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Fleischer kritisieren neue Verordnung

Innungs-Treffen Fleischer kritisieren neue Verordnung

Für Diskussionsstoff sorgte während der Herbstmitgliederversammlung der Fleischer-Innung Marburg der Beschluss des EU-Parlaments zum Thema Fleischbeschau.

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Kann man Fleisch auf Krankheiten testen, ohne Tierkörper und Organe anzuschneiden? Obermeister Hermann Rhiel aus Roßdorf ist skeptisch gegenüber der neuen Verordnung der Europäischen Union. Neben ihm der stellvertretende Obermeister Hans Stolle und Geschäftsführer Lothar Kaiser. Fotos: Karin Waldhüter/Archiv

Kirchhain. „Völlig überraschend und gegen den Widerstand einzelner Interessengruppen hat das EU-Parlament beschlossen, dass die Fleischuntersuchung beim Schwein ab dem 1. Juni 2014 nur noch visuell durchgeführt werden soll“, erläuterte Diethelm Schmidt, amtlicher Tierarzt vom Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises. Schmidt informierte am Donnerstagabend die Mitglieder der Fleischer-Innung zu wichtigen Themen.

Für die Praxis bedeutet die Änderung, dass das die Tierkörper und Organe nicht mehr angeschnitten und durchtastet werden müssen, sondern nur noch durch Augenscheinnahme untersucht werden. „Befürworter sehen in dieser Methode den Vorteil, dass ein Verschleppen von Keimen zwischen den einzelnen Schlachttierkörpern durch Messer oder Handschuhe vermieden wird“, so Schmidt. Die Gegner hingegen würden argumentieren, dass durch das fehlende Anschneiden und Durchtasten diverse Krankheiten nicht mehr erkannt würden. „Wie diese neue Verfahrensweise sich in die Praxis umsetzen lässt und inwieweit die Akzeptanz bei den Verbrauchern erreicht werden kann, das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beurteilen“, sagte der Tierarzt.

Die Verordnung ruft den Widerspruch von Obermeister Hermann Rhiel aus Roßdorf hervor. „Erst wenn man das Schwein mit dem Messer anschneidet, werden Krankheitskeime entdeckt“, betonte Rhiel. Er forderte eine „anständige Fleischbeschau wie es sich für einen handwerklichen Betrieb gehört“. „Wir wollen dafür sorgen, dass Schweine bei uns anständig untersucht werden, dafür bürgt das Fleischerhandwerk“, so Rhiel. Er sieht in der visuellen Untersuchung auch eine Kostenersparnis.

Es werde wahrscheinlich eine zweigeteilte Entwicklung geben, vermutet Schmidt, der anschließend über die voraussichtliche Entwicklung der Fleischbeschaugebühren, Hackfleischausnahmegenehmigung und Allergenkennzeichnung informierte.

Anschließend beleuchtete Schmidt die neue Schlachtverordnung, die seit dem 1. Januar 2013 in Kraft ist. Darin wird ein Sachkundenachweis mit Sachkundebescheinigung zum einen für das Schlachten und zum anderen für das Betreuen, Ruhigstellen und Betäuben mit Tieren gefordert. Bisher genügte eine entsprechende Berufsausbildung, um die Sachkunde nachzuweisen. „Bis Anfang 2015 behält der alte Sachkundenachweis seine Gültigkeit, bis dann muss, wie es in dem Gesetzestext heißt ein neues Formular ausgestellt worden sein“, erläutert der Veterinär.

Klärungsbedarf bestehe noch in der Umsetzung. Ab 2014 sei geplant, dass jeder Geselle bei den Gesellenprüfungen durch eine gesonderte Prüfung eine solche Sachkundebescheinigung erlangen kann, ergänzte Obermeister Hermann Rhiel.

Rhiel nahm auch zur Situation an der Berufsschule Stellung. Aufgrund von zu wenigen Lehrlingen stehe die Überlegung an, sich zusammenzusetzen und über einen neuen mittelhessischen Standort nachzudenken, bevor der Staat vollendete Tatsachen schaffe.

Das Jahr 2013 habe für viele Betriebe - bedingt durch den lang anhaltenden Winter und das schlechte Wetter in den Haupt-Grillmonaten Mai und Juni - im ersten Halbjahr entsprechende Betriebsergebnisse hinterlassen. „In der zweiten Hälfte konnten wir aufgrund neuer Rekordeinkaufspreise von Schweinefleisch einen steigenden Umsatz verzeichnen, der das Gesamtergebnis jedoch nicht schönen konnte“, bilanzierte Rhiel.

von Karin Waldhüter

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