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Für Schornsteinfeger geht‘s hoch hinauf

Ausbildungsserie Für Schornsteinfeger geht‘s hoch hinauf

„Man sieht schon einiges“, sagt Bezirksschornsteinfegermeister Frank Ficht und meint damit nicht nur die Ausblicke von den Hausdächern. Denn als Schornsteinfeger habe man immer Kontakt mit Menschen.

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Bezirksschornsteinfegermeister Frank Ficht bei der Arbeit auf dem Dach: Dort steht das Reinigen des Kamins an. Um den künftigen Nachwuchs zu sichern, werden im Landkreis Auszubildende zu Schornsteinfegern gesucht.

Quelle: Privatfoto

Fronhausen. Er klettert anderen Leuten aufs Dach, reinigt Kamine, kontrolliert die Abgase von Feuerstätten und misst Emissionswerte: der Schornsteinfeger. „Das ist ein abwechslungsreicher Beruf mit vielen Aufstiegschancen“, wirbt Frank Ficht, Bezirksschornsteinfegermeister in Stadtallendorf, für seine Branche und ergänzt: „Es steckt viel mehr hinter dem Beruf als nur das Fegen der Schornsteine.“

Dennoch zählt genau das zu den wichtigsten Tätigkeiten. „Das Kaminreinigen macht aber nur etwa die Hälfte der Arbeit eines Schornsteinfegers aus“, betont Ficht, der selbst für rund 2600 Liegenschaften in Stadtallendorf, Rüdigheim, Schweinsberg, Niederklein und Speckswinkel zuständig ist.

Nachwuchs zu finden ist in diesem Beruf äußerst schwierig: „Man findet kaum einen guten Bewerber“, so Ficht und das obwohl die Anforderungen gering seien: Hauptschulabschluss, Schwindelfreiheit, Kontaktfreudigkeit und Kenntnisse in Mathe und Physik sollten Berufsanwärter mitbringen. „Wir machen mit allen Bewerbern einen Schulkenntnis-Test, damit wir sehen, was sie wissen“, berichtet der Schornsteinfegermeister. Alles weitere werde während der dreijährigen Ausbildungszeit in der Praxis und in der Berufsschule gelernt. „Ein Auszubildender geht immer mit einem Gesellen oder Meister mit, wird also noch nicht alleine los geschickt“, betont Ficht.

Aktuell haben die 27 Bezirksschornsteinfegermeister im Landkreis Marburg-Biedenkopf insgesamt sieben Auszubildende. „Ich würde auch kurzfristig noch jemanden einstellen“, erläutert Ficht, wenn sich denn jemand finden würde. Zwei unbesetzte Ausbildungsstellen für Schornsteinfeger sind bei der Agentur für Arbeit Marburg derzeit noch registriert.

Das es kaum Bewerber für diesen Beruf gibt, weiß auch Birgit Schmitt von der Arbeitsagentur: „Die Interessenten, die auf uns zukommen, lassen sich an einer Hand abzählen. Die Nachfrage vonseiten der Schulabgänger ist verschwindend gering“, schildert sie die Situation. Diejenigen aber, die sich für den Beruf interessieren würden, seien hochmotiviert, ihn auch zu erlernen. „Dabei sind die Zukunftsaussichten mehr als gut. Gesellen werden jede Menge gesucht“, ergänzt Schornsteinfegermeister Ficht.

Neben den Zukunftsaussichten sind auch die Aufstiegsmöglichkeiten in dem Beruf nicht schlecht, wie Ficht verdeutlicht. „Als Geselle ist man bei einem Meister angestellt, kann aber bereits direkt nach der Ausbildung auch die Meisterprüfung angehen“, berichtet er. 98 Prozent aller Schornsteinfeger seien Meister. Hat man den Meisterbrief erhalten, kann man sogar ein Studium anschließen, beispielsweise Umwelttechnik. „Alles basierend auf einem Hauptschulabschluss, wenn man kontinuierlich dranbleibt“, ergänzt Ficht.

Ab dem nächsten Jahr wird sich nach Angaben des Bezirksschornsteinfegermeisters zwar einiges ändern, weil dann die festgelegten Bezirke wegfallen und jeder Kunde sich seinen Schornsteinfeger prinzipiell aussuchen kann. „Ich denke aber, dass das nichts am Bedarf ändern wird und weiterhin viele Schornsteinfeger gebraucht werden“, so der Fronhäuser.

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Marburg stellt die Oberhessische Presse in loser Reihenfolge verschiedene Ausbildungsberufe vor, die bei jungen Leuten wenig bekannt sind, für die von heimischen Betrieben aber händeringend Bewerber für Lehrstellen gesucht werden. Weitere Informationen zu den noch freien Ausbildungsplätzen gibt es beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Marburg unter Telefon 06421/605-144 oder per E-Mail an:marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de

von Katharina Kaufmann

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