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Hinterland 2018: Kein gutes Jahr für Hinterländer Wald
Landkreis Hinterland 2018: Kein gutes Jahr für Hinterländer Wald
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00:16 02.10.2018
Ein Harvester bahnt sich seinen Weg durch den Momberger Wald. Im Hinterländer Wald haben Stürme und Trockenheit dazu geführt, dass jede Menge Schadholz entstanden ist. Quelle: Tobias Hirsch
Gladenbach

„Unter den gegebenen Bedingungen ist das ein sportliches Ergebnis“, fasste Dr. Lars Wagner, Leiter des Biedenkopfer Forstamtes das Ergebnis des Forstwirtschaftsplans 2019 zusammen. Bevor er auf den nicht allzu üppig geplanten Überschuss von 26.000 Euro einging, erläuterte er die extremen Bedingungen, denen der Wald der Stadt Gladenbach in diesem Jahr ausgesetzt war.

Zunächst haben Sturm Friedericke elf Jahre nach dem Orkan Kyrill sowie die Folgestürme im Verlauf des Jahres für erheblichen Windwurf gesorgt. Dabei sei die Masse nicht das Problem gewesen. Schlimmer sei, dass bei den 20.000 Festmetern Wurfholz keine großen Freiflächen entstanden seien, sondern dass die Bäume vereinzelt entwurzelt wurden. „Das macht die Aufforstung kostenintensiv“, sagt Wagner.

Auf die Stürme folgten Trockenheit und Dürre. Das Hinterland sei davon besonders betroffen, weil die Wasserversorgung der Waldstandorte schlechter­ sei als andernorts. Als Grund gab Wagner an, dass der Boden aus Tonschiefer und Grauwacke (graue bis grüngraue Sandsteine mit einem hohen Anteil an Feldspat und Matrix) bestehe, also: wenig Erde, viele Steine. Dieser Boden sei darauf angewiesen, dass es regnet, weil er das Wasser nicht speichern kann, erläuterte Wagner.

Vor allem Nadelholz leidet unter Hitzeperiode

Die Trockenheit hinterließ vor allem an den Laubbäumen sichtbare Spuren: Das Laub hat sich früher verfärbt und wurde abgeworfen. „Eine reine Schutzfunktion, ist der nächste Sommer wieder normal, ist das kein Problem“, sagte Wagner.
Mehr Probleme bereitete die langanhaltende Hitzeperiode dem Nadelholz. In der Folge entstanden gravierende Schäden durch den Borkenkäfer. Der Schädling hat gute Bedingungen vorgefunden, um sich zu vermehren.

„Es ist noch nicht absehbar, welche Auswirkungen das hat“, sagt Wagner. Es sei zu trocken gewesen, um die Borkenkäferpopulation zu stoppen: Die Fichten seien so geschwächt gewesen, ihnen fehlte die Harzfunktion und auch das Bohrmehl der Käfer sei zu schnell verflogen, somit sei der Befall viel zu spät sichtbar.

Das Schadholz sei zwar noch vermarktungsfähig, aber nur mit Wertverlust, da dieses Stammholz auf den Markt ­geschwemmt werde. Steigende Preise seien hingegen bei der Eiche zu erwarten, weil die Nachfrage groß sei, erklärte Wagner.
Insgesamt fasste er das Waldjahr wie folgt zusammen: 2018 war kein gutes Jahr für den Wald im Hinterland.“ Im kommenden Jahr sehen sich die Hinterlandkommunen zudem mit einem weiteren Problem konfrontiert. 

Sieben Gemeinden vermarkten Holz nun selbst

Ab dem 1. Oktober 2019 darf Hessen Forst aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr das Holz für Waldbesitzer vermarkten, die über eine Fläche verfügen, die größer als 100 Hektar ist. Somit kann das Forstamt Biedenkopf nicht mehr – wie in der Vergangenheit – das Holz einschlagen und es dann verkaufen.

Die neue Regelung betrifft die Städte Gladenbach und Biedenkopf sowie die Gemeinden Dautphetal, Bad Endbach, Steffenberg, Angelburg und Breidenbach. Die Gemeinde Lohra, die ebenfalls vom Forstamt Biedenkopf betreut wird, fällt nicht unter diese neue Regelung, da die gemeindliche Waldfläche kleiner ist als 100 Hektar.

Die sieben Kommunen, die ihr Holz demnächst selbst vermarkten müssen, haben sich laut Wagner zusammengeschlossen und wollen die vor ihnen liegende Aufgabe der Holzvermarktung interkommunal lösen.
Dass der Gladenbacher Wald vermutlich im kommenden Jahr nur 26 000 Euro abwirft, versuchte Wagner zu relativieren, indem er die Ausschussmitglieder und die zur Vorstellung des Forstwirtschaftsplan eingeladenen Stadtverordneten daran erinnerte, „nicht nur durch die Dollarbrille zu schauen“. Der Wald trage sich von selbst, schaffe Arbeitsplätze und werde gepflegt. „Der Wert des Waldes ist an anderer Stelle viel höher“, schloss Wagner seinen Vortrag.

von Silke Pfeifer-Sternke