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Hinterland Fresenius rüstet sich für Rhön-Kauf
Landkreis Hinterland Fresenius rüstet sich für Rhön-Kauf
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19:54 11.05.2012
Der Fresenius-Konzern will den Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum übernehmen. Dafür hat das Unternehmen mit einer Kapitalerhöhung Geld eingesammelt. Quelle: Archivfoto
Bad Homburg

Fresenius-Chef Ulf Schneider warb am Freitag bei der Hauptversammlung des Konzerns für den Übernahmeplan. „Der geplante Erwerb ist ein bedeutender Schritt für den weiteren Ausbau unseres Krankenhausgeschäfts“, betonte er. Auf Nachfrage eines Aktionärs bekräftigte er, dass Fresenius auch das zu Rhön gehörende Universitätsklinikum Gießen-Marburg übernehmen will.

Das wird in Marburg und Gießen mit äußerster Skepsis gesehen. So formuliert ein Antrag für den am Samstag stattfindenden Parteitag der SPD Hessen Nord: „Die nordhessische SPD kann nicht erkennen, wie der Wechsel der Eigentümer zu Helios Fresenius zu einer Verbesserung für die Uniklinika, für Patienten, Beschäftigte, Forschung und Lehre beitragen soll.“

Schneider sagte, es sei noch zu früh, über Details zu sprechen. Zunächst müsse man sehen, ob das Angebot erfolgreich sei. In diesem Fall werde Fresenius mit dem Land Hessen darüber reden, wie die Zukunft des Universitätsklinikums erfolgreich gestaltet werden kann.

Fresenius bietet den Rhön-Aktionären 22,50 Euro je Aktie an. Das Unternehmen will die 3,1 Milliarden teure Übernahme mit einem Kredit, einer Anleihe und Eigenkapitalinstrumenten stemmen. Etwa ein Drittel der Summe hat der Konzern nun durch eine Kapitalerhöhung eingenommen: Mit der Ausgabe von 13,8 Millionen neuen Stammaktien zum Preis von jeweils 73,50 Euro nahm Fresenius brutto 1,014 Milliarden Euro ein, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Die Anteilsscheine wurden in einer beschleunigten Platzierung an institutionelle Anleger verkauft, ein öffentliches Angebot gab es nicht.

Die Aktienzahl stieg damit um 8,5 Prozent auf 177,2 Millionen Stück. Der Aktienkurs brach vorübergehend ein, wie häufig bei Kapitalerhöhungen, schloss aber mit plus 0,24 Prozent.

Schneider bekräftigte die Absicht, die Rhön-Klinikum AG mit der Fresenius-Tochter Helios zusammenzuführen. „Es wird ein Klinikverbund mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro und erheblichen Größenvorteilen entstehen“, sagte der Fresenius-Chef. Drei Viertel der Bundesbürger könnten künftig binnen einer Stunde eine Klinik der Gruppe erreichen. „Zum Nutzen unserer Patienten werden wir die Stärken beider Unternehmen bündeln“, versprach Schneider.

Zum Fresenius-Konzern gehören neben der Krankenhaussparte Helios der Dialysespezialist Fresenius Medical Care, die Infusionssparte Fresenius Kabi und die Projektmanagement-Sparte Fresenius Vamed. Die Geschäftszahlen des Konzerns bezeichnete Fresenius-Chef Schneider als „hervorragend“. Der Umsatz  wuchs 2011 gegenüber dem Vorjahr währungsbereinigt um sechs Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit) stieg um 9 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Am Montag will der Dax-Konzern seinen Aktionären eine Dividende von 95 Cent je Aktie ausschütten.

von Stefan Dietrich

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