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Fresenius will nach neuen Wegen suchen

Uniklinikum Fresenius will nach neuen Wegen suchen

Fresenius gibt nicht auf: Trotz des geplatzten Übernahmeangebots für den Konkurrenten Rhön will der Gesundheitskonzern weiter den europaweit größten privaten Krankenhausbetreiber schmieden.

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Die Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch Fresenius ist geplatzt, aber aufgeben will der Gesundheitskonzern deshalb nicht und sucht derzeit nach neuen Wegen.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Trotz gescheiterter Übernahme der Rhön-Klinikum AG will Fresenius nicht aufgeben. Die große Zustimmung der Aktionäre werde als Auftrag begriffen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, sagte ein Fresenius-Sprecher am Samstag in Bad Homburg. Das Management werde Gespräche führen, um kurzfristig eine Lösung zu präsentieren. Fresenius verfehlte nur relativ knapp sein Ziel, mindestens 90 Prozent plus eine Aktie der Rhön-Papiere zu erwerben. Insgesamt waren dem Unternehmen 84,3 Prozent des Grundkapitals von Rhön angedient worden (die OP berichtete). Fresenius wollte mit dem Zusammenschluss den europaweit größten privaten Krankenhausbetreiber mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro formen.

In Marburg herrscht nach wie vor große Unsicherheit, gehört doch das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) zu 95 Prozent der Rhön-Klinikum AG. Die heimische SPD sprach sogar von einer Hiobsbotschaft für das UKGM: „Gießen und Marburg brauchen endlich wieder eine stabile Krankenhausversorgung und nicht diese Dauerunruhe um das privatisierte Universitätsklinikum“, erklärten die SPD-Landtagsabgeordneten aus Marburg und Gießen, Thomas Spies und Gerhard Merz. Sie kündigten für diese Woche den Antrag auf eine Sondersitzung des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst an. „Wir wollen von dieser Landesregierung wissen, wie sie nun weiter verfahren wird“, begründeten sie diesen Schritt.

Auch die Gießener und Marburger Stadt- und Kreisverbände von Bündnis 90/Die Grünen forderten die Landesregierung in einer gemeinsam Erklärung auf, sich öffentlich für den Erhalt des UKGM und für den Erhalt der beiden medizinischen Fachbereiche mit allen medizinischen Studienplätzen in Marburg und Gießen auszusprechen und geeignete Maßnahmen in die Wege zu leiten, die diesem Ziel dienen. „Über die einzelnen Schritte, wie dieses Ziel erreicht werden kann, soll die Landesregierung die Öffentlichkeit und vor allem die betroffenen Städte und Landkreise umfänglich und zeitnah informieren“, betonten sie nachdrücklich. Die hohe Qualität der regionalen und überregionalen Patientenversorgung müsse ebenso sichergestellt werden wie die davon nicht zu trennende national und international hoch anerkannte medizinische Forschung und Lehre in den medizinischen Fachbereichen in Gießen und Marburg.

Bereits am Mittwoch will Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) Gespräche über die Zukunft des UKGM führen. „Das Land begleitet die Entwicklung aufmerksam“, teilte die Ministerin am Samstag mit. Die Sicherung von Forschung, Lehre und einer guten Patientenversorgung habe Priorität. Bereits heute soll es eine Gesellschafterversammlung geben.

Deutliche Kritik kam nach dem geplatzten Deal auch von den kommunalen Krankenhäusern. Die Entwicklung zeige drastisch die Gefahr für deutsche Krankenhäuser durch taktische und strategische Winkelzüge privater Anleger, sagte der Vorsitzende des Interessenverbands kommunaler Krankenhäuser (IVKK), Bernhard Ziegler, dem „Tagesspiegel“. „Wenn die Versorgung der Bevölkerung mit stationären Leistungen davon abhängt, welcher Investor sich in welcher Konstellation die größeren Vorteile verspricht, steht es schlecht um unser Gesundheitswesen“, mahnte er und forderte die Politik auf, klare Gesetze für die Verwendung von Gewinnen aus dem Betrieb von Krankenhäusern auf den Weg zu bringen, um diese gegen Spekulationsrisiken abzusichern.

von Katharina Kaufmann und unserer Agentur

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