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Funken Hoffnung gepaart mit Skepsis

Geburtshilfe-Station Funken Hoffnung gepaart mit Skepsis

Nach dem angekündigten Aus für die Geburtshilfe-Station in Biedenkopf nimmt die Bevölkerung intensiv Anteil. Die Betroffenen hoffen indes aufeine langfristige Lösung.

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Seit 1980 als Hebamme im DRK-Krankenhaus in Biedenkopf: Bettina Löffler durchtrennt die Nabeschnur eines Neugeborenen. Löffler hat ebenso wie die 17 Kinderkrankenschwestern und Hebammen bereits ihre Kündigung erhalten. Das kleine Foto zeigt die Unterstütz

Biedenkopf . Es war ein Schock für die Hebammen und die Kinderkrankenschwestern des Biedenkopfer DKR-Krankenhauses als ihnen die Schließung der Geburtshilfestation für nächstes Jahr avisiert wurde. Wie die Stimmung ist? „Na, wie soll sie schon sein“, meint Bettina Löffler, leitende Hebamme in der geburtshilflichen Station des DRK-Krankenhauses in Biedenkopf. Die Station soll zum 31. März 2013 geschlossen werden, den Hebammen und Kinderkrankenschwestern wurde bereits die Kündigung ausgesprochen (die OP berichtete). Das Aus hat Bettina Löffler und ihre 17 Kolleginnen im Team unvorbereitet getroffen, entsprechend schlecht sei die Atmosphäre derzeit, berichtet sie.

In drei Kategorien ließen sich die Reaktionen der Hebammen und Kinderkrankenschwestern auf die angekündigte Schließung einteilen, erklärt Löffler. „Manche sind wie gelähmt, andere sind voller Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht, und andere schauen sich schon nach einem neuen Job um.“

Der breite Zuspruch aus der Bevölkerung, die vielen Solidaritätsbekundungen und Kampfansagen von Seiten der unterschiedlichen politischen Ebenen würde das Kreißsaal-Team sehr freuen: „Es tut gut, zu spüren, dass unsere Arbeit gewürdigt wird.“ Derzeit sei ein regelrechter „Geburtshilfe-Aktionismus“ ausgebrochen.

Auf der Internetseite www.rettet-die-Geburtshilfe.de, die der Biedenkopfer Jochen Schröder eingerichtet hat, werden Unterschriften für den Erhalt der Geburtshilfe-Station gesammelt. Seit vergangenem Donnerstag ist die Seite online, seither haben sich weit mehr als 1000 Personen in die virtuelle Liste der Unterstützer eingetragen. Sie haben alle ein Ziel: die wohnungsnahe Versorgung zu sichern, da es kaum eine Alternative gibt. Die nächst gelegenen Krankenhäuser sind etwa 40 Kilometer entfernt: in Bad Berleburg, in Frankenberg und in Marburg.

Via Internet werden auch Freiwillige gesucht, die Unterschriften vor Ort sammeln. Schröder hat somit eine „echte“ Unterschriftenliste vorbereitet. Zur Information der Bevölkerung hat er bereits 1000 Flyer gedruckt, die es zu verteilen gilt. Wer etwas zur Situation zu sagen hat, kann seine Sicht der Dinge auf der Internetseite veröffentlichen. Eine Mutter schreibt zum Beispiel „Ich möchte keine 30 Minuten mit Wehen im Auto sitzen und auch nicht im Rettungswagen liegen.“

Der Geburtshilfe-Station droht das Aus, weil die Prämien für die Haftpflichtversicherung der Belegärzte pro Jahr fast um das Vierfache von 65000 Euro auf 270000 Euro gestiegen sind. Den Ausgaben stehen Einnahmen bei Geburten von 100 bis 200 Euro gegenüber. In Biedenkopf erblicken jährlich etwa 400 Babys das Licht der Welt.

Ob der Aktionismus der Bevölkerung eine tragfähige Lösung bringt? „Da sind wir ziemlich skeptisch.“ Denn den Mitarbeiterinnen sei nicht damit geholfen, wenn es nun „irgendwie weitergeht - und wir in einem halben Jahr wieder vor Schließungs-Diskussionen stehen.“ Vielmehr müsste es eine langfristige Perspektive für den Kreißsaal in Biedenkopf geben. Was die Jobsuche angeht: „Da haben es die Kinderkrankenschwestern leichter als wir Hebammen“, meint Bettina Löffler. Viele Hebammen würden sich dann wohl darauf beschränken, freiberuflich Vor- und Nachsorge zu leisten. Für sie allerdings, die seit 32 Jahren als Hebamme arbeitet, würde damit ein wichtiger Teil der Arbeit wegfallen: „Die Geburtshilfe, die ist doch das Salz in der Suppe.“

von Sophie Cyriaxund Silke Pfeifer-Sternke

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