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Fußball-EM und Schoko-Offensive

Kritik an Sammelaktion Fußball-EM und Schoko-Offensive

Auf der einen Seite steht der größte deutsche Sportverband, auf der anderen einer der größten Süßwarenhersteller Europas. Zusammen werben sie für die Fußball-EM. Ein Umstand, der bedenklich ist, findet Foodwatch.

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Für die EM-Sammelaktion von Ferrero vergibt Foodwatch die rote Karte.Foto: Dennis Siepmann/ Montage: Alexander Pavlenko

Marburg. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat nachgerechnet: Um beim Ferrero EM-Prämienspiel ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu ergattern, muss ein Kunde etwa 5,5 Kilo Zucker in Schokoladenform zu sich nehmen. Als offizieller Werbepartner der deutschen Nationalelf sieht Foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler auch den DFB in der Pflicht. Winkler findet deutliche Worte, er spricht von einer „absurden Sammelaktion“, mit der letztlich auch der DFB dazu beitrage, dass Kinder noch mehr Süßigkeiten essen.

Foodwatch: „DFB verstößt gegen seine eigene Satzung“

Aus diesem Grund hat Foodwatch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach anlässlich der Fußball-Europameisterschaft aufgefordert, die Zusammenarbeit seines Verbandes mit Ferrero zu beenden. „Ferreros Marketingstrategie zielt darauf ab, Süßigkeiten als sportlich-leichte Zwischenmahlzeiten zu bewerben“, erklärte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch. „Es ist unverantwortlich, wenn der DFB dazu beiträgt, dass ein Sportereignis wie die EM dazu missbraucht wird, gerade Kindern möglichst viele Kalorien anzudienen.“

Pressesprecher Andreas Winkler macht darauf aufmerksam, dass der DFB durch die Zusammenarbeit mit Ferrero auch gegen seine eigene Satzung verstößt. Darin heiße es, Zweck und Aufgabe des Fußballverbandes sei, „gesellschaftspolitische Aspekte mit den Möglichkeiten des Fußballs angemessen zu unterstützen“ - explizit auch durch „die Förderung gesunder Ernährung“.

Foodwatch verweist weiter auf das Problem von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern. Es sei bekannt, dass Kinder zu viele Süßigkeiten verzehrten, so Matthias Wolfschmidt: „Da passt es nicht, wenn der DFB im Widerspruch zu seinen gesundheitspolitischen Satzungs-zwecken den Steilpass für Ferreros Junkfood-Marketing liefert.“

Der Deutsche Fußballbund unterstützt Ferrero insbesondere durch Lizenzprodukte wie Sammelbilder der Nationalspieler als Beigabe zu Süßwaren und durch offizielle DFB-Artikel als Prämien bei der aktuellen Aktion „Fan Connection“. Ferrero selbst gibt in einer offiziellen Stellungnahme an, dass die Sammelpunkte auf insgesamt 17 Ferrero-Produkten angebracht seien, darunter auch tic tac und hanuta minis.

Außerdem laufe die Aktion über einen Zeitraum von sechs Monaten, von Dezember 2011 bis Juni 2012. Die einzelnen Artikel seien zudem - je nach Kaufdatum und Produkt - noch weit über das Aktionsende hinaus haltbar, teilweise bis zu über einem Jahr“, schreibt Ferrero.

Zu den Vorwürfen, dass mit der Partnerschaft von DFB und Ferrero besonders Kinder angesprochen werden und Übergewicht ein Problem sei, argumentiert das Unternehmen, dass der Schokoladenmarkt seit mehreren Jahren rückläufig sei. Eine Stellungnahme des DFB lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

von Dennis Siepmann

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