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Fachkräftemangel sorgt Unternehmen

Beflügelte Konjunktur Fachkräftemangel sorgt Unternehmen

Die heimischen Unter­nehmen gehen positiv gestimmt ins Jahr – so die Konjunktur-Umfrage der IHK Kassel-Marburg. Für dieses Jahr rechnet die IHK mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent.

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Die Industrie erweist sich in der heimischen Wirtschaft erneut als Wachstumstreiber – gefolgt von der Bauwirtschaft, die von einem weiterhin steigenden Geschäft ausgeht. 

Quelle: Maurizio Gambarini

Marburg. Demnach stieg der IHK-Klimaindex, der die Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Lage abbildet, auf 123,7 Punkte. Im Vorjahr hatte er sich bei 117,2 Punkten eingependelt, im Vergleich zur Herbstumfrage sank der Index leicht um 1,7 Punkte.

45,9 Prozent der 312 befragten Unternehmer in Marburg und Nordhessen beurteilen ihre gegenwärtige Lage als gut, 48,3 Prozent als befriedigend und 5,8 Prozent stufen sie als schlecht ein. „Die Wirtschaft in unserem IHK-Bezirk geht mit guter Zuversicht in das Jahr 2018. Die Konjunktur gewinnt spürbar an Dynamik in fast allen Branchen“, sagt IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan.

Die Unternehmer schätzten die gegenwärtige Lage als sehr stark ein. „Hinsichtlich der zukünftigen Projektionen werden die Unternehmer etwas vorsichtiger“, so Jordan. Die IHK gehe von einem weiter steigenden Auslandsgeschäft und von einer wachsenden Beschäftigtenzahl aus. Allerdings müsse man feststellen, „dass der Fachkräftemangel vorherrschendes Thema bei der Risikoeinschätzung für die Unternehmen in der Region ist“, mahnt der IHK-Präsident. 58,5 Prozent der befragten Unternehmen sähen darin das größte Risiko bei der wirtschaftlichen Entwicklung.

Industrie bewertet Lage mit gut

Treiber und Stütze der aktuellen Konjunktur sei das verarbeitende Gewerbe. Hier vermeldet die IHK Kassel-Marburg einen deutlichen Anstieg bei den Investitionen. Darüber hinaus würden die niedrigen Zinsen und die gute internationale Wettbewerbsposition der Industrieunternehmen zur guten Wirtschaftslage beitragen.

In der Industrie bewerten 50 Prozent der Unternehmen ihre Lage mit gut, im Vorjahr waren es noch 41,2 Prozent. Für 44,7 Prozent laufen die Geschäfte derzeit befriedigend – im Gegensatz zu 49 Prozent vor einem Jahr. Ihre zukünftige Entwicklung schätzen 35,1 Prozent eher günstiger ein, 55,6 Prozent erwarten keine Veränderung und 9,3 Prozent gehen von einer schlechteren Entwicklung aus. Der Klima-Index stieg in der Industrie binnen Jahresfrist von 123,1 auf 134,9 Punkte. „Die Industrie ist auch 2018 wieder die Konjunkturlokomotive“, so die IHK.

Ähnlich positiv läuft es im Baugewerbe: Dort schätzen 53,8 Prozent der Betriebe ihre derzeitige Lage als gut ein – eine Steigerung zum Vorjahr um 16,3 Punkte. 46,2 Prozent sind zufrieden – und kein einziges Unternehmen berichtet von einer schlechten Lage. Dementsprechend erwarten 15,4 Prozent im Jahresverlauf sogar noch eine Verbesserung, 84,6 ein zumindest gleichbleibendes Niveau.

Eine Verschlechterung der Aussichten kann sich ebenfalls kein Unternehmen vorstellen. Dementsprechend kletterte der Klimaindex binnen Jahresfrist um fast 14 auf 133,2 Punkte.

Winter hat keine Spuren in der Konjunktur hinterlassen

„Normalerweise müsste der Winter seine konjunkturellen Spuren hinterlassen haben. Hierfür gibt es keinerlei Indizien“, teilt die IHK mit.

Etwas verhaltener startet der Einzelhandel ins Jahr – was aber laut IHK normal sei, „da das ertragreiche Weihnachtsgeschäft vor der Umfrage lief“. Demnach sehen 36,7 Prozent (Vorjahr: 47,1 Prozent) ihre Lage als gut, 53,3 Prozent (Vorjahr: 41,1 Prozent) sind zufrieden. 16,7 Prozent erwarten ein besseres Geschäft in der Zukunft, 66,6 Prozent gehen von keiner Veränderung aus. Der Klima-Index im Einzelhandel fiel im Vergleich zum vergangenen Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft von 116,6 auf 112,5 Punkte.

Das Gastgewerbe zeichnet indes ein sehr unterschiedliches Bild: Während 45 Prozent der Befragten ihre gegenwärtige Lage als gut und 50 Prozent mit befriedigend (Vorjahr: 44,4 und 38,9 Prozent) einschätzen, erwarten nur 14,3 Prozent der Gastronomen ein weiter gut laufendes Geschäft. 66,7 Prozent erwarten ein gleichbleibendes Geschäft, 19 Prozent befürchten eine Verschlechterung.

Dementsprechend fällt der Klimaindex im Vergleich zum Vorjahr um fast 7 auf 115,5 Punkte. „Das Gastgewerbe meldet im Prinzip die schlechtesten Zahlen im Vergleich zu den anderen Branchen“, teilt die IHK dazu mit.
Eine Verschlechterung erwarten auch die Banken: 25 Prozent der befragten Kreditinstitute bewerten die gegenwärtige Lage mit gut, 75 Prozent mit befriedigend. Im Vorjahr lagen diese Werte noch bei 13,3 und 86,7 Prozent.

Keine Bank denkt allerdings, dass sich das Geschäft in diesem Jahr verbessern werde. Vielmehr gehen 75 Prozent von einer gleichbleibenden Lage aus, 25 Prozent rechnen damit, dass sich das Geschäft eher verschlechtern wird. Damit liegt der Klimaindex bei 96,8 Punkten – im Gegensatz zu 106,1 im Herbst und 86,9 Punkten vor einem Jahr. IHK-Präsident Jordan sagt dazu: „Es ist sicher kein Geheimnis, dass die EZB-Geldpolitik das Geschäftsmodell der Kreditinstitute erschwert. Das wird in der aktuellen Umfrage wieder deutlich.“

Alles in allem zieht die IHK jedoch ein positives Fazit: Die Wirtschaft im Bezirk befinde sich in einem stetigen und breit angelegten Aufschwung.
„Die aktuelle Umfrage deutet darauf hin, dass dieser Aufschwung sich fortsetzen wird“, heißt es. Dem vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag prognostizierten Wachstum von 2,2 Prozent schließe man sich an.

von Andreas Schmidt

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