Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Finanzielle Streikfolgen bleiben unklar

Tarifkonflikt Finanzielle Streikfolgen bleiben unklar

Die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber haben eine Schlichtung des Tarifkonflikts vereinbart, der Streik geht trotzdem bis einschließlich Sonntag weiter. Wie sich das finanziell auswirke, sei unklar, sagen die Stadtwerke.

Voriger Artikel
Alle mal den Sitznachbarn anfassen!
Nächster Artikel
Mario Pick wechselt zu Hamburger Hotelgruppe

Der Busfahrerstreik in Marburg geht weiter. Die Busse bleiben im bis Montag Depot.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wie sich der Streik für die Stadtwerke Marburg finanziell auswirkt, ist laut Unternehmenssprecherin Sarah Möller noch nicht absehbar. Einige OP-Leser vermuten in den sozialen Netzwerken, dass der städtische Betrieb sogar von dem Arbeitskampf profitieren könnte, da die Gehälter der Busfahrer während der Streiktage eingespart werden.

Kurt Knierim äußert in einer E-Mail an die Stadtwerke, die auch die OP erhalten hat, Ähnliches: „Ich kann es gut nachvollziehen, dass Sie an einer schnellen Lösung des Tarifkonflikts wenig Interesse zeigen: Das Gehalt der Busfahrer zahlt die Streikkasse, die bereits gezahlten Dauerkarteneinnahmen behalten Sie mit dem Verweis auf höhere Gewalt einfach ein und last but not least: Sie persönlich wissen eh kaum, wie ein Stadtbus von innen aussieht, schließlich fährt man Dienstwagen!“, zeigt Knierim sich verärgert.

Die Schuld für die vielen Unannehmlichkeiten, die ihm und anderen durch den Streik entstehen, sieht er eindeutig nicht bei den Busfahrern selbst. „Mir ist nicht bekannt, welche höhere Gewalt die öffentlichen Busunternehmen dazu gezwungen hat, Pseudo-Privatunternehmen 
mit deutlich schlechteren Arbeits- und Gehaltsbedingungen zu gründen. Die ständigen Stellenangebote zeugen von der geringen Attraktivität dieses Jobs“, führt er aus.

Verdienen die Stadtwerke also an dem Streik? „Grundsätzlich sinkt die Menge des eingenommenen Geldes selbstverständlich bei Mindereinnahmen durch einen Streik“, erklärt Möller. Die Höhe des Betrags durch den wegfallenden Fahrkartenverkauf lasse sich aber nur „schwierig, keinesfalls genau“, beziffern.

„Zum einen nutzen viele Kundinnen und Kunden Zeitkarten wie zum Beispiel Semestertickets, Monats- oder Jahreskarten. Zum anderen erfolgt der Vertrieb in einem Verkehrsverbund in der Art und Weise, dass der Fahrgast quasi überall, bei jedem Verkehrsunternehmen oder auch in jeder Mobilitätszentrale seine Fahrkarte kaufen kann, unabhängig davon, welches Verkehrsmittel er nutzt.“ Durch den RMV entgingen hingegen keine Einnahmen. „Für einzelne Strecken gibt es keine Gelder vom RMV“.

Öffentlicher Nahverkehr 
ist „ohnehin defizitär“

Ob auf der anderen Seite Kosten eingespart würden, „weiß man erst, wenn klar ist, wer die Kosten des Streiks trägt, also nach Tarifabschluss“, so Möller. Der Begriff Einsparungen sei aber ohnehin nicht richtig: „Der Betrieb des Nahverkehrs ist eine Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge und ohnehin defizitär. Im Zuge von Streiks kann aus diesem Grund nicht von Einsparungen gesprochen werden.“

Während die Zahl der verärgerten Fahrgäste täglich steigt, gibt es aber auch weiterhin Zuspruch für die Busfahrer. Dieser kommt unter anderem von der Marburger Fraktion der Linken im Stadtparlament. Der Streik bringe „sicherlich in der Stadt eine Reihe von Unannehmlichkeiten mit sich“. Davon dürfe „man sich aber nicht den Blick verstellen lassen, welche enormen Probleme der Busfahrer/innen durch diesen Streik ans Tageslicht kommen“, erklärte Stadtverordnete Renate Bastian.

Deshalb spreche die Marburger Linke, „die auch gerne Bus fährt, sich für Verständnis gegenüber den Streikenden und für ihre Unterstützung“ aus. Zudem solle die Stadt „sich einmal überlegen, den Busverkehr wieder dorthin zu holen, wohin er gehört: in die öffentliche Hand“.

Anders sieht das hingegen der Verband der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Er forderte bereits nach der Vereinbarung der Gespräche am Donnerstag, die Streiks während der Verhandlungen zu beenden. „Die Arbeitgeber haben ein Angebot in großer Nähe zur Forderung vorgelegt. Damit liegt ein verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch, über das nun verhandelt werden muss“, sagte 
VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Trotz Schlichtung fahren Busse erst am Montag

Eine Schlichtung zwischen Busfahrern und Arbeitgebern soll am Montag beginnen. Die Fahrgäste müssen sich bis dahin aber weiterhin auf Stillstand einstellen.

mehr
Busstreik geht weiter und vielen auf die Nerven

Die Solidarität mit den Busfahrern schwindet: Viele Schüler verpassen seit anderthalb Wochen den Unterricht. Ein gehbehinderter Marburger fürchtet gar um den Job, denn ohne Bus kommt er nur schwer zur Arbeit.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr