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Felkl jubelt, Tesch zieht enttäuscht ab

Wahl in Breidenbach Felkl jubelt, Tesch zieht enttäuscht ab

Die Tradition der SPD-Bürgermeister hat sich durchgesetzt: Der Sozialdemokrat Christoph Felkl entschied die Wahl für sich.

Breidenbach. Als Ordnungsamtsleiter Michael Völker um 18.45 Uhr eine CD in das Laufwerk des Laptops einlegt, steht das Wahlergebnis längst fest. Die Handys hatten das Mobilfunknetz im Bürgerhaus lahmgelegt und Völker musste sich das Wahlergebnis im Rathaus abholen. Außer Atem vom Spurt ins Rathaus und zurück, spannt er die Wartenden nicht länger auf die Folter und gibt Felkls eindeutigen Sieg bekannt. Die Menge applaudiert, während sich Silke Tesch anschickt, das Gebäude möglichst schnell zu verlassen.

Die Menge applaudiert, während sich Silke Tesch anschickt, das Gebäude möglichst schnell zu verlassen, feiert Christoph Felkl (SPD) seinen Sieg.

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Felkl genießt seinen Sieg. Auch wenn er mit der Eindeutigkeit nicht gerechnet hat. Er stellt sich vors Plenum - plötzlich herrscht Stille. „Ihr könnt ruhig noch mal“, fordert er die Zuschauer auf und genießt den erneut aufkommenden Applaus. Er wirkt sichtlich entspannt. Der Abend vorher war anstrengend gewesen. Er und seine Wahlhelfer hatten mehr als 5000 Frühstücksbrötchen, Marmelade, Honig und Nutella an die Haushalte verteilt. Ansonsten hat es „keinen Wahlkampf gegeben“, sagt BL-Chef Peter Künkel. Er kündigt dem designierten Bürgermeister schon mal konstruktive Kritik und Vorschläge politisch Andersdenkender an.

Während bei SPD-Fraktionsvorsitzendem Carsten Beckmann und beim noch amtierenden Bürgermeister Werner Reitz die Freude über die Tatsache überwiegt, dass die Tradition der SPD-Bürgermeister in Breidenbach fortgeführt wird - seit 1945 wurde Breidenbach nur von ­Sozialdemokraten regiert - ist die Enttäuschung bei der parteilosen Silke Tesch übergroß. Sie will eigentlich nur heim. Doch kurz vor dem Ausgang stellt sie ein Kameramann - sie bleibt ganz Profi und stellt sich seinen Fragen. Sie sei zwar enttäuscht, doch bei einer Wahl könne man eben gewinnen oder verlieren. Sie hat verloren. Auch deshalb, weil die SPD ihr seit vier Jahren Steine in den Weg lege. Die EX-Landtagsabgeordnete Tesch hatte 2008 mit drei anderen Andrea Ypsilanti die Gefolgschaft verweigert.

Für Elvira Thomas, CDU-Fraktionsvorsitzende, wäre Tesch die Erfahrenere gewesen. Aber ihre Fraktion sei unvoreingenommen und der Neue trete ein schweres Erbe an. Als größtes Problem stellt sie die Konsolidierung des Haushalts heraus. Daran werde sich Felkl messen lassen müssen. Ebenso wie an den Versprechen, die Jugendbetreuung aufrecht zu erhalten und die Infrastruktur auszubauen.

Für seine Vorhaben wird sich Felkl im Parlament Mehrheiten suchen müssen. „Daran wird sich nichts ändern“, sagt Reitz, dessen Amtszeit am 31. März 2013 endet. Felkl wird zum 1. April sein Amt antreten und seinen Job als Jurist erst einmal an den Nagel hängen. „Meine Zulassung wird ruhen. Das hat keine Priorität. Heute werde ich den Abend genießen“, sagt er.

von Silke Pfeifer-Sternke

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