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Hinterland Fortschritt in der Hämophilietherapie
Landkreis Hinterland Fortschritt in der Hämophilietherapie
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21:39 03.11.2010
Zwei Mitarbeiter von CSL Behring arbeiten im Testbetrieb in der Aufreinigung der neuen Anlage. Dort werden die in Zellkulturen hergestellten Präparate aufgereinigt und formuliert. Quelle: CSL Behring

Marburg. Es war Dr. Brian McNamee, der den ersten Stein aus der Mauer riss oder besser gesagt nahm, und so den Weg zur neuen Biotechnologie-Produktionsanlage von CSL Behring in Marburg freimachte. Rund 20 Millionen Euro hat das Marburger Unternehmen dafür investiert, sechs Kilometer Rohrleitungen und 75 Kilometer Elektrokabel wurden verlegt.

„Die Einweihung dieser neuen Anlage ist ein Meilenstein für die Entwicklung unserer rekombinanten Proteine“, erklärte Dr. Roland Martin, der Geschäftsführer von CSL Behring in Marburg. Die neue Anlage diene vor allem zur Aufreinigung und Formulierung der rekombinanten Protein-Therapeutika. „Das flexible Nutzungskonzept erlaubt aber auch, dass verschiedene biologische Produkte in der gleichen Produktionsanlage hergestellt werden können“, betonte Martin.

In Laborversuchen gelang es dem Unternehmen die Verweildauer von therapeutischen Gerinnungsfaktoren in der Blutzirkulation deutlich zu steigern (die OP berichtete). Die nun für die klinischen Studien benötigten Therapeutika werden ab Januar in der neuen Anlage hergestellt, aufgereinigt, formuliert und im Anschluss in einer im vergangenen Jahr eingeweihten Anlage abgefüllt und gefriergetrocknet. „Mit dem Durchbruch in der Verbesserung der Therapie von Gerinnungsfaktoren können wir die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern“, so der CSL-Geschäftsführer.

Bei der Planung der Infrastruktur und der Prozessnebenanlagen wurde laut Martin besonderer Wert auf Effizienz und Nachhaltigkeit gelegt. Dies sei durch einen hohen Automatisierungsgrad und den Einsatz energieeffizienter Techniken erreicht worden. Mit der Inbetriebnahme nach einer Bauzeit von 18 Monaten ist es dem Unternehmen in Marburg nun möglich, rekombinante Gerinnungsfaktoren aus eigener Entwicklung und Herstellung in klinischen Studien zu prüfen und für Patienten mit chronischen Gerinnungsstörungen als innovative Therapieoptionen zur Verfügung zu stellen. „Wir sind sehr stolz darauf, dass diese Anlage hier in Marburg steht. Das ist ein Ausdruck des Vertrauens von unserer Muttergesellschaft CSL Limited in die Expertise und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter von CSL Behring in Marburg und spricht gleichzeitig auch für die guten Rahmenbedingungen, die der Pharmastandort Hessen und Marburg bietet“, ergänzte Geschäftsführer Dr. Roland Martin.

Auch der Geschäftsführer der CSL Limited, Dr. Brian McNamee, der zur Einweihung der Anlage extra aus Melbourne nach Marburg angereist war, freute sich über diese Innovation: „Diese Anlage und auch das Präparat ist das beste Beispiel für die hervorragende Zusammenarbeit zwischen CSL in Marburg und Australien“, berichtete McNamee nicht ohne Stolz. Marburg sei schon immer führend im Bereich der Hämophilie gewesen und die Ingenieure hätten bei der Konstruktion der Anlage gute Arbeit geleistet. „Wir sind stolz auf die Produkte, die hier in Marburg hergestellt werden“, sagte der australische Chef zum Abschluss.

Als weiteren besonderen Gast begrüßte Dr. Roland Martin den australischen Botschafter in Deutschland, Peter Tesch. Dieser wünschte CSL Behring nicht nur viel Erfolg für die neue Anlage und das Unternehmen, sondern lobte insbesondere die Zusammenarbeit von deutschen und australischen Forschern. Diese habe schließlich eine lange Tradition.

Landrat Robert Fischbach und Oberbürgermeister Egon Vaupel würdigten jeweils die Investition CSL Behrings in den Standort Marburg. „Die Neuentwicklung in der Therapie von Gerinnungsstörungen zeigt, wie leistungsfähig Marburg in der Gesundheitswirtschaft ist“, erklärte Fischbach, während Vaupel versprach, auch weiterhin dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen in den Standort Marburg verbessert würden.

Bei einer Führung konnten sich die Gäste der Einweihungsfeier anschließend selbst ein Bild der neuen Biotechnologie-Produktionsanlage machen und deren Funktionsweise kennenlernen.

von Katharina Kaufmann

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