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Hinterland Flüchtlingshilfe Gladenbach warnt vor Ärztemangel
Landkreis Hinterland Flüchtlingshilfe Gladenbach warnt vor Ärztemangel
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00:15 05.06.2018
Bei einer Demonstration von Telemedizin im Rettungsdienst ist auf dem Bildschirm eines Laptops das Livebild aus dem Rettungswagen zu sehen. Quelle: Arne Dedert
Gladenbach

Was stört die Flüchtlingshilfe Gladenbach an der Versorgungssituation mit Haus- oder Landärzten? Die Antwort auf diese Frage gab Vorsitzender Siegfried Seyler gleich zu Anfang der Versammlung am Montagabend in der katholischen Unterkirche, zu der Vertreter anderer Hilfsorganisation, der Stadt und des Kreises sowie Angelika Löber als Landtagsabgeordnete kamen.

Es ist ein von vielen Ärzten in der Region verhängter Aufnahmestopp für neue Patienten in Gladenbach-Weidenhausen, Bad Endbach und Lohra, der den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Flüchtlingshilfe Sorgen bereitet. Eine Situation, die sich angesichts der aus Altersgründen drohenden weiteren Praxisschließungen im ganzen Hinterland noch verschlimmern könnte und die schon jetzt nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Rentner und Arbeitslose trifft, präzisierte Carmen Pflug.

Keine Reaktion aus der Kreisverwaltung

Die Flüchtlingshilfe habe sich schon hilfesuchend an die Landkreisverwaltung gewandt, doch aus Marburg sei keinerlei Reaktion gekommen, sodass man erklärt habe, keine weiteren Flüchtlinge aufzunehmen, bis sich die Situation verbessert. Nun wolle man sich an das Land wenden, weshalb die SPD-Abgeordnete Löber eingeladen wurde.

Der aus Sicht der Teilnehmer aus vielerlei Gründen Schuldige an dieser Situation war auch relativ schnell ausgemacht und gipfelte in der Forderung, die Macht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu brechen oder diese Institution aufzulösen. Denn die KV Hessen sei für die Ausdünnung von Arztpraxen auf dem Lande zugunsten der Zentralisierung von Ärzten im Raum Marburg verantwortlich und behaupte, dass die gesamte Region mit Ärzten überversorgt sei.

Zwischenlösung: Bessere Vergütung und Telemedizin

Aber es wurden auch andere Ursachen benannt. So gebe es zum Beispiel zu wenige Studienplätze für Mediziner. Angelika Löber meinte, dass dies von der Landesregierung relativ schnell geändert werden könne. Dem widersprach Professor Wolfgang Kummer. Selbst wenn dies sofort geschehe, dauere es zehn Jahre, bis die Studierenden ihre Ausbildung beendet hätten.

Als Zwischenlösung nannten die Teilnehmer daraufhin eine bessere Vergütung von Landärzten gegenüber Klinik-Ärzten, den verstärkten Einsatz von Telemedizin, den die KV Hessen auch propagiert, und den Einsatz von sogenannten Gemeindeschwestern, die dem Hausarzt viele Routinetätigkeiten abnehmen können. Außerdem wurde die Erhebung von validen Daten gefordert, um den wirklichen Bedarf an Ärzten festzustellen.

von Gianfranco Fain