Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / -1 ° Regenschauer

Navigation:
Expertenbündnis kommt ins Hinterland

Depressionen Expertenbündnis kommt ins Hinterland

Das Marburger Bündnis gegen Depression bietet erstmals in Kooperation mit der Gemeinde Bad Endbach eine Vortragsreihe im Hinterland an. Den Auftakt macht Professor Tilo Kircher.

Voriger Artikel
Freie Wähler freuen sich auf Opposition
Nächster Artikel
Professor spricht über Depressionen

Ein Zettel klebt auf einer Patientenakte mit dem Hinweis Neu / ohne Termin: Depression. In einer Vortragsreihe widmet sich das Marburger Bündnis gegen Depression der Volkskrankheit und klärt auf. Am 25. Oktober findet die erste Veranstaltung im Kursaal in Bad Endbach statt.

Quelle: Arno Burgi / dpa

Bad Endbach. Am 24. März zerschellt eine Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings an einem Bergmassiv in den französischen Alpen. 150 Menschen sterben. Der Copilot soll unter Depressionen gelitten und auf eine Gelegenheit gewartet haben, sich das Leben zu nehmen. Dabei nahm er den Tod der 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder in Kauf. In der Folge entbrannte eine hitzige Diskussion über die Zusammenhänge von Depression und Suizid.

„Vorurteile stigmatisieren die Betroffenen und deren Angehörige“, sagt Jörg Tischler, Koordinator und Pressesprecher des Marburger Bündnisses gegen Depression. Das Expertenbündnis hat sich ganz der Volkskrankheit verschrieben und baut seit 2010 darauf, Vorurteile abzubauen. Es will durch Aufklärung mit Ängsten und Tabus brechen. An erster Stelle steht für den Verein dabei, die Versorgung und die Lebensqualität der 13.000 Menschen, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf an Depression erkrankt sind, zu verbessern. Jeder Suizid sei ein Suizid zu viel, sagt Tischler.

Kleiner Anlass kann Depression auslösen

„Depression kann jeden treffen, Depression hat viele Gesichter, Depression ist behandelbar“ – das ist der Tenor, mit dem das Bündnis um mehr Verständnis für die Volkskrankheit wirbt. „Schwierige Lebensphasen oder Persönlichkeitsmerkmale sind eben nicht krank, sondern gehören zum Leben dazu“, sagt Tischler. Ein Mensch sei nicht krank, nur weil er trauert, morgens nicht aus dem Bett kommt oder sich komisch verhält. Zur Krankheit werde es – im Falle einer Depression –, wenn Traurigkeit, Antriebs-, Mut- und Interessenlosigkeit über einen längeren Zeitraum anhalten und der Betroffene darunter leide, sagt er weiter.

Die Gründe für eine Depression sind vielfältig, meist kommen viele Faktoren zusammen. In Marburg läuft die Forschung auf Hochtouren, weil die Ursachen einer Depression oftmals im Verborgenen liegen. Unter bestimmten Voraussetzungen reicht aber schon ein kleiner Anlass, um eine Depression auszulösen. Dies können laut Tischler der Verlust eines geliebten Menschen sein, ein Umzug in eine fremde Stadt, Überforderung durch Stress, aber auch eigentlich freudige Ereignisse wie eine Beförderung und die Geburt eines Kindes.

Vier Vorträge bis Ende Juni

„Eine Depression kann jeden treffen – unabhängig von Geschlecht, Einkommen, Alter oder Kultur“, sagt Tischler. Darüber zu sprechen, hat sich das Expertenbündnis zur Aufgabe gemacht. Es will das Schweigen brechen. „In Deutschland gibt es 80 Millionen ,Bundestrainer‘, die zu jedem Spiel der Nationalelf die beste Mannschaftsaufstellung und die beste Taktik empfehlen. Ein schönes Vergnügen. Weniger harmlos ist es, wenn 80 Millionen selbsternannte Psychiater darüber diskutieren, an welcher Krankheit der Germanwings-Pilot gelitten hat und wie man diese behandeln könnte“, sagt Tischler. Das Marburger Bündnis will deshalb die Menschen, die an Depression erkrankt sind, schützen, indem es aufklärt.

Diesmal erweitert das Bündnis seinen Radius: An vier Vortragsabenden in der Kurgemeinde Bad Endbach wird die Volkskrankheit Thema sein. Den Auftakt machte Professor Tilo Kircher, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Marburg) und Vorsitzender des Vereins Marburger Bündnis gegen Depression. Er referiert ab 19 Uhr im Kursaal des Kur- und Bürgerhauses in Bad Endbach zum Thema „Depression, Burnout & Co“. Es folgen weitere drei Veranstaltungen im Kursaal. Bei allen vier Vorträgen wird das Augenmerk auf sehr unterschiedliche Aspekte der Volkskrankheit Depression gelegt.

Das Marburger Bündnis gegen Depression ist froh darüber, dass es ihm gelungen ist, Experten als Referenten zu gewinnen, die „fachlich seriös und laiengerecht“ interessante Themen beleuchten. Den Besuchern der Vortragsabende werde zudem ausreichend Gelegenheit geboten, zu diskutieren und Fragen zu stellen, erklärt Tischler.

von Silke Pfeifer-Sternke

 Vorträge

Mittwoch, 25. Oktober: Depression, Burnout & Co., Referent: Professor Tilo Kicher;

Mittwoch, 31. Januar: Altersdepression/Altersdemenz und Kinder psychisch kranker Eltern, Referentinnen: Dr. Karin Ademmer und Professor Hanna Christiansen;

Mittwoch, 16. Mai: Depression und Krebs und Depression und Sucht, Referenten: Annekatrein Menges-Beutel und Dr. Ulrich Schu;

Mittwoch, 20. Juni: Depression – neue Möglichkeiten, neue Wege, Behandlung in der Zukunft, Referent: Professor Michael Franz.
Alle Vorträge finden im Kursaal des Kur- und Bürgerhauses in Bad Endbach statt, Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr