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Hinterland Forst- und Jägervertreter kritisieren Pläne
Landkreis Hinterland Forst- und Jägervertreter kritisieren Pläne
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17:01 04.04.2017
Auf einer Landkarte wurden mögliche Standorte für Windkraftanlagen in der Gemeinde Lohra markiert. Quelle: Anita Ruprecht
Lohra

Ein Konsortium aus drei Organisationen hat Interesse an Bau und Betrieb von Windkraftanlagen in der Gemeinde angemeldet. Norbert Daum, Vorsitzender der Forstbetriebsvereinigung (FBV), und Manfred Kranz, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Lohra, hatten deswegen zu einem Informationsgespräch eingeladen. Die Erste Beigeordnete Rosemarie Wolny (SPD) vertrat die Gemeinde.

Nachdem sich im Jahr 2012 die Stadtwerke Marburg als ­potenzieller Windkraftanlagenbetreiber wegen zu hoher Investitionskosten für Zuwegung und Bau zurückgezogen hatten, meldet jetzt „Bürgerwind“, „Axma“ und „Enercon“ gemeinsame Interessen an Bau und ­Betrieb von Windkraftanlagen an, sagte Wolny.

Hintergrund

Bürgerwind Gladenbach GmbH: Ziel des Unternehmens mit Sitz in Gladenbach-Friebertshausen ist nach eigenen Angaben die Projektierung von erneuerbaren Energien insbesondere Windkraftanlagen im heimischen Raum, damit nahezu 100 Prozent der entstehenden Wertschöpfung dauerhaft in der Region bleibt.

Axma verhandelt bei der Projektierung von Windparks mit Privateigentümern über Verpachtungs- beziehungsweise Verkaufsverträge.

Enercon ist nach eigenen Angaben größter deutscher Hersteller von Windkraftanlagen.

Daum argumentierte gegen Windkraftanlagen im Wald und verwies auf die hohe Lärmbelastung. Er kritisierte den Kahlschlag für Schneisen, um die Anlagen zu installieren. Auch seien erhöhte Waldbrandgefahr durch die Anlagen und Gefahr durch Eiswurf im Winter unkalkulierbare Gefahren.

Weiter ging Daum auf die Problematik ein, dass der Privatwald in viele kleine Parzellen unterteilt sei: Eine Fläche von etwa 650 Hektar gehört verschiedenen 400 Besitzern. Zudem befürchtet er eine Zerstörung der Solidargemeinschaft Wald mit FBV und Jagdgenossenschaft. Eigentümer der Parzellen, auf denen die Windkraftanlagen gebaut werden, würden jährlich hohe Pachten bekommen.

Dagegen gingen Besitzer der Nachbarparzellen leer aus, müssten aber die Nachteile mittragen. Kranz verwies auf die Jagdpächter aus dem Sauerland, die dem Revier in Lohra schon seit 90 Jahren die Treue halten. Das zusammenhängende Waldgebiet Lohra, Rollshausen, Seelbach, Rodenhausen sei ein „Sahnestück“ und hochattraktiv als Jagdrevier. Genau in diesem Revier sind die bis zu neun Anlagen geplant.

Seit rund sechs Jahren gibt es den Teilregionalplan Hessen mit einheitlichen Standards für den Bau von Windkraftanlagen. Werner Waßmuth (CDU) von der Gemeindevertretung war an der Ausarbeitung des Plans beteiligt und erläuterte, dass einheitliche Standards für Naturschutz, Flora und Fauna geschaffen wurden und ein Mindestabstand von 1000 Metern bis zur Wohnbebauung festgelegt wurde.

Ab Oktober sollen Windmessanlagen aufgestellt werden. Die Gemeinde wird demnächst selbst zu einer Informationsveranstaltung einladen. Wolny versicherte, dass die Gemeinde das Genehmigungsverfahren kritisch begleiten wird.

von Anita Ruprecht

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