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Familie Schertler hat "Raumausstatter-Gene"

Drei Generationen im Laden Familie Schertler hat "Raumausstatter-Gene"

Drei Raumausstatter-Generationen unter einem Dach gibt es in Niederklein: Dort übernahm Marco Schertler jüngst das Geschäft seiner Großeltern – und auch seine Eltern arbeiten in der Firma.

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Drei Generationen Schertler in einem Geschäft: Die Firmengründer Walter (von links) und Lydia, der jetzige Inhaber Marco und dessen Eltern Silke und Ralf.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederklein. Gut 50 Jahre ist es nun her, dass das Ehepaar ­Lydia und Walter Schertler sein Raumausstattungs-Geschäft eröffnete: „Das war im Juli 1965, damals noch in unserem Wohnhaus“, erinnert sich die 78-Jährige. Der gelernte Schreiner Walter Schertler hatte damals zuvor bei der Eisengießerei Winter in der Putzerei gearbeitet, „ich bekam den Anfang einer Staublunge“, sagt er. Also wollte er sich eigentlich als Schreiner selbstständig machen.

Doch daraus wurde nichts, „denn dafür brauchte man viel zu viel Fläche und Material“, sagt er. Also schulte er um auf Fußbodenleger, erhielt eine Ausnahmegenehmigung von der Handwerkskammer – und konnte so in die Selbstständigkeit starten. Das Ehepaar besuchte Schulungen, bildete sich weiter – „ich habe mit Fußboden verlegt, das war ganz außergewöhnlich“, so Lydia Schertler.

"Wir hatten Arbeit ohne Ende"

Sie hatte vorher in der Strumpffabrik gearbeitet, ist dann mit einem vollgepackten Fahrrad bis nach Niederweimar gefahren und hat Porzellan, Besteck, Tischwäsche, Handtücher und mehr verkauft. Die Geschäftstüchtigkeit lag also beiden im Blut.

Der neu gegründete Laden lief gut, „das war eine tolle Zeit“, sagt Walter Schertler. Das ganze Wohnhaus sei in Beschlag gewesen, „Flur, Keller – später haben wir eine kleine Halle hinter dem Haus gebaut“, sagt Lydia Schertler, „wir hatten Arbeit ohne Ende“. In der Konsequenz baute das Ehepaar 1977 das jetzige Geschäft in der Allendorfer Straße – das fortan den Namen „Fußbodenmarkt Schertler“ trug.

„Dreimal haben wir das Gebäude bisher vergrößert, auf jetzt rund 1 500 Quadratmeter“, sagt Lydia Schertler. Sohn Ralf machte seine Ausbildung im heimischen Betrieb, stieg 1984 als Geselle ein, seine Ehefrau Silke folgte drei Jahre später ins Unternehmen. „Und auch unser Sohn Marco war damals schon in seinem Laufstall mit im Laden“, erinnert sich Silke Schertler, „er hat gerne aus Gardinenrollen Autos gebaut“, sagt sie lachend. War das der Grundstein für die jetzige Übernahme des Geschäfts?

"Die Billigschiene nimmt schon wieder ab"

„Eigentlich nicht“, sagt Marco Schertler. Denn er absolvierte zwar 2002 seine Lehre in Marburg als – natürlich – Raumausstatter mit dem Schwerpunkt Fußboden. „Bereits 2008 wollte ich eigentlich meinen Meister machen, aber da in unserem Gewerk der Meisterzwang abgeschafft wurde, habe ich den Meisterkurs nicht abgeschlossen.“ Im vergangenen Jahr hat der 32-Jährige das dann nachgeholt – ist seit Juli vergangenen Jahres Raumausstattermeister und hat zum Jahresbeginn den Familienbetrieb übernommen.

Leicht hat er es sich nicht gemacht, „aber wir sind gut ausgelastet“. Und das nicht nur wegen des guten Rufs, den der Fachmarkt genießt. „Die Kunden wollen individuell ausgestattet werden – und dabei von der Beratung über die Bemusterung vor Ort bis hin zur Ausführung alles aus einer Hand haben“, weiß Marco Schertler – „sie erwarten das Rundum-Sorglos-Paket“. Und seine Oma fügt hinzu: „Die Billigschiene nimmt schon wieder ab, die Leute legen wieder mehr Wert auf Qualität.“

Er rechnet damit, dass sich durch die Digitalisierung viel verändern wird – „die digitale­ Raumplanung mit dem Tablet beim Kunden wird die Zukunft sein“, ist er sicher. Es gebe bereits virtuelle Studios, in die Kunden gehen könnten. Übrigens: Theoretisch gibt es auch eine vierte Generation Schertler, die den Markt übernehmen könnten. Marco Schertler hat zwei Kinder, „die größere Tochter hat sogar schon ihre erste Gardine verkauft“, sagt Lydia Schertler. Denn als sie eine Kundin beraten habe sei ihre Ur-Enkelin „mit der Schulter voll Gardinenmustern gekommen und hat gefragt, wie der Kundin denn diese gefällt – die war so begeistert, dass sie die Gardine genommen hat“.

Die Senioren haben sich zurückgezogen – fast komplett. Opa Walter „darf noch ketteln“, wie Silke Schertler sagt. Lydia schaut auch immer noch im Laden vorbei. „Und wenn richtig viele Leute da sind, dann freue ich mich für die Kinder“, sagt sie.

von Andreas Schmidt

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