Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Fest des Handwerks hat keine Zukunft mehr

Vorstandsentscheidung Fest des Handwerks hat keine Zukunft mehr

Das Fest des Handwerks der Kreishandwerkerschaft Marburg war eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Stadt. In diesem Jahr wird es nicht mehr stattfinden.

Voriger Artikel
Angebote reichen vom Boden bis unters Dach
Nächster Artikel
Frauen lassen in Gladenbach Könige springen

Kreishandwerksmeister Helmut Henkel verkündete während der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend, dass die Kreishandwerkerschaft das Fest des Handwerks nicht mehr ausrichten wird.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. In seinem wohl letzten Jahr als Kreishandwerksmeister fiel es Helmut Henkel sichtlich schwer, diese Entscheidung des Vorstandes in der Mitgliederversammlung zu verkünden. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, haben öfters zusammengesessen als in den Jahren zuvor und sind dennoch zu dem Entschluss gekommen, das Fest des Handwerks aufzugeben“, sagte er. Als Grund dafür nannte er unter anderem die immer weniger werdende Resonanz von Seiten des Handwerks. „Im vergangenen Jahr waren von den etwa 250 Besuchern nur 65 Handwerker, und das obwohl wir das Fest eigentlich genau für diese veranstalten“, erläuterte Henkel. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Besucherzahlen in den nächsten Jahren weiter abnehmen, da die Bundeswehr an den Meisterlehrgängen des Berufsbildungszentrums Marburg nicht mehr teilnehme und so die Hälfte der zu ehrenden Meister wegfalle. „Wir wollen die Meisterbriefübergabe stattdessen in einem anderen Rahmen stattfinden lassen – deutlich kleiner und kostengünstiger“, betonte Henkel.

Nicht alle anwesenden Mitglieder waren von dieser Idee angetan, mehrere machten Vorschläge, wie das Fest des Handwerks erhalten bleiben könne. Der Vorstand blieb jedoch bei seiner Entscheidung: „Bei aller Liebe zum Fest, es hat keine Zukunft mehr“, betonte der Kreishandwerksmeister.

Der Diskussion um das Fest des Handwerks war bereits eine andere Diskussion vorausgegangen: Die Mitglieder sollten einen Beschluss für einen Sonderbeitrag fassen, mit dem das Haushaltsdefizit des Haushaltsplans 2012 gedeckt werden soll – ein Betrag in Höhe von rund 3600 Euro, den die Innungen in den Vorjahren zur Deckung der Kosten des Festes des Handwerks gezahlt hatten. „Wir sollen also für ein Fest zahlen, dass es nicht mehr gibt“, stellte Zimmerer-Obermeister Hartmut Pfeiffer fest und forderte, den Fehlbetrag aus der Rücklage zu decken. Das wiederum wollte der Vorstand nicht: Man könne einen Haushaltsplan nicht auf die Rücklagen gründen. Die seien dazu da, ungeplante Ausgaben zu decken. Der Sonderbeitrag wurde schließlich mit sieben Ja- und vier Nein-Stimmen beschlossen.

Ohne Diskussion wurden die Zahlen für das Handwerk im Landkreis Marburg-Biedenkopf zur Kenntnis genommen: Im Jahr 2011 gab es 1,8 Prozent mehr Betriebe als 2010, insgesamt waren es 2325. Auch die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk stiegen leicht an (+ 3,4 Prozent) auf 459. „Insgesamt bestanden im vergangenen Jahr 955 Ausbildungsverhältnisse im Handwerk“, berichtete der Geschäftsführer der Kreishandwerker­schaft, Lothar Kaiser. Dennoch habe diese Zahl im Zehn-Jahres-Vergleich kontinuierlich abgenommen – im Jahr 2000 gab es noch rund 1300 Ausbildungsverhältnisse.

Ähnlich sieht es auch mit den Lehrgangsteilnehmern im Berufsbildungszentrum (BBZ) aus. Wie dessen Geschäftsführerin Birgit Sturmat-Rosenbaum erklärte, seien die aktuellen Zahlen zwar stabil: „Im Vergleich mit dem Jahr 2009 haben sie sich aber halbiert.“

Und so appellierte Kreishandwerksmeister Henkel in seinem Jahresbericht an die Obermeister und ihre Stellvertreter, die Betriebe und Mitarbeiter fit zu machen für die Zukunft. „Ich möchte nicht schwarz malen, uns geht es wirklich gut momentan, aber wir wissen nicht, was morgen kommt“, sagte er.

von Katharina Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr