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Früh aufstehen und dennoch lächeln

Ausbildungsserie Früh aufstehen und dennoch lächeln

Bäcker und Bäckereifachverkäufer werden in der Region händeringend gesucht - und das obwohl der traditionelle Handwerksberuf eigentlich nur ein Manko hat: die Arbeitszeiten.

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Hülya Veysan lernt in der Bäckerei Bubenheim den Beruf der Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Bäckerei.

Quelle: Katharina Kaufmann

Halsdorf. Der Tag von HülyaVeysan beginnt früh. Der Tag von Frank Bubenheim beginnt früher. Und dennoch stehen beide stets mit einem Lächeln auf den Lippen an ihrem Arbeitsplatz.

Während der Bäckermeister in der Backstube in Halsdorf mit dem Herstellen von Teig und dem Formen von Brot beginnt, gehen andere Menschen schlafen. Und damit sie zum Frühstück frische Brötchen essen können, muss die Auszubildende zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Schwerpunkt Bäckerei bereits vor der Öffnung der Stadtallendorfer Bäckerei-Filiale die Regale eingeräumt haben. „Die unbequemen Arbeitszeiten sind schon einer der Gründe, warum wir kaum Auszubildende finden“, erklärt Bubenheim. Das sei bei den Bäckern noch schwieriger als bei den Fachverkäufern.

Dabei werden gerade im Lebensmittelhandwerk händeringend Lehrlinge gesucht. Aktuell sind für den Ausbildungsbeginn in diesem Sommer bei der Agentur für Arbeit Marburg noch 14 offene Ausbildungsstellen für Bäckereifachverkäufer und sieben freie Lehrstellen für Bäcker gemeldet. „Da geht auch kurzfristig noch was“, weiß Stephan Theissen vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur. Auch Frank Bubenheim würde für dieses Jahr kurzfristig noch eine Auszubildende zur Fachverkäuferin und einen Bäckerlehrling einstellen. „Ich suche schon lange, aber die Bewerberzahlen sind gering“, erklärt der Chef von insgesamt 30 Mitarbeitern. Und die Arbeitszeiten seien eigentlich das einzige Unbequeme an den beiden Berufen. „Als Bäcker arbeitet man noch richtig handwerklich, wenn auch teilweise mit maschineller Unterstützung. Und jeden Tag sieht man aufs Neue, was man selbst geschaffen hat“, wirbt er für den Beruf. Zudem arbeite man stets mit lebenden Materialien.

Und als Fachverkäuferin? „Da hat man jeden Tag Kontakt zu Menschen“, erklärt der Bäckermeister. Grundvoraussetzung zur Ausübung dieses Berufs sei Freundlichkeit und Spaß am Verkaufen.

Weitere Voraussetzungen gibt es nicht. „Man braucht keinen besonderen Schulabschluss oder besonders gute Noten, nur ein bisschen Fingerspitzengefühl“, erläutert Bubenheim. Die Hauptsache sei, dass man Spaß an seinem Beruf habe.

Die späteren Zukunftsaussichten sind hervorragend: „Wer als Bäcker arbeitslos ist, ist selbst schuld“, sagt Frank Bubenheim. Es würden überall händeringend ausgebildete Kräfte gesucht. Bei den Verkäufern sei das ähnlich. „Ich bilde aus, weil ich meine Lehrlinge anschließend übernehmen will. Ich brauche die Fachkräfte“, erklärt der Bäcker sein Ziel. Das würden seine Handwerkskollegen ähnlich sehen. „Ausbildungswillige junge Leute werden gerne genommen, selbst wenn die Bäckerei vielleicht gerade keine Stelle ausgeschrieben hat“, berichtet Stephan Theissen. Eben weil es mit Fachpersonal im Lebensmittelhandwerk derzeit eng bestellt ist und in Zukunft wohl noch enger werden wird.

Die unbequemen Arbeitszeiten haben aber auch etwas Gutes: Wenn Bubenheim und Veysan Feierabend machen, ist der Tag noch relativ jung. „Man hat als Bäckereifachverkäuferin und vor allem als Bäcker sehr viel Zeit, seine Hobbies auszuüben“, weiß Frank Bubenheim und lächelt wieder.

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Marburg stellt die OP Ausbildungsberufe vor, die bei jungen Leuten wenig bekannt sind, für die von Betrieben aber händeringend Bewerber um Lehrstellen gesucht werden.

von Katharina Kaufmann

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