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Hinterland Exhibitionist kommt ohne Strafe davon
Landkreis Hinterland Exhibitionist kommt ohne Strafe davon
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10:54 19.02.2018
Ein Mann aus Biedenkopf geriet vor Gericht an eine gnädige Staatsanwältin. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Das Amtsgericht Marburg stellte das Verfahren auf Antrag von Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier ein. Grund, so der Vorsitzende Richter, Dirk Schauß, sind erhebliche Zweifel an der Schuldfähigkeit des Mannes. Ein Gutachten geht mindestens davon aus, dass diese aufgrund sehr hohen Alkoholkonsums deutlich eingeschränkt war.

Laut Anklage stand der Biedenkopfer in allen Fällen an seinem ebenerdigen Fenster und öffnete jeweils seinen Bademantel, unter dem er keine weitere Kleidung trug. Teilweise onanierte er dabei auch. Die Opfer, das jüngste Mädchen war zwölf Jahre alt, hätten teilweise Angst gehabt und seien davongelaufen, zumindest hätten sie sich jedoch belästigt gefühlt.

Das Gericht folge der Auffassung Brinkmeiers, dass weitere derartige Straftaten nicht zu erwarten sind, ansonsten habe der nicht vorbestrafte Angeklagte sich nichts zu Schulden kommen lassen. Es bestünden auch Zweifel, ob er sich bewusst Kinder ausgesucht habe.

Angeklagter: Von mir selber angeekelt

Warum es im Tatzeitraum zu den exhibitionistischen Handlungen kam, blieb offen. Der Biedenkopfer betonte, sich überhaupt nicht mehr erinnern zu können. „In dieser Phase hatte ich mit dem Leben abgeschlossen und jeden Tag etwa drei Flaschen Wodka getrunken.“ Bei seiner Festnahme am frühen Morgen hatte er laut polizeilichem Vermerk noch fast drei Promille Atemalkohol. „Und da war ich nüchtern“, sagte der 48-Jährige.

Als er von den Vorwürfen erfahren habe, es wurde ihm von der Polizei auch ein eindeutiges Bild gezeigt, das eines der Opfer gemacht hatte, „war ich von mir selber angeekelt“. Abstreiten wollte er die Taten nicht, auch wenn er sie sich nicht erklären könne.

„Die Vorwürfe sind eigentlich nicht von Pappe, aber es kommt auch auf die Verantwortlichkeit an“, betonte der Richter abschließend. Die Einstellung ohne gerichtliche Auflagen könne aber gerechtfertigt werden, weil der Mann seine Alkoholsucht durch umfassende Behandlung im Griff hat. „Ich werde mir immer sofort Hilfe holen“, versprach der Angeklagte auf die Mahnung des Richters für Anzeichen eines Rückfalls in Sachen Alkoholmissbrauchs.

von Heiko Krause