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"Fristlose Kündigung ist ein Problem"

Arbeitsgericht "Fristlose Kündigung ist ein Problem"

Ihre fristlosen Kündigungen vom Reinigungsdienst „Uniserve“ wollten drei Reinigungskräfte nicht einfach hinnehmen und klagten daher gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber.

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Schlafen am Arbeitsplatz – Grund genug für eine fristlose Kündigung? Das musste Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht klären.

Quelle: Thorsten Richter

Gießen. Unentschuldigtes Fehlen, unangemessenes Verhalten und Störung des Betriebsfriedens: Diese Gründe benannten der Betriebsleiter und die Bereichsleiterin des Reinigungsdienstes „Uniserve“ für die fristlose Kündigung dreier Mitarbeiter.

Für diese Vorwürfe hätte es zunächst Abmahnungen geben müssen, befand Richter Hans Gottlob Rühle. Doch solche habe es nicht gegeben, sagte die Bereichsleiterin. „Eine fristlose Kündigung ist immer ein Problem“, erläuterte Rühle. In der Regel werde sie nur bei „massiven strafbaren Handlungen“ ausgesprochen. Deshalb legte er den Beteiligten nahe, eine gütliche Einigung zu erreichen.

Der junge Mann, dem der Vorwurf gemacht wurde, er habe sich während seiner Reinigungstätigkeit im Marburger Schlossbergcenter nicht angemessen verhalten, wies dies zurück. Die Bereichsleiterin gab an, der Aufsichtsleiter des Schlossbergcenters und eine Friseurin, die in diesem arbeitet, hätten sich über ihn beschwert. Die Friseurin habe gesehen, wie er mit seinem Putzautomaten beinahe in die Scheibe des Friseursalons gefahren sei. Der Aufsichtsleiter habe seine Bewegungen als torkelnd beschrieben. Später habe ihn die Bereichsleiterin schlafend in einer Eisdiele vorgefunden.

„Ich trinke überhaupt keinen Alkohol und kann schlafen, wann und wo ich will“, verteidigte sich der junge Mann.

Auch seine Kollegin wies den Vorwurf zurück, sie habe unentschuldigt gefehlt. Die beiden waren sich einig, dass ein gemeinsamer Kollege den Aufsichtsleiter gegen sie aufgehetzt habe. Für die beiden sahen die Beteiligten jedoch keine Möglichkeit zu einer Weiterbeschäftigung in einer anderen Arbeitsstelle. Die Anfahrt zu den nächsten Einsatzorten in Wetzlar und Dillenburg wäre für sie zu weit gewesen.

In einem Vergleich einigten sich Beklagten- und Klägerseite auf eine ordentliche Kündigung sowie einer Abfindung in Höhe von jeweils 200 Euro. Neben einer ordnungsgemäßen Abrechnung einschließlich geleisteter Überstunden stehe den Reinigungskräften ein „wohlwollendes, qualifiziertes Arbeitszeugnis“ zu, entschied der Richter.

Die dritte Klägerin, die in Dillenburg in einer Firma beschäftigt war und deren Kündigung mit Störung des Betriebsfriedens begründet wurde, wollte in der Firma weiter beschäftigt bleiben, anstatt zu einer anderen Arbeitsstelle nach Eschenburg zu wechseln. Der Richter hatte jedoch Zweifel, ob die Weiterführung des Beschäftigungsverhältnisses Sinn habe, denn sie beschwerte sich seiner Ansicht nach „sehr emotionsgeladen“ über Schikane durch Kollegen und über die Arbeitsbedingungen.

Die gegnerischen Seiten einigten sich darauf, dass Betriebsleiter und Bereichsleiterin nach einer neuen Stelle für sie in Dillenburg suchen werden.

von Simone Schwalm

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