Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Flexibilität hilft Älteren bei der Jobsuche
Landkreis Hinterland Flexibilität hilft Älteren bei der Jobsuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:14 05.11.2010
Günther Naumann (links) hat nach einem Jahr Suche wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Seit September arbeitet er für Hans-Georg Henseling in Dreihausen. Quelle: Katharina Kaufmann

Dreihausen. Und plötzlich war er arbeitslos: Weil das IT-Unternehmen, für das er 15 Jahre lang gearbeitet hatte, pleite ging, sah sich Günther Naumann aus dem Wetteraner Stadtteil Mellnau vor mehr als einem Jahr auf einmal mit der Arbeitslosigkeit konfrontiert.

„Ich wusste zwar, was nun vor mir lag, aber dennoch war ich erst einmal fassungslos“, schildert er seine Gefühle. Ein Jahr und mehr als 20 Bewerbungen später steht er vor einer Waschmaschine und setzt den Akkuschrauber an. Unter den Blicken seines neuen Chefs Hans-Georg Henseling repariert der 52-Jährige als Elektroniker für die Firma TKM aus Dreihausen Haushaltsgeräte.

Naumann ist damit einer der wenigen Arbeitslosen, die älter als 50 Jahre alt sind und wieder einen Job gefunden haben. Etwa ein Drittel aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Marburg sind zwischen 50 und 65 Jahre alt – und sie gehören der einzigen Altersgruppe an, die vom derzeitigen Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht profitieren.

Der gelernte Raumausstatter hatte 1993 eine Umschulung zum Kommunikationselektroniker Fachbereich Informations- und Datentechnik gemacht und in diesem Beruf 15 Jahre Berufserfahrung gesammelt. In der IT-Branche wollte ihn dennoch keiner haben. Aber er war bereit Kompromisse einzugehen. „Ich wusste, wo meine Stärken liegen und war bereit etwas Neues zu machen, bis auf Zeitarbeit war mir so ziemlich alles recht“, berichtet er, und so bewarb er sich bei TKM in Dreihausen.

Dort suchte Hans-Georg Henseling „jemanden, auf den ich mich verlassen kann, der pünktlich ist und einige Erfahrungen vorweisen kann – also am besten einen älteren Arbeitnehmer“, wie er erläutert. Das A und O für ihn als Chef sei die Motivation eines Bewerbers. „Da kann jemand noch so jung und gut qualifiziert sein, wenn er keine Lust hat, zu arbeiten, bringt er mir nichts“, fügt der Unternehmer hinzu. Er verkauft Radio-, Fernseh- und jegliche Art von Haushaltsgeräten und bietet zudem Service und Reparatur derselbigen an.

„Man muss offen sein, auch andere Arbeiten zu machen als in der bisherigen Karriere“, betont der 52-jährige Naumann. Schließlich hätten Menschen über 50 etwas zu bieten, was jungen Leute noch fehle: Lebenserfahrung.

von Katharina Kaufmann

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.