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Ex-Chef soll Betrieb vor der Insolvenz geplündert haben

Anklage Ex-Chef soll Betrieb vor der Insolvenz geplündert haben

Insolvenzverschleppung, Bankrott, Untreue, Vorenthalten von Arbeitsentgelten und eine falsche eidesstattliche Versicherung - so lauten die Anklagepunkte gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Elnhäuser Römer Etikett GmbH & Co. KG.

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Marburg. Die Liste der Vorwürfe gegen den 40-jährigen Diplomkaufmann und ehemaligen Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Römer Etikett GmbH & Co. KG ist lang. Insgesamt klagt die Marburger Staatsanwaltschaft 79 Taten - vor allem Wirtschaftsdelikte - an. „Die erste Anklage umfasst neben Insolvenzverschleppung 37 Fälle des Bankrotts, also das Beiseiteschaffen von Vermögenswerten, und 41 Fälle des Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen von Arbeitnehmern“, berichtet Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer von der Marburger Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der OP.

Die zweite Anklageschrift vom 22. Februar bezieht sich auf eine falsche eidesstattliche Versicherung: Der 40-Jährige soll gegenüber dem Finanzamt Marburg in seinem Vermögensverzeichnis mehrere hochwertige Fahrzeuge im Gesamtwert von insgesamt 359.000 Euro nicht angegeben haben.

Dem Angeschuldigten wird laut Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, von Juni bis Dezember des Jahres 2010 trotz der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens von den Firmenkonten mehr als 260.000 Euro zur Begleichung privater Ausgaben entnommen zu haben. Mit diesem Geld soll er unter anderem teure Autos der Marken Porsche, Ferrari und BMW bezahlt und seine Miet-Villa in Marburg finanziert haben.

Damit habe der ehemalige Geschäftsführer Unternehmensvermögen beiseite geschafft und den Gläubigern die Möglichkeit entzogen, auf dieses Geld zuzugreifen. Zudem soll er - so die Staatsanwaltschaft - für insgesamt 46 Arbeitnehmer keine Arbeitnehmeranteile an die zuständigen Krankenkassen abgeführt haben. Den Krankenkassen seien mehr als 54.000 Euro vorenthalten worden.

Im Dezember 2010 hatte die Römer Etikett GmbH & Co. KG, die im Jahr 1965 gegründet worden war und sich im Laufe der Jahre vom reinen Produktionsbetrieb zu einer Spezialfabrik für flexible Verpackungen entwickelte, Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren war dann auch eröffnet worden, die Verwaltung des Vermögens wurde dem Marburger Rechtsanwalt Manfred Kuhne als vorläufigem Insolvenzverwalter übertragen (die OP berichtete).

Mittlerweile laufen die Maschinen des zur Römer Etikett Vertriebs- und Produktions GmbH umfirmierten Unternehmens wieder auf Hochtouren. Der Ire Tom Waters hatte den Betrieb mit 17 der ursprünglich 48 Mitarbeiter im vergangenen Sommer übernommen und will diesen nach und nach wieder an den Markt zurückführen.

„Für unser Geschäft bedeuten diese Anklagen gar nichts. Sie haben auch keine Auswirkungen auf den Betrieb“, erklärt Betriebsleiter Claus Schüring. Viel mehr betroffen seien wohl die Gläubiger.

Davon gibt es nach Angaben der Marburger Staatsanwaltschaft mehr als genug: Über 100 Gläubiger haben deren Angaben nach Forderungen in Höhe von mehr als 2,6 Millionen Euro zur Insolvenztabelle angemeldet.

Der von der Staatsanwaltschaft Angeschuldigte selbst hat nach OP-Recherchen einen neuen Posten als Geschäftsführer bei der EtiKS Etiketten- und Kennzeichnungs-Systeme GmbH in Dreieich in der Nähe von Frankfurt und versucht - auch über alte Kontakte - für diese neue Kunden zu akquirieren. Zudem soll er weiter in seiner Villa in Marburg wohnen und hin und wieder in einem Ferrari gesehen worden sein.

Ein Verhandlungstermin für die Anklagen gegen den 40-Jährigen vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Marburg steht laut Holger Willanzheimer derzeit noch nicht fest. „Damit ist wohl frühestens im Sommer zu rechnen“, so der Oberstaatsanwalt gegenüber der OP.

von Katharina Kaufmann

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