Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Facebook-Eintrag kostet Arbeitsplatz

Social Media Facebook-Eintrag kostet Arbeitsplatz

Weil er bei Facebook als Arbeitsplatz die „Dussel- und Trottel GmbH Co KG“ angegeben hat, ist ein Mitarbeiter vom Süßwarenhersteller Ferrero entlassen worden.

Voriger Artikel
Mist brennt, Wehr löscht
Nächster Artikel
Hitze weicht die Kleiderordnung auf

Arbeitsfalle Facebook: Wer in sozialen Netzwerken zu viel von sich preisgibt oder über seinen Arbeitgeber lästert, gefährdet seine Stelle. Foto: Julian Stratenschulte

Quelle: Julian Stratenschulte

Gießen. Zuvor hatte er bereits eine Kündigung wegen krankheitsbedingter Fehlzeiten erhalten. Vor dem Gießener Arbeitsgericht klagte der Mann nun gegen beide Entlassungen. Die Güteverhandlung blieb ohne Ergebnis. Jedoch wollen die Parteien versuchen, sich auf einen Vergleich zu einigen. Weil die krankheitsbedingte Kündigung vor der verhaltensbedingten erfolgte, müsse - sollte es zum Prozess kommen - erst diese entschieden werden, erklärt Arbeitsgerichtsdirektorin Manuela George. Ist diese Kündigung rechtens, wird der zweite Fall hinfällig.

Richterin mahnt zur Vorsicht im Internet

Thematisiert wurde die Facebook-Geschichte trotzdem. Die Firmenvertreter zeigten sich empört. Durch andere Mitarbeiter sei man auf das Profil des Mitarbeiters aufmerksam gemacht worden und Ferrero werde durch die Angabe zutiefst verunglimpft. Dem hielt die Klägerseite entgegen, dass Ferrero gar nicht wörtlich genannt werde. Richterin George verwies darauf, dass nur derjenige, der wisse, wo der Mann arbeite, konkrete Rückschlüsse auf das Stadtallendorfer Unternehmen ziehen könne. Allerdings mahnte sie zur Vorsicht im Umgang mit sozialen Netzwerken. Immer mehr Arbeitgeber würden sich dort über ihre Mitarbeiter informieren.

Im Fall des Gekündigten heißt das aus Sicht der Richterin: „Es geht darum, ein Späßchen zu treiben, man hat nicht auf dem Schirm, dass dies ein Bumerang werden kann“ - und man deshalb nach 14 Jahren die Arbeit verlieren könnte.

Das bestätigte auch der Kläger: Er habe nur einen Spaß machen wollen. An Ferrero habe er nicht gedacht. „Es war keinesfalls eine Trotzreaktion auf die erste Kündigung gewesen.“

Zu der kam es, weil der Mann im vergangenen Jahr 145 Tage und bis zum 13. Juni 2012 weitere 47 Tage gefehlt hatte. Der entgegnet die Klägervertreterin einen Vergleich wegen einer gleichlautenden Kündigung 2011 vor dem Marburger Arbeitsgericht:, nach dem ihrem Mandanten ein Arbeitsplatz im Kontrollbereich zugewiesen werden solle. Vorgesetzte hätten ihn aber immer wieder an Maschinen abgeordnet und so die Krankheit mitzuverantworten.

Das bestritt das Unternehmen, bot dennoch eine Abfindung von 13 000 Euro an. Zu wenig für den Gekündigten, der entweder seinen Job behalten oder 50 000 Euro als Abfindung haben will. „Donnerwetter“, sagt Georges mit Verwunderung und riet ihm, sich zu mäßigen. Denn: „Einen Anspruch auf Abfindung gibt es nicht“. Fortsetzung folgt am 31. August.

von Heiko Krause

#

Social Media wie Facebook, Xing, Twitter werden im Berufsleben immer bedeutender – im positiven wie negativen Sinne. Darum sollten Sie im Umgang mit dem Web 2.0 folgende Tipps beachten:

- Mindestens 60 Prozent aller Personal-Verantwortlichen schauen im Netz nach weiteren Informationen über ihre Angestellten. Das heißt: Vermeiden Sie peinliche Fotos von Partys, unqualifizierte Aussagen über Ihren Arbeitgeber. Wichtig auch: Ihre Einträge in Foren und Netzwerken werden auch auf Dinge wie Rechtschreibung und Ausdrucksfähigkeit untersucht. Schon ein Benutzername könnte Ihren Ruf schädigen.

- Was hilft: Ego-Googeln. Tippen Sie bei der Suchmaschine Ihren Namen ein und lassen sich überraschen, was das Internet ausspuckt.

- Professionalisieren Sie Ihre Kontakte: Das heißt, überprüfen Sie Ihren Freundeskreis und die (Firmen-)Seiten, denen Sie folgen.

- Wenn Sie im Internet Kommentare abgeben, nutzen Sie Klarnamen für konstruktive Kritik. Vermeiden Sie in jedem Fall Beleidigungen und Unwahrheiten. Gleiches gilt: Keine Stewardess sollte sich in Social Networks über Reisegäste aufregen, kein Lehrer über schwierige Schüler und kein Beamter über interne Vorgänge.

- Dies gilt sowohl für Angestellte – wie im Fall des Ferrero-Mitarbeiters als auch in der Bewerbungsphase: Lena Huth, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Marburg: Bewerben lohnt, wenn´s richtig gemacht wird. Und: Schokoladenseite zeigen ist erlaubt. „Wer sich bewirbt, sollte natürlich ehrlich sein. Dazu gehört auch, seine Vorzüge und Stärken zu vermarkten, auch in den Internet-Foren.“ Das, was in einer professionellen Bewerbung vermarktet wird, sollte nicht durch eine nachteilige Darstellung im Social-Media-Bereich zunichte gemacht werden. Lena Huth rät Jugendlichen, sich darüber Gedanken zu machen, wie man dort bei Arbeitgebern ankommt. „Denn eines ist klar: Alles, was Freunde und Bekannte im Internet sehen können, ist auch für Personalchefs zugänglich.“

von Carsten Bergmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr