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Ex-Mitarbeiter muss Schadenersatz zahlen

Bandendiebstähle bei Firma Winter Ex-Mitarbeiter muss Schadenersatz zahlen

Vier Klagen, vier Urteile: Das Arbeitsgericht in Gießen entschied gestern Nachmittag dreimal zugunsten eines ehemaligen Mitarbeiters der Eisengießerei Fritz Winter - und einmal gegen ihn.

Gießen. Rund 162000 Euro Schadenersatz soll der 45-jährige Stadtallendorfer, der lange Zeit im Hauptmagazin der Eisengießerei Fritz Winter GmbH & Co. KG beschäftigt war, nun an seinen ehemaligen Arbeitgeber zahlen. Das entschied am gestrigen Freitag das Gießener Arbeitsgericht. Hintergrund dafür ist seine mutmaßliche Beteiligung am groß angelegten Bandendiebstahl, der dem Stadtallendorfer Unternehmen einen Schaden von mindestens 1,5 Millionen Euro verursachte.

Der ehemalige Mitarbeiter soll den Bandendieben die Tore des Hauptmagazins geöffnet und so den Abtransport von tonnenweise Kupfer, Zinn und Molybdän möglich gemacht haben. „Wir sehen die Schadenersatzforderung von Seiten des Unternehmens als berechtigt an und gehen davon aus, dass der Mitarbeiter an den Diebstählen mitgewirkt hat“, begründete Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle das Urteil der Kammer. Zudem habe das Arbeitsgericht Marburg die ordentliche Tatkündigung, die das Unternehmen im März 2011 ausgesprochen hatte, als gerechtfertigt angesehen und die Klage des Stadtallendorfers im vergangenen Jahr abgewiesen (die OP berichtete). „Einzig in der Höhe des Schadenersatzes sind wir nicht den Forderungen des Unternehmens gefolgt“, so Rühle. Da stütze er sich auf die Aussagen der beiden Haupttäter und nicht auf mögliche Spekulationen. Und so fiel der Betrag, den der 45-Jährige jetzt zahlen muss, fast um die Hälfte geringer aus.

Der Kläger wiederum forderte gestern in drei Klagen Lohnzahlungen von der Eisengießerei. Nachdem eine erste fristlose Kündigung im Februar 2010 – damals noch wegen eines anderen Diebstahlverdachts – vom Marburger Arbeitsgericht für unwirksam erklärt worden war, wollte der 45-Jährige ebenso wie für eine zweite fristlose Kündigung im September 2010 und eine dritte im März 2011, die für diese Zeiträume ausstehenden Lohnzahlungen in Höhe von rund 30000 Euro erwirken. Bis auf die dritte ordentliche Kündigung gab ihm das Arbeitsgericht Gießen gestern Recht, da „alle anderen fristlosen wie auch ordentlichen Kündigungen für unwirksam erklärt worden waren“, so Rühle. Der Lohn müsse daher gezahlt werden.

Für den Stadtallendorfer Kläger, der weiterhin seine Unschuld beteuert, ist die Reihe der Prozesse mit diesem Urteil allerdings noch nicht beendet: Nachdem sowohl er als auch die Firma Winter Berufung gegen die Urteile des Arbeitsgerichtes Marburg eingelegt haben, verhandelt das hessische Landesarbeitsgericht (LAG) die Kündigungsklagen im August erneut. Dann sollen auch die beiden Haupttäter aussagen. Während diese vor dem Marburger Arbeitsgericht noch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatten, können sie dies vor dem LAG nicht mehr tun, da sie wegen der Taten bereits rechtskräftig verurteilt sind.

Eine strafrechtliche Verurteilung des 45-jährigen Hauptmagazin-Mitarbeiters steht aktuell noch aus, die Wirtschaftsstrafkammer des Marburger Landgerichts verhandelt den Fall voraussichtlich Ende Juli.

von Katharina Kaufmann

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