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Hinterland Einstieg in den Neuaufbau der Sackpfeife
Landkreis Hinterland Einstieg in den Neuaufbau der Sackpfeife
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00:18 17.09.2018
An Stelle der im Mai 2017 abgebrannten Berghütte soll auf der Sackpfeife ein gastronomischer Betrieb entstehen, wenn die Stadt ­Biedenkopf zuvor einen qualifizierten Pächter dafür findet. Quelle: Nadine Weigel
Biedenkopf

Ein Sieg der Demokratie, so beschrieben die Stadtverordneten am gestrigen Abend gleich zweimal das Zustandekommen eines „guten Kompromisses“. Trotz „aller Bauchschmerzen“, die Klaus Dieter Roßbach aus Sicht der SPD nochmals andeutete, und der gegensätzlichen Positionen, an die Christdemokrat Siegfried Engelbach erinnerte, schafften die drei Fraktionen der SPD, des Bürgerblocks (BB), der CDU und des Stadtverordneten Uwe Plack eine Wendung, „mit der heute Morgen noch keiner gerechnet hat“, wie Michael Miss es ausdrückte.

Die in den vergangenen Wochen „immer wieder aufgenommenen Gespräche“, zahllose E-Mails sowie Kurznachrichten mündeten am Nachmittag in einer Zusammenkunft, in der nach nur 30 Minuten zwei gemeinsame Anträge zur Thematik des Freizeitzentrums auf der Sackpfeife standen, die die Vorlagen des Magistrats obsolet machten.

Beide Anträge nahm die Stadtverordnetenversammlung bei jeweils fünf Gegenstimmen der Unabhängige Bürgerliche Liste mit Mehrheit an. Beide Anträge beenden die Talfahrt des Freizeitzentrums ohne die Zukunft auf den letzten Punkt genau festzulegen.

Kein Winterbetrieb mehr

Mit dem ersten Antrag erteilten die Stadtverordneten dem vorliegenden Ganzjahreskonzept auf der Sackpfeife eine Absage. Er beinhaltet:

  • Ein Winterbetrieb ab der Saison 2018/19 findet nicht statt.
  • Für den weiteren Betrieb haben private Investoren in jedem Fall Vorrang. Dies soll der Magistrat prüfen.
  • Der Magistrat soll ein Stufenkonzept für den langfristigen Sommerbetrieb vorlegen – unter Berücksichtigung der städtischen Finanzkraft.
  • Die Umsetzung soll mit einem Konzept erfolgen, für das Zuschüsse gewonnen werden können.
  • Der laufende Zuschuss der Stadt soll deutlich unterhalb des heutigen Niveaus liegen.

750 000 Euro für Gaststätte

Der zweite Antrag lag zur Errichtung einer Berggaststätte auf der Sackpfeife vor. Rund 1,4 Millionen Euro soll der Bau kosten, dessen Entwürfe viele Diskussionen auslöste. Nun soll der Magistrat eine Baugenehmigung einleiten für die Variante mit einem Pultdach. Voraussetzungen für den Bau sind:

  • Der kommunale Anteil wird auf 750 000 Euro ohne Versicherungsleistungen beschränkt.
  • Es soll eine schriftliche Zusage eines Pächters zum Betrieb vorliegen. Dieser wird in die Planungen einbezogen, soll Erfahrung mit Catering und Veranstaltungen haben sowie in der Kommunikation und der Führung eines Restaurants haben.

Bürgerliste dagegen

Dirk Balzer von der Bürgerliste kommunizierte die Gründe der Ablehnung hinsichtlich des Konzepts mit den unbekannten Investitionssummen und den ebenso ungewissen Folgekosten. Die Berggaststätte werde ein Zuschussgeschäft, weil sie wirtschaftlich nur tragbar sei, wenn alle sechs Stufen des Ganzjahreskonzepts umgesetzt würden. Jörn Schreiber fügte noch sein Unverständnis an, weshalb für einen Unternehmer mit Steuergeld eine Gastronomie gebaut werden soll.

Dem entgegnete Engelbach, dass dies bei der Schlossterrasse des Landkreises und der Gaststätte am Perfstausee auch schon der Fall sei und dass es sehr wohl Gastronomen gebe, die sich auch ohne touristisches Umfeld behaupten.

Nur ein Gestaltungsrahmen

Uwe Plack bemerkte zudem, dass die Möglichkeit da sei, „da oben etwas Neues zu schaffen“, man das Investment noch gar nicht genau festlegen müsse, sonder nur ein gewisser Gestaltungsrahmen vorzugeben sei.
Zuvor warb Bürgermeister Joachim Thiemig als Sprecher noch für die Vorlagen des Magistrats, also das Ganzjahreskonzept und den Bau der Gaststätte. Investitionen in die Anlagen aus den 1960er- und 70er-Jahren seien nicht mehr sinnvoll und ohne einen dauerhaften Betrieb nicht mehr zu gewährleisten.

Aber die möglichen Bausteine des Konzepts böten eine gute Entscheidungsgrundlage. Zudem gelte es, die Stadt Biedenkopf mit den weiteren sogenannten „weichen Standortfaktoren“ attraktiv für Unternehmen und Arbeitnehmer zu halten.

von Gianfranco Fain