu müssen, weil die zeitliche Grenze erreicht wurde. „Wir wollen nicht mehr arbeiten, wir wollen eine Wochenarbeitszeit“, forderte Wolf mehr Flexibilität in der Gesetzgebung. Dies würde den Beruf zudem wieder attraktiver gestalten.

Eine „klarere gesetzliche ­Linie“ wünscht sich der Verband darüber hinaus bei der sogenannten „Bettensteuer“,­ die manche Gemeinden wieder­ einführen wollten. Ebenfalls ablehnend stehe man der Idee nach einer „Hygieneampel“ ­gegenüber, die durch 
farbliche Hinweise am Eingangsbereich einer Gastronomie auf potenzielle Hygiene­verstöße hinweise. Dadurch würden die ­Betriebe unver­hältnismäßig „an den Pranger gestellt“.

Sorgen macht der Branche weiterhin der Nachwuchsmangel. Geeignete Auszubildende­ wären auf dem umkämpften Markt Mangelware, „wir stehen­ in direkter Konkurrenz zur ­Industrie“, so Wolf. Auch auf zugewanderte Flüchtlinge, als neue Zielgruppe auf dem Ausbildungsmarkt, könne­ 
man sich derzeit noch wenig stützen. „Die Sprachdefizite sind noch zu groß – da ist noch ein ganz großes Brett zu bohren.“ Zudem gebe es laut Wolf teils unrealistische Lohnvorstellungen unter potenziellen neuen Mitarbeitern.

Zachow fordert bessere Verkehrsanbindung

Während der Sitzung kündigte der Verbandschef bereits an, sich nach rund zehn Jahren an der Spitze im kommenden Jahr nicht erneut zur Wahl aufstellen zu lassen.

Über die Zukunft und neue Möglichkeiten für die heimische Gastronomie diskutierten die rund 20 Anwesenden auch mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU). Kritisch betrachtet der Dehoga vor allem Lücken in der Anbindung von Marburg an die Ballungszentren, sieht unnötige Einbußen für die Branche. Hoffnung setzt man in eine­ mögliche Direktverbindung zum Frankfurter Flughafen.

Mit diesem Thema beschäftige­ sich ebenfalls der Kreis, teilte­ Zachow mit. Eine verbesserte Erreichbarkeit der Universitätsstadt via Gleis und Straße sei ­etwa für Hotels „sehr wichtig“, biete generell neue Möglichkeiten für den Tourismus. Zu diesem habe die Gastronomie „viele Berührungspunkte“­ und trage­ traditionell als ­„Begegnungszentrum“ zu einem „gesellschaftlichen Zusammenhang“ bei, lobte Zachow.

Langfristig Probleme sieht er für die Branche, wie für die gesamte Region, in einer „drohenden Abwanderung“, vor allem von jungen Menschen. Diese fehlten schlussendlich als Steuerzahler, Fachkräfte und als Kundschaft. Darauf reagiere der Kreis mit der neuen Kampagne „mach Karriere in deiner Region“, die, unter anderem durch ein Internetportal, auf Ausbildungs- wie Arbeitschancen vor Ort aufmerksam machen soll, auch im Gastgewerbe.

von Ina Tannert

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