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Fabrikchef fördert Fremdenverkehr

Serie "Damals und Heute" Fabrikchef fördert Fremdenverkehr

In der Serie "Damals & Heute" dokumentiert die Oberhessische Presse den Wandel von Straßenzügen und Gebäuden. Am Samstag widmen wir uns der Wollspinnerei Müller in Gladenbach.

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Aus der selben Perspektive wie vor gut 90 Jahren lässt sich die ehemalige Wollspinnerei nicht mehr fotografieren.

Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Den historischen Bildern aus den Städten und Gemeinden des Hinterlandes sowie Lohra werden aktuelle Aufnahmen gegenübergestellt. Sie sollen deutlich machen, was sich verändert hat, und was nicht.

Weil es in der sehr kleinen Fabrikationsstätte der Firma Müller in der Marktstraße zu eng klein war, es aber immer mehr Aufträge gab, ließen Christoph und Wilhelm Müller in den Jahren 1875 und 1876 eine neue Fabrik an der Bahnhofstraße bauen. In den Chroniken ist nachzulesen, dass in der Gladenbacher Wollspinnerei in guten Zeiten bis zu 150 Menschen beschäftig waren. Sie war neben den Zigarrenfabriken und der Aurorahütte der wichtigste Arbeitgeber im Raum Gladenbach. Gegenüber der Fabrik entstand auf einem geräumigen Grundstück eine stattliche Villa nebst Gartenhaus, Pavillon und Tennisplatz. Der Kutscher hatte seine Unterkunft am unteren Ende der Fabrikanlage, dort waren auch die Pferde und Kutschen der Fabrikanten untergebracht.

Das Foto zeigt die Produktionsgebäude. Am Schornstein hinten rechts stand das Kesselhaus, in dem es 1889 zu einem Brand kam. Die Gladenbacher Spritzenmannschaften - bestehend aus Pflicht- und freiwilliger Feuerwehr - hatten das Feuer schnell gelöscht, so entstand nur Schaden im Kesselhaus. Gut zu sehen sind hinter der Fabrik die Häuser in der Gießener Straße. Über dem Dachgiebel des großen Produktionsgebäudes sieht man die 1896 erbaute katholische Kapelle. Das Kirchlein wurde auch von den vielen polnischen und italienischen Gastarbeitern aufgesucht, die an der Erweiterung der Bahnlinie Niederwalgern-Herborn von 1896 bis 1902 eingesetzt waren.

In einem Teil der alten Fabrik bezog ab 1932 der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) und nach der Machtergreifung Hitlers der Reichs-Arbeitsdienst (RAD) Quartier. Obwohl die Gemeinde einen Vertrag bis 1936 mit dem Arbeitsdienst hatte, wurde dieser schon Anfang 1934 aus Gladenbach abgezogen und in das neue RAD-Lager bei Damm verlegt. Da Wilhelm Müller einer der Förderer des Fremdenverkehrs in Gladenbach war, standen die Gartenanlagen nebst Pavillon und Tennisplatz den vielen Sommerfrischlern und Kurgästen zur Verfügung.

Der Lehrer-Quartett-Verein und der 1898 gegründete Musikverein sorgten mit ihren Konzerten für die Unterhaltung der Gäste. Lange Jahre dienten die Anlagen der Villa Müller dem kulturellen Leben von Gladenbach.

von Hartmut Berge

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